
Kanzler auf Weltreise: Merz flieht vor dem Umfrage-Desaster

Während in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern an diesem Herbst über die politische Statik der Republik entschieden wird, packt Bundeskanzler Friedrich Merz die Koffer. Arktis, New York, Brüssel, Asien: Der Terminkalender liest sich wie ein Reiseprospekt. Kritiker sehen darin auch eine elegante Ausweichbewegung vor dem Chaos daheim.
Rovaniemi statt Magdeburg
Den Auftakt macht laut Berichten ein Arktis-Gipfel im finnischen Rovaniemi am 13. und 14. September, zu dem Ministerpräsident Petteri Orpo eine Runde von EU-Regierungschefs geladen hat. Thema: die wachsende geopolitische Bedeutung der Polarregion.
Der Termin liegt exakt zwischen den Landtagswahlen. Danach folgen die UN-Woche in New York, im Oktober der EU-Gipfel in Brüssel und eine Reise mit Wirtschaftsdelegation nach Singapur, Japan und Südkorea. Ein Kanzler, der offenbar als Außenkanzler in Erinnerung bleiben möchte.
Pikant: Im September 2025 hatte Merz die UN-Generalversammlung noch geschwänzt – wegen der Haushaltsberatungen in Berlin, wie damals berichtet wurde. In Diplomatenkreisen sei die Wahlniederlage Deutschlands bei der Kandidatur für den UN-Sicherheitsrat im Juni 2026 auch als Quittung für diese Zurückhaltung gedeutet worden.
85 Prozent unzufrieden – das ist kein Tief, das ist ein Keller
Zu Hause bröckelt der Rückhalt dramatisch. Dem ARD-DeutschlandTrend zufolge sind rund 85 Prozent der Befragten mit der Arbeit des Kanzlers unzufrieden, nur etwa 13 bis 14 Prozent zufrieden. Zum Vergleich: Im Juni 2025, kurz nach Amtsantritt, lag die Zustimmung Medienberichten zufolge noch bei 39 Prozent.
In den ostdeutschen Ländern liegt die AfD in den Umfragen vorn – in Sachsen-Anhalt seit Monaten deutlich vor der CDU. Wer wissen will, warum, muss nur die Themen durchgehen: Migration, Energiepreise, Bürokratie, ein Schuldenpaket in Billionenhöhe, das ausgerechnet jener Kanzler auflegte, der vor der Wahl Solidität versprochen hatte.
Brüssel wird zur Belastungsprobe
Ausgerechnet der EU-Gipfel im Oktober könnte zum Prüfstein werden. Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle bereite die Bundesregierung übereinstimmenden Medienberichten zufolge ein umfangreiches Maßnahmenpaket gegen Russland vor; im Regierungsviertel sei von einer „Zeitenwende 2.0“ die Rede. Moskau weist jede Verantwortung zurück.
Parallel schnürt Brüssel ein neues Sanktionspaket: Geprüft würden rund 1600 Ziele – je 800 Personen und Unternehmen. Umstritten bleibt, ob eingefrorenes russisches Staatsvermögen für ein Reparationsdarlehen an die Ukraine herangezogen wird; Belgien, Sitz der Verwahrstelle Euroclear, zögert.
Dazu droht der Handelskrieg mit China. Die EU-Kommission wolle im Oktober über sektorweite Zölle bis hin zu Importquoten entscheiden, sollte keine Einigung gelingen. In der Koalition knirscht es: Während die SPD auf Härte dränge, warne Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vor den Folgen für die deutsche Industrie.
Und dann ist da noch Wüst
Aus Politikkreisen heißt es, in der Union werde seit dem Frühsommer über einen möglichen Nachfolger gesprochen – genannt wird vor allem Hendrik Wüst. Aus dem Kanzlerumfeld hieß es dagegen, solche Personaldebatten gefährdeten die Stabilität der Regierung.
Absetzen lässt sich ein Kanzler in Deutschland nicht so leicht: Nötig wäre ein konstruktives Misstrauensvotum. Doch schwache Wahlergebnisse erhöhen den Druck in der eigenen Fraktion. Über die Zukunft des Außenkanzlers entscheiden – so sehen es Beobachter – nicht Rovaniemi oder Seoul, sondern Magdeburg, Schwerin und Berlin.
Für Bürger, die politische Wetterlagen dieser Art seit Jahren erleben, bleibt eine nüchterne Erkenntnis: Vermögenssicherung ist Eigenverantwortung. Physische Edelmetalle gelten vielen als bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio – unabhängig davon, wer gerade in welchem Flugzeug sitzt.
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