
Kanzler auf Abruf: Merz streicht New-York-Reise – Angst vor Sonntag?

Friedrich Merz bleibt zu Hause. Der Bundeskanzler hat seine fĂĽr kommenden Dienstag geplante Reise zur UN-Generalversammlung nach New York abgesagt. Die offizielle BegrĂĽndung aus Regierungskreisen, verbreitet ĂĽber mehrere Medien: Seine Anwesenheit in Berlin sei erforderlich.
Ein Kanzler, der die größte diplomatische Bühne der Welt sausen lässt, weil er in der Heimat gebraucht wird – das hat es in dieser Form selten gegeben. Und es sagt mehr über die Lage der Union als jede Wahlanalyse.
Statt WeltbĂĽhne: Krisensitzung im Reichstag
Auch die Verleihung des Henry-Kissinger-Preises der American Academy, ebenfalls am Dienstag in New York, hatte Merz Berichten zufolge schon vorher abgesagt. Geplant waren am Rande der Generaldebatte zudem Gespräche mit Amtskollegen.
Stattdessen tritt er nun um 15 Uhr vor die CDU/CSU-Fraktion. Dort dürfte es unangenehm werden: Beobachter erwarten deutliche Kritik aus den eigenen Reihen. Die Botschaft des Auftritts wirkt durchsichtig – erst zuhören, dann die Kritiker einfangen, bevor sie sich organisieren.
Vor der UN spricht nun AuĂźenminister Johann Wadephul (CDU).
Der 20. September als Schicksalstag
Der eigentliche Grund für die Absage steht im Kalender: Am Sonntag wählen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Noch am Wahlabend kommt das CDU-Präsidium im Konrad-Adenauer-Haus zusammen, um über die Zukunft von Parteichef und Kanzler zu beraten.
Die Vorzeichen sind düster. Laut ZDF-Politbarometer Extra vom 11. September käme die CDU in Mecklenburg-Vorpommern nur noch auf sieben Prozent – 2021 waren es 13,3 Prozent. In Berlin liegt sie mit 21 Prozent hinter der Linken (23 Prozent), die AfD folgt mit 17 Prozent. Ein Politikwissenschaftler der Universität Rostock verglich die Situation in der Sendung mit einem Boxer, der drei schwere Treffer einstecken musste – offen sei nur, ob er zu Boden gehe.
Dazu kommt der Schock vom 6. September: In Sachsen-Anhalt gewann die AfD die Landtagswahl laut ARD-Hochrechnungen mit rund 44,5 Prozent, die CDU stĂĽrzte ab. Medienberichten zufolge liegt die Union im Bund inzwischen bei historisch niedrigen 18 Prozent.
Vom „Außenkanzler“ zum Getriebenen
Schon Merz' Teilnahme an einer EU-Veranstaltung am finnischen Polarkreis war kritisch kommentiert worden – er war dort einer der wenigen Regierungschefs überhaupt. Der Vorwurf, den er nun offenbar entkräften will: Der Kanzler pflege lieber sein Image als Weltpolitiker, während im Inland Wirtschaftsflaute, Migrationsstreit und innere Sicherheit den Alltag der Bürger prägen.
Aus Sicht unserer Redaktion liegt genau hier der Kern des Problems. Wer mit dem Versprechen antritt, das Land wirtschaftlich wieder nach vorn zu bringen, wird an Strompreisen, Bürokratie und Schuldenpolitik gemessen – nicht an Auftritten hinter Bühnenlicht. Über einen bevorstehenden „Putsch“ wird viel geschrieben; die JUNGE FREIHEIT berichtete, dazu werde es zunächst nicht kommen.
Was das fĂĽr Sparer bedeutet
Politische Instabilität ist nie nur ein Berliner Betriebsunfall. Sie schlägt auf Investitionsentscheidungen, Standortvertrauen und am Ende auf Kaufkraft durch. Wer sein Vermögen breit aufstellt, hat in unruhigen Phasen erfahrungsgemäß die ruhigere Hand – physische Edelmetalle können dabei als Beimischung zur langfristigen Vermögenssicherung dienen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er spiegelt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich zuvor selbst umfassend informieren.
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