
Kampf um die 35-Stunden-Woche: SPD und IG Metall gehen in Stellung

Berlin, 12. August 2026: Die Debatte über längere Arbeitszeiten in der deutschen Industrie eskaliert. Führende SPD-Arbeitsmarktpolitiker und die Gewerkschaften haben Forderungen aus der Wirtschaft nach einem Ende der 35-Stunden-Woche scharf zurückgewiesen. Im Herbst beginnt die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie – die Fronten sind jetzt schon verhärtet.
Was die SPD-Politiker sagen
Vizefraktionschefin Dagmar Schmidt erklärte einem Wirtschaftsblatt, die verkürzte Arbeitszeit sei das Ergebnis einer Einigung von Arbeitgebern und Gewerkschaften – und kein Geschenk, das Unternehmen im Alleingang zurücknehmen könnten. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit seien aus ihrer Sicht Investitionen in Technologie, qualifizierte Beschäftigte und Produktivität.
Ihre Fraktionskollegin Annika Klose nannte eine Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich eine „echte Frechheit“. Die 35-Stunden-Woche schütze vor Überlastung und mache die Branche für Fachkräfte attraktiv. Klose weiter:
„Es ist ein alter Irrglaube, dass wir eine Produktivitätssteigerung einfach durch Mehrarbeit erreichen.“
Wirtschaftspolitiker Sebastian Roloff warnte vor einem „race to the bottom“: Deutschland sei im internationalen Wettbewerb immer besser gewesen, nicht billiger. Bestehende Tarifverträge sähen für Krisenzeiten ohnehin Stabilisierungsinstrumente vor – auch mit Beiträgen der Beschäftigten.
Die IG Metall droht offen mit Protesten
Noch deutlicher wird die IG Metall. Tarifvorständin Nadine Boguslawski sagte demselben Blatt, wer die 35 Stunden angreife, wolle im Ergebnis nur Löhne kürzen, statt sich den unternehmerischen Herausforderungen zu stellen. Ein „Billiger-Wettbewerb“ sei keine nachhaltige Strategie.
Die Konjunktur kranke nicht an kurzen Arbeitszeiten, sondern an fehlender Kaufkraft und mangelnder Innovationskraft der Unternehmen, so Boguslawski. Wer längere Arbeitszeiten fordere, provoziere eine gewaltige Protestwelle. Barbara Resch, IG-Metall-Chefin in Baden-Württemberg, sprach von einem „Rückschritt in die industriepolitische Steinzeit“.
Der Tarifvorstand der IG BCE, Oliver Heinrich, verwies darauf, dass Öffnungsklauseln längere Arbeitszeiten längst erlaubten – in der Chemieindustrie werde davon derzeit nur „homöopathisch“ Gebrauch gemacht. Er vermutet hinter der Debatte ein Ablenkungsmanöver der Arbeitgeber.
Der Auslöser: 500.000 verlorene Industriejobs
Angestoßen hatte die Debatte Medienberichten zufolge der Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller, der eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei gleichem Gehalt anregte. Stihl-Aufsichtsratschef Nikolas Stihl legte am 10. August nach: In guten Zeiten habe sich Deutschland die 35-Stunden-Woche leisten können, aktuell gehe das nicht mehr.
Stihl verwies laut Berichten auf rund 500.000 verlorene Industriearbeitsplätze – man müsse „alles tun, um die Blutung zu stoppen“. Die 35-Stunden-Woche gilt in der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie seit 1995, erkämpft in einem der härtesten Arbeitskämpfe der Bundesrepublik. Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht.
Ein Streit über Symbole – während die Substanz schrumpft
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Schlagabtausch ein tieferes Problem: Deutschland diskutiert über Stundenzahlen, während Energiepreise, Steuerlast und Bürokratie die Industrie strangulieren. Die Politik der letzten Jahre hat diese Kostenlawine mitverursacht – korrigiert wurde bislang wenig.
Für Bürger heißt das: Der Standort steht unter Druck, Arbeitsplätze wackeln, Kaufkraft schmilzt. Wer sein Vermögen breit aufstellt, zieht daraus Konsequenzen – physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten seit Generationen als solide Beimischung, wenn wirtschaftliche Unsicherheit wächst.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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