
Kahlschlag-Fantasien: Gamestop-Chef will Ebay zur Geisterstadt machen
Es klingt wie eine Drohung aus dem Silicon Valley der hĂ€rteren Sorte: Ryan Cohen, der streitbare Chef des angeschlagenen Videospiele-HĂ€ndlers Gamestop, hat in einem Podcast-Interview unverhohlen angekĂŒndigt, was er mit Ebay anstellen wĂŒrde, sollte sein milliardenschweres Ăbernahmeangebot tatsĂ€chlich Erfolg haben. Seine Botschaft an die rund 12.300 Mitarbeiter der Online-Handelsplattform dĂŒrfte fĂŒr schlaflose NĂ€chte gesorgt haben.
âIch könnte das vom Wohnzimmer aus betreibenâ
In dem GesprĂ€ch mit dem Podcast âTBPNâ lieĂ Cohen keinen Zweifel daran, was er von der bestehenden Personalstruktur hĂ€lt. Er könne dieses GeschĂ€ft auch von zu Hause aus fĂŒhren, gab er zu Protokoll. Die Belegschaft von 11.500 BeschĂ€ftigten â tatsĂ€chlich sind es nach jĂŒngsten Unternehmensangaben sogar 12.300, davon 7.200 in den USA â ergebe fĂŒr ihn schlicht keinen Sinn. Je mehr Mitarbeiter ein Konzern habe, desto trĂ€ger werde er. Kostensenkungen seien der einzige Hebel, um Ebay wieder auf Effizienz zu trimmen.
Eine Aussage, die in ihrer Schroffheit an die radikalen Schnitte erinnert, mit denen Elon Musk nach seiner Twitter-Ăbernahme Schlagzeilen gemacht hat. Damals wurden binnen weniger Monate rund drei Viertel der Belegschaft entlassen â ein Vorgehen, das in der Tech-Branche inzwischen offenbar Schule macht.
56 Milliarden Dollar â aber wie genau?
Am vergangenen Wochenende hatte Gamestop ein Ăbernahmeangebot in Höhe von rund 56 Milliarden Dollar fĂŒr Ebay vorgelegt. Die HĂ€lfte solle laut Cohen in bar flieĂen, die andere HĂ€lfte in Aktien. Doch genau hier beginnt das RĂ€tselraten: Wie ein Unternehmen, dessen aktuelle Marktkapitalisierung nicht annĂ€hernd diese Summen erreicht, eine derartige Transaktion stemmen will, blieb auch nach dem Podcast-Auftritt nebulös.
Gamestop mĂŒsste eine schwindelerregende Menge neuer Aktien ausgeben, um auf den geforderten Wert von 28 Milliarden Dollar im Aktienteil zu kommen. Cohen selbst sprach von einer âBĂŒndelungâ der Aktien beider Unternehmen â ein Begriff, der Finanzanalysten eher die Stirn runzeln lĂ€sst, als dass er konkrete Antworten liefert.
Erinnerung an den Meme-Stock-Hype
Wer Cohen kennt, weiĂ: Der Mann polarisiert. Gamestop selbst war 2021 zum Symbol des sogenannten Meme-Stock-PhĂ€nomens geworden, als Kleinanleger ĂŒber Foren wie Reddit den Aktienkurs in absurde Höhen trieben und damit etablierten Hedgefonds Milliardenverluste bescherten. Cohen, einst MitgrĂŒnder des Online-TierbedarfshĂ€ndlers Chewy, gilt seither als HoffnungstrĂ€ger einer neuen Investorengeneration â und als Mann, der gerne groĂe SprĂŒche klopft.
Ob aus der Ebay-Offerte tatsĂ€chlich mehr wird als ein medienwirksames Manöver, bleibt vorerst offen. Der Vorstand von Ebay hat sich bislang nicht öffentlich zu dem VorstoĂ geĂ€uĂert. Beobachter halten es fĂŒr wahrscheinlich, dass das Management das Angebot als feindlich einstufen und sich entsprechend wehren wird.
Was bedeutet das fĂŒr BeschĂ€ftigte und Verbraucher?
Sollte Cohens Plan tatsĂ€chlich aufgehen und ein Massenstellenabbau RealitĂ€t werden, wĂ€re das ein weiterer Beleg dafĂŒr, wie volatil und entmenschlicht die globale Plattformökonomie inzwischen funktioniert. Tausende ArbeitsplĂ€tze stehen plötzlich zur Disposition, weil ein Investor meint, alles allein vom Sofa aus regeln zu können. Es ist das Bild eines Kapitalismus, der seine Bodenhaftung lĂ€ngst verloren hat â und das Vertrauen vieler Menschen in funktionierende MĂ€rkte und langfristige BeschĂ€ftigungsperspektiven gleich mit.
FĂŒr deutsche Verbraucher und gewerbliche Ebay-VerkĂ€ufer wĂ€re eine Ăbernahme samt Kahlschlag ohnehin ein Risikofaktor. Wer schon einmal versucht hat, bei einer dĂŒnn besetzten Plattform den Kundenservice zu erreichen, weiĂ, was Stellenabbau in der Praxis bedeutet.
Zwischen Spekulation und Substanz
WĂ€hrend an den Börsen ĂŒber fragwĂŒrdige Megadeals spekuliert wird, lohnt der Blick auf das, was tatsĂ€chlich Bestand hat. Aktien, die heute mit Milliardenfantasien aufgeladen werden, können morgen ein Schatten ihrer selbst sein â Meme-Stocks haben das mehrfach eindrucksvoll bewiesen. Physisches Gold und Silber hingegen kennen keine Ăbernahmeschlachten, keine Vorstandsegos und keine fragwĂŒrdigen AktienbĂŒndelungen. Sie sind seit Jahrtausenden bewĂ€hrte Wertspeicher und gehören als solides Fundament in jedes breit gestreute Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geĂ€uĂerten EinschĂ€tzungen geben ausschlieĂlich die Meinung der Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Anlageentscheidungen sollte jeder Leser nach grĂŒndlicher eigener Recherche und gegebenenfalls in RĂŒcksprache mit einem qualifizierten Berater treffen. Eine Haftung fĂŒr etwaige Verluste, die aus Investitionsentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels entstehen, ist ausgeschlossen.
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