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Kettner Edelmetalle
27.08.2026
05:45 Uhr
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Kabel gekappt bei Backnang: Staatsschutz ermittelt wegen Sabotage

Kabel gekappt bei Backnang: Staatsschutz ermittelt wegen Sabotage
Symbolbild: KI-generiert

Ein Betonschacht unter einer Brücke, ein paar Schnitte mit Werkzeug – und in einer Stadt mit 38.000 Einwohnern stehen Züge, Internet und Telefon still. Am Sonntagnachmittag drangen Unbekannte auf der Bahnstrecke zwischen Backnang und Maubach in einen Kabelschacht ein und durchtrennten mehrere Leitungen. Die Fachinspektion Staatsschutz beim zuständigen Polizeipräsidium hat den Fall übernommen.

Polizei: Vieles spricht gegen einen Zufall

Einen versehentlichen Schaden hält die Polizei nach eigenen Angaben inzwischen für unwahrscheinlich. Schadensbild und Spurenlage deuteten auf eine mutwillige Beschädigung hin. Die Ermittler sicherten Werkzeugspuren und mögliche DNA-Spuren am Schacht.

Auch die Deutsche Bahn liefert ein Argument gegen die Theorie eines Arbeitsunfalls: Auf dem betroffenen Abschnitt hätten keine Bauarbeiten stattgefunden. Der Schacht liegt zudem unter einer Brücke, in schwer zugänglichem Gelände. Wer dort ankam, wollte dorthin.

Wie ein paar Schnitte ein ganzes Netz lahmlegen

Aufgefallen ist der Angriff der Bahn durch eine technische Fehlermeldung – die sogenannte Rotausleuchtung. Dabei meldet die Sicherungstechnik einen Gleisabschnitt oder eine Weiche als besetzt. Der Betrieb kann dann nicht einfach weiterlaufen, sondern nur nach Prüfung und mit erheblichen Einschränkungen.

Die Folge: Datenausfälle, Verspätungen und parallel gestörte Internet- und Telefonverbindungen in Backnang. Wie viele Züge und Anschlüsse genau betroffen waren und wie lange die Kommunikation ausfiel, ist bislang nicht bekannt. Für die Reparatur sperrte die Bahn die Strecke in der Nacht zwischen etwa Mitternacht und 3.30 Uhr; danach fuhren die Züge nach Unternehmensangaben weitgehend pünktlich.

Kein Einzelfall – die Zahlen sind alarmierend

Der Vorfall reiht sich in eine Serie ein. Medienberichten zufolge registrierte die Deutsche Bahn laut einem internen Lagebild von Januar bis Juni 2026 bundesweit rund 2.200 Fälle von Sabotage, Brandstiftung, gefährlichen Eingriffen in den Bahnverkehr und Metalldiebstahl – ein Anstieg von etwa sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Mehr als 220.000 Verspätungsminuten sollen allein daraus entstanden sein.

Im Juli brannte demselben Bericht zufolge in Neu Wulmstorf ein Verteilerkasten der Leit- und Sicherungstechnik aus, rund 200 Zugfahrten auf der Strecke Hamburg–Cuxhaven fielen aus. Auf der Hauptachse Düsseldorf–Köln wurden Kabel in Schächten durch Feuer beschädigt; auf einer linksgerichteten Internetplattform tauchte ein mutmaßliches Bekennerschreiben auf. Für Backnang gilt: Weder Täter noch Motiv sind bekannt, einen Zusammenhang mit anderen Fällen hat die Polizei nicht festgestellt.

33.000 Kilometer Achillesferse

Die Bahn verweist darauf, dass ein Netz von rund 33.000 Kilometern nicht lückenlos zu überwachen sei, und baut technische Sicherungen sowie redundante Leitungswege aus. Das ist nachvollziehbar – und doch bleibt die unbequeme Erkenntnis: Ein Bolzenschneider und Ortskenntnis genügen offenbar, um Mobilität und Kommunikation einer ganzen Stadt zu treffen.

Aus Sicht unserer Redaktion legt jeder dieser Fälle dieselbe Schwachstelle offen: Deutschland hat jahrzehntelang über Netze, Digitalisierung und Klimaziele debattiert – den physischen Schutz der kritischen Infrastruktur aber vernachlässigt. Für viele Bürger ist das mehr als eine Verspätungsmeldung. Es ist die Frage, wie belastbar dieses Land im Ernstfall überhaupt noch ist.

Die Polizei sucht weiter Zeugen, die zwischen Backnang und Maubach verdächtige Personen, Fahrzeuge oder vermeintliche Arbeiter bemerkt haben.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Er beruht auf den uns vorliegenden Informationen und gibt die Einschätzung unserer Redaktion wieder.

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