
Jemen-Schock: Wie ein Krieg am Roten Meer Europas Industrie würgt

Die Huthi-Kräfte aus Sanaa haben ihre Offensive am Roten Meer massiv ausgeweitet. Medienberichten zufolge kontrollieren sie inzwischen entscheidende Zugänge zur Meerenge Bab al-Mandab, besetzten Inseln und griffen eine zentrale saudische Ölpipeline an. Die Folge: Der Ölpreis zieht erneut an – und Europa zahlt die Rechnung.
Zwei Nadelöhre, ein Albtraum
Bab al-Mandab ist eine der wichtigsten Seepassagen der Welt. Seit dem Krieg zwischen den USA und Iran ist bereits die Straße von Hormus massiv belastet. Fallen beide Routen längerfristig aus, lässt sich das nicht einfach durch andere Lieferanten ersetzen.
Saudi-Arabien hatte zuletzt verstärkt auf die Ost-West-Pipeline und den Hafen Yanbu gesetzt, um Hormus zu umgehen. Genau diese Ausweichroute steht nun unter Beschuss. Wer das Rote Meer kontrolliert, kontrolliert einen Teil der europäischen Energieversorgung.
Der Gegner Sanaas zerlegt sich selbst
Militärisch profitiert Sanaa vor allem von der Zerrissenheit seiner Gegner. Saudi-Arabien stützt die international anerkannte Regierung, die Vereinigten Arabischen Emirate dagegen den Südlichen Übergangsrat (STC), der einen unabhängigen Südjemen anstrebt. Dazu kommen die Nationalen Widerstandskräfte von Tareq Saleh an der Westküste.
Verbunden sind diese Gruppen nur durch den gemeinsamen Feind – nicht durch ein gemeinsames Zukunftsmodell. Im Januar demonstrierten in Aden erneut Tausende für die Unabhängigkeit des Südens. Beobachter sehen darin Sanaas größten strategischen Vorteil: Eine Armee muss nicht besiegt werden, wenn sie politisch zerfällt.
Warum Washington zögert
Riad habe die USA um direkte Luftunterstützung gebeten, heißt es in dem Bericht – Präsident Trump habe abgelehnt. Washington bündelt seine Kräfte im Konflikt mit Iran und will keine zweite Front. Für die Golfstaaten ist das eine bittere Lektion über den Wert amerikanischer Schutzversprechen im Ernstfall.
Die Rechnung landet in Duisburg, Ludwigshafen und an der Zapfsäule
Die Internationale Energieagentur erwarte für 2026 einen Rückgang des weltweiten Ölangebots um rund 5,7 Millionen Barrel pro Tag – etwa sechs Prozent. Brent notiert Berichten zufolge wieder über 100 Dollar, Heizöl ist in Teilen Deutschlands fast doppelt so teuer wie vor Kriegsbeginn Ende Februar.
Das trifft nicht nur Pendler. Es trifft Chemie, Stahl, Glas, Papier, Transport und Landwirtschaft – also das Rückgrat einer Industrie, die ohnehin unter hohen Abgaben, Bürokratie und einer ideologisch getriebenen Energiepolitik ächzt.
Die EZB hat den Leitzins Berichten zufolge um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent angehoben. In einem schweren internen Szenario könnten Öl im vierten Quartal 2026 bei rund 130 Dollar und europäisches Gas bei etwa 130 Euro je Megawattstunde landen.
Der lachende Dritte sitzt in Moskau
Ein höherer Weltmarktpreis verbessert die Einnahmen Russlands. Bereits für Juli wurde dem Bericht zufolge ein Plus der russischen Öl- und Gaseinnahmen von rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erwartet. Ein Krieg am Südrand der arabischen Halbinsel schwächt also Europas Industrie – und finanziert ausgerechnet jenen Staat, gegen den Brüssel Sanktion um Sanktion beschließt.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wer welche Stadt im Jemen hält. Sie lautet: Wer kontrolliert dauerhaft die Tore zum Roten Meer? Für Europa steht dabei mehr auf dem Spiel als eine Landkarte.
In solchen Phasen zeigt sich, warum physische Edelmetalle als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen ihre Berechtigung haben – unabhängig von Lieferketten, Pipelines und Zentralbankbeschlüssen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung dar. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren, und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.
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