
Jeder vierte Job weg? Der stille Kahlschlag bei O2 Telefónica

Bei Telefónica Deutschland könnte der Stellenabbau deutlich härter ausfallen als bislang offiziell eingeräumt. Medienberichten zufolge rechnet der Mobilfunkkonzern intern mit rund 1.650 wegfallenden Vollzeitstellen bis Ende 2028 — offiziell angekündigt waren bisher bis zu 1.100 für 2026. Weitere etwa 550 Stellen für 2027 und 2028 stehen laut den Berichten in internen Planungen, endgültig beschlossen seien sie noch nicht.
6.820 Stellen zu Jahresbeginn — 1.650 sollen fallen
Anfang 2026 zählte das Unternehmen in Deutschland rund 6.820 Vollzeitstellen. Fallen tatsächlich 1.650 davon weg, schrumpft die Belegschaft um etwa 24 Prozent. Rechnerisch träfe es fast jeden vierten Vollzeitjob.
Der bereits beschlossene erste Teil des Programms soll überwiegend über freiwillige Abfindungsangebote laufen. Allein im Kundenservice sollen 2026 rund 170 Vollzeitstellen verschwinden, in den beiden Folgejahren womöglich weitere 180. Weitere Anpassungen in Vertrieb und Kundenservice bestätigt das Unternehmen, eine Gesamtzahl für die zweite Phase nennt es bislang nicht.
Der Verlust von 1&1 reißt ein Loch in die Bilanz
Der wichtigste Grund liegt im Wegfall eines Großkunden. Rund zwölf Millionen Mobilfunkkunden von 1&1 telefonierten jahrelang im O2-Netz — gegen erhebliche Vorleistungsentgelte. Inzwischen wandert dieses Geschäft zu Vodafone und in das eigene Netz von 1&1 ab.
Die Spuren in den Zahlen sind unübersehbar: Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz des Deutschlandgeschäfts um 11,1 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis um 7,2 Prozent auf etwa 600 Millionen Euro. Der Konzern erwartet, dass der negative 1&1-Effekt im Jahresverlauf ausläuft.
KI statt Kundenberater, Klick statt Filiale
Der Umbau endet nicht in der Verwaltung. Rund 60 eigene O2-Shops sollen schließen — von insgesamt etwa 800 eigenen Filialen und Partnerstandorten. Vertrieb wandert ins Netz, interne Abläufe werden automatisiert, künstliche Intelligenz übernimmt Aufgaben, die bisher Menschen erledigten.
Die Kosten sind beachtlich: Für die erste Restrukturierungsphase wurden Rückstellungen von 265 Millionen Euro gebildet, weitere Maßnahmen könnten bis zu 155 Millionen Euro kosten. Interne Unterlagen bezifferten die Gesamtkosten laut den Berichten auf rund 427 Millionen Euro. Ab 2028 sollen jährlich etwa 185 Millionen Euro eingespart werden.
Verdi spricht von einem Programm ohne Plan
Die Gewerkschaft ver.di kritisiert das unter dem Namen „Future Operating Model" laufende Programm scharf. In einer Stellungnahme heißt es, es bleibe weitgehend unklar, wie das Unternehmen künftig aufgestellt sein solle:
„Erst werden Stellen gestrichen, danach wird überlegt, wie die verbleibenden Kolleginnen und Kollegen die Arbeit noch schaffen sollen."
Ver.di fordert einen Stopp des Abbaus, eine transparente Zukunftsstrategie und einen realistischen Zeitplan von drei bis fünf Jahren. Das Unternehmen begründet den Umbau mit effizienteren Strukturen und stärkerer Digitalisierung.
Ein Muster, das sich durch die deutsche Wirtschaft zieht
Telefónica ist kein Einzelfall. Auch Vodafone Deutschland streicht Berichten zufolge rund 2.000 Stellen. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang ein Grundproblem des Standorts: hohe Kosten, ein brutaler Preiskampf, träge Netzausbau-Verfahren — und eine Politik, die Bürokratie schneller aufbaut als Infrastruktur.
Für Beschäftigte heißt das: Arbeitsplatzsicherheit ist keine Selbstverständlichkeit mehr, auch nicht in scheinbar stabilen Konzernen. Wer Vermögen krisenfest aufstellen will, denkt daher zunehmend in Sachwerten — physisches Gold und Silber gelten vielen als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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