
Jeder dritte Deutsche will die AfD in Regierungsverantwortung – im Osten kippt die Stimmung endgültig

Die politische Tektonik in Deutschland verschiebt sich mit einer Geschwindigkeit, die den etablierten Parteien den Schweiß auf die Stirn treiben dürfte. Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Welt am Sonntag offenbart, was viele längst ahnten: 32 Prozent der Deutschen sprechen sich mittlerweile „eher" oder „voll und ganz" für eine Regierungsbeteiligung der AfD aus – vorausgesetzt, die Partei gewinnt die jeweilige Wahl. Im Osten der Republik sind es bereits 42 Prozent. Zahlen, die man in den Berliner Parteizentralen wohl lieber unter den Teppich kehren würde.
Der Osten macht ernst
Während im Westen noch 60 Prozent der Befragten eine AfD-Regierungsbeteiligung ablehnen und nur 30 Prozent dafür votieren, hat sich das Bild in den ostdeutschen Bundesländern dramatisch gewandelt. Dort beträgt die Differenz zwischen Befürwortern und Gegnern nur noch magere sieben Prozentpunkte: 42 zu 49 Prozent. Ein Ergebnis, das die sogenannte „Brandmauer" der etablierten Parteien zunehmend wie eine Sandburg bei Flut erscheinen lässt.
Und die Zahlen haben Substanz. In Sachsen-Anhalt, wo im September gewählt wird, liegt die AfD in Umfragen bei satten 39 Prozent – dreizehn Punkte vor der CDU mit 26 Prozent. Die SPD dümpelt bei acht Prozent, die Linke bei elf, das BSW kratzt an der Fünf-Prozent-Hürde. In Mecklenburg-Vorpommern sieht es kaum anders aus: 37 Prozent für die AfD, SPD und CDU zusammen kommen gerade einmal auf 36 Prozent.
Koalitionsarithmetik wird zur Quadratur des Kreises
Was bedeutet das konkret? Die CDU steht vor einem Dilemma historischen Ausmaßes. Um in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern überhaupt regierungsfähige Mehrheiten ohne die AfD zusammenzubekommen, müsste sie ausgerechnet mit der Linkspartei oder dem BSW koalieren. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Partei, die sich „christlich" und „demokratisch" nennt, wäre gezwungen, mit den politischen Erben der SED ins Bett zu steigen – nur um eine demokratisch gewählte Konkurrenzpartei von der Macht fernzuhalten. Für ehemalige DDR-Bürger, die unter dem sozialistischen Regime gelitten haben, dürfte das wie ein schlechter Witz klingen.
Doch selbst diese abenteuerlichen Konstellationen sind keineswegs gesichert. Die Umfragewerte aller beteiligten Parteien schwanken erheblich, und ob eine solche Frankenstein-Koalition tatsächlich eine stabile Mehrheit erreichen würde, steht buchstäblich in den Sternen.
Die Generationenfrage: Wer hat Angst vor der AfD?
Besonders aufschlussreich ist die Aufschlüsselung nach Altersgruppen. Die stärkste Ablehnung einer AfD-Regierungsbeteiligung findet sich ausgerechnet bei den Über-70-Jährigen: 67 Prozent lehnen sie ab, nur 27 Prozent befürworten sie. Ob hier jahrzehntelange Prägung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine Rolle spielt, darf zumindest als Frage erlaubt sein. Erstaunlicherweise zeigen auch die 18- bis 29-Jährigen eine hohe Ablehnung – 62 Prozent gegen, nur 24 Prozent dafür. Eine Generation, die offenbar noch nicht am eigenen Leib erfahren hat, was eine verfehlte Wirtschafts- und Migrationspolitik für den eigenen Geldbeutel bedeutet.
Die eigentliche Stütze der AfD-Befürworter findet sich in der arbeitenden Mitte der Gesellschaft: Bei den 30- bis 69-Jährigen liegt die Zustimmung zwischen 31 und 37 Prozent. Am höchsten ist sie bei den 50- bis 69-Jährigen mit 37 Prozent – also genau bei jenen Menschen, die das Land mit ihren Steuern und ihrer Arbeitskraft am Laufen halten und gleichzeitig am deutlichsten spüren, wie ihnen der Staat immer tiefer in die Tasche greift.
Demokratie heißt: den Wählerwillen respektieren
Man muss kein Verfassungsrechtler sein, um eine simple Wahrheit zu erkennen: In einer funktionierenden Demokratie sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass die stärkste Partei einer Wahl an der Regierungsbildung beteiligt wird. Dass dies in Deutschland im Jahr 2026 überhaupt noch als kontroverse Frage diskutiert werden muss, sagt mehr über den Zustand unserer politischen Kultur aus als jede Sonntagsrede über „demokratische Werte".
Die Große Koalition unter Friedrich Merz hat bislang wenig dazu beigetragen, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das kommende Generationen mit Schulden belastet, die explodierende Kriminalität, die unkontrollierte Migration – all das treibt die Menschen in die Arme einer Partei, die zumindest verspricht, diese Probleme ernst zu nehmen. Ob die etablierten Parteien das wahrhaben wollen oder nicht: Die Uhr tickt. Und mit jeder Landtagswahl wird das Ticken lauter.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die politische Klasse in Deutschland bereit ist, demokratische Grundprinzipien zu akzeptieren – oder ob sie weiterhin lieber absurde Koalitionskonstrukte zimmert, nur um den Wählerwillen zu umgehen. Die Bürger, so viel steht fest, haben ihre Antwort längst gegeben.












