
Israels Militäroffensive in Gaza: Ein Kampf mit ungewissem Ausgang
Die israelische Armee rüstet sich für eine der wohl schwierigsten militärischen Operationen seit Beginn des Gaza-Krieges. Nach fast zwei Jahren erbitterter Kämpfe plant Israel nun den entscheidenden Schlag gegen die letzten Hochburgen der Hamas in der dicht besiedelten Stadt Gaza. Doch während sich die Streitkräfte auf diesen Einsatz vorbereiten, mehren sich die Warnungen vor einer humanitären Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.
Eine Stadt als Schlachtfeld
Mit etwa 760.000 Einwohnern vor Kriegsbeginn stellt Gaza-Stadt nicht nur die größte urbane Siedlung des Küstenstreifens dar, sondern bildet nach Einschätzung des Sicherheitsexperten Amir Avivi auch das "Herz der Hamas-Herrschaft im Gazastreifen". Die Bevölkerungszahl sei durch Flüchtlinge aus anderen Kampfgebieten sogar noch weiter angestiegen, was die ohnehin komplexe Lage zusätzlich verschärfe.
Der ehemalige israelische Geheimdienstmitarbeiter Michael Milshtein warnt eindringlich vor den Konsequenzen einer weiteren Vertreibung der Zivilbevölkerung. Seine düstere Prognose lässt aufhorchen: Die Kämpfe könnten "sehr ähnlich" denen von Stalingrad werden - jener verheerenden Schlacht des Zweiten Weltkriegs, die als eine der verlustreichsten in die Geschichte einging.
Die Hamas-Strategie: Rekrutierung und Widerstand
Besonders beunruhigend erscheint die Einschätzung Milshteins zur Truppenstärke der Hamas. Bis zu 15.000 Kämpfer könnten die Al-Kassam-Brigaden in der Stadt positioniert haben. Viele davon seien neu rekrutiert worden. "Es ist sehr einfach, einen 17-, 18-, 19-jährigen Palästinenser zu überzeugen, ein Teil der Al-Kassam-Brigaden zu werden", erklärt der Experte. Diese Aussage wirft ein grelles Licht auf die Verzweiflung einer jungen Generation, die in diesem endlosen Konflikt aufgewachsen ist.
Humanitäre Krise als Nebenprodukt militärischer Strategie
Die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu plant offenbar, die Zivilbevölkerung in sogenannte humanitäre Zonen im Süden des Gazastreifens umzusiedeln. Doch genau hier offenbart sich ein fundamentales Problem: "Man kann nicht eine weitere Million Menschen dorthin bringen. Das wird eine grauenhafte humanitäre Krise sein", warnt Milshtein.
Die von den USA und Israel unterstützte Gaza Humanitarian Foundation (GHF) soll dabei eine Schlüsselrolle spielen. Durch die Ausweitung ihrer Verteilzentren von vier auf 16 hofft man offenbar, Anreize für eine freiwillige Umsiedlung zu schaffen. Doch internationale Beobachter zeichnen ein erschreckendes Bild: Human Rights Watch bezeichnet diese Zentren als "Todesfallen", während Ärzte ohne Grenzen von Orten "orchestrierter Tötungen und Entmenschlichung" spricht.
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Während der von der Hamas kontrollierte Zivilschutz und mehrere NGOs der israelischen Armee vorwerfen, täglich auf hilfesuchende Zivilisten zu schießen, macht Israel die Hamas für die Gewalt verantwortlich. Diese gegenseitigen Anschuldigungen verdeutlichen, wie sehr die Wahrheit im Nebel des Krieges verloren geht.
Militärische Herausforderungen eines urbanen Kriegsschauplatzes
Die israelische Armee sieht sich mit enormen taktischen Herausforderungen konfrontiert. Ein ausgedehntes Tunnelnetzwerk durchzieht die Stadt, in dem vermutlich auch israelische Geiseln festgehalten werden. Improvisierte Sprengsätze und der befürchtete Missbrauch von Zivilisten als menschliche Schutzschilde erschweren jede militärische Operation zusätzlich.
Mairav Zonszein von der International Crisis Group bringt es auf den Punkt: "Es ist fast unmöglich, dort einzudringen, ohne sowohl den Tod von Geiseln als auch eine große humanitäre Katastrophe zu verursachen." Ihre düstere Prognose zur materiellen Zerstörung lässt wenig Hoffnung: "Sie werden einfach alles zerstören und dann wird nichts mehr übrig sein."
Zuversicht trotz düsterer Aussichten
Trotz aller Warnungen zeigt sich Armeechef Ejal Samir zuversichtlich. Seine Truppen würden "in der Lage sein, Gaza zu erobern, wie sie es in Chan Junis und Rafah im Süden getan haben", erklärte er. Die israelischen Streitkräfte seien bereits in der Vergangenheit in Gaza im Einsatz gewesen. "Und wir wissen, wie wir es wieder tun müssen."
Diese militärische Zuversicht steht in scharfem Kontrast zu den humanitären Bedenken. Der Konflikt, der mit dem brutalen Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 begann, scheint in eine Phase einzutreten, die das Potenzial hat, alle bisherigen Zerstörungen in den Schatten zu stellen.
Ein Konflikt ohne Gewinner
Was sich in Gaza abzeichnet, ist mehr als nur eine weitere militärische Operation. Es ist der Versuch, einen seit 22 Monaten andauernden Krieg mit Gewalt zu beenden - ein Unterfangen, das historisch betrachtet selten von nachhaltigem Erfolg gekrönt war. Die Warnungen der Experten vor einer humanitären Katastrophe und die Befürchtungen über massive Zerstörungen werfen die Frage auf, ob militärische Siege in urbanen Kriegsschauplätzen überhaupt noch möglich sind, ohne dabei die Grundlagen für zukünftige Konflikte zu legen.
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