
Iran-Krieg treibt Energiepreise in die Höhe: Droht Europa eine neue Inflationswelle?
Es ist ein Déjà-vu, das niemand gebrauchen kann. Kaum hatten sich die europäischen Verbraucher von dem Preisschock des Jahres 2022 erholt, kaum war die Inflationsrate im Februar 2026 endlich wieder unter die Zwei-Prozent-Marke gefallen, da zieht am Horizont bereits das nächste Inflationsgespenst auf. Der Iran-Krieg hat die Energiemärkte in Aufruhr versetzt – und mit ihnen die Nerven von Ökonomen, Notenbankern und Millionen von Bürgern, die sich fragen, ob sie sich das Leben in Deutschland überhaupt noch leisten können.
Ölpreis durchbricht die 100-Dollar-Marke
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Der Ölpreis ist seit Beginn des Konflikts in der Spitze auf knapp 120 Dollar pro Barrel geschossen – ein Niveau, das zuletzt 2022 erreicht wurde. Die Gaspreise haben sich zeitweise verdoppelt. Für jeden, der an der Tankstelle steht oder seine Heizkostenabrechnung öffnet, sind das keine abstrakten Börsendaten, sondern bittere Realität. Der Tankstellenverband hält Spritpreise von bis zu 2,50 Euro und mehr pro Liter für durchaus denkbar. Man muss kein Mathematiker sein, um zu begreifen, was das für eine vierköpfige Familie bedeutet, die auf das Auto angewiesen ist.
Die zentrale Frage, die Volkswirte derzeit umtreibt, lautet: Handelt es sich lediglich um einen temporären Preisschock – oder stehen wir am Beginn einer neuen Ära der Geldentwertung? Die Antwort hängt maßgeblich davon ab, wie lange der Konflikt im Nahen Osten andauert und ob die Energiepreise auf ihrem erhöhten Niveau verharren.
Ökonomen warnen vor drastischem Inflationsanstieg
Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank, bringt es auf den Punkt: Sollte der Ölpreis nur kurzfristig in die Höhe schnellen und der Konflikt rasch beigelegt werden, dürften die Verzerrungen in der Inflationsrate überschaubar bleiben. Doch sollte der Ölpreis längere Zeit bei 80 Dollar oder gar über 100 Dollar verharren, hätte das nachhaltige Effekte auf die Inflation – und damit auf den Geldbeutel jedes einzelnen Bürgers.
Edgar Walk, Chefökonom des Bankhauses Metzler, zeichnet ein noch düstereres Bild. Er rechnet in einem solchen Szenario damit, dass die Inflationsrate in der Eurozone innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate auf über drei Prozent, möglicherweise sogar in Richtung vier Prozent klettern könnte. Vier Prozent Inflation – das bedeutet nichts anderes als eine schleichende Enteignung der Sparer und eine massive Belastung für alle, die von einem festen Einkommen leben.
Die tückische Kettenreaktion: Öl, Gas, Strom
Wer glaubt, Europa sei heute weniger verwundbar als in den 1970er-Jahren, als die Ölpreisschocks ganze Volkswirtschaften in die Knie zwangen, der irrt gewaltig. Zwar wurde in vielen Bereichen Öl durch Strom ersetzt – doch genau hier liegt die Crux: Der Strompreis in Europa wird maßgeblich durch Gaskraftwerke bestimmt. Die aktuellen Störungen bei Produktion und Transport von verflüssigtem Erdgas treiben also nicht nur die Gaspreise, sondern ziehen auch die Strompreise mit nach oben. Eine fatale Kettenreaktion, die sich erst mit Verzögerung in den Verbraucherpreisen niederschlagen dürfte, wenn die Energieversorger ihre Tarife anpassen.
Man könnte an dieser Stelle durchaus die Frage stellen, ob die deutsche Energiepolitik der vergangenen Jahre – der überhastete Atomausstieg, die ideologisch getriebene Abhängigkeit von erneuerbaren Energien bei gleichzeitiger Vernachlässigung einer diversifizierten Versorgungssicherheit – nicht genau zu dieser Verwundbarkeit beigetragen hat. Wer seine Kernkraftwerke abschaltet und sich stattdessen auf Windräder und Gaskraftwerke verlässt, der darf sich nicht wundern, wenn geopolitische Krisen unmittelbar auf die Stromrechnung durchschlagen.
Die gefürchteten Zweitrundeneffekte
Besonders besorgniserregend ist die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte. Das Prinzip ist simpel und verheerend zugleich: Steigende Energiepreise führen zu höheren Lebenshaltungskosten, Arbeitnehmer fordern höhere Löhne, Unternehmen geben die gestiegenen Kosten an ihre Kunden weiter – und die Inflationsspirale dreht sich immer schneller. Walk warnt, die Gefahr solcher Zweitrundeneffekte sei diesmal besonders hoch. Der Grund: Die Erfahrungen aus der Hochinflationsphase nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hätten die Sensibilität der Bevölkerung für Kaufkraftverluste drastisch erhöht.
„Damals gab es einen hohen Kaufkraft-Verlust bei den privaten Haushalten, bei den Arbeitnehmern. Deshalb haben wir jetzt eine deutlich höhere Sensibilität, was Inflation und Inflationsrisiken anbelangt."
Die Gewerkschaften dürften also nicht lange zögern, höhere Lohnforderungen auf den Tisch zu legen. Und wer könnte es den Arbeitnehmern verdenken? Wenn das Geld immer weniger wert wird, bleibt kaum eine andere Wahl.
EZB unter Zugzwang – diesmal keine Ausreden
Für die Europäische Zentralbank wird die Lage zunehmend unbequem. An den Finanzmärkten sind die Inflationserwartungen bereits deutlich gestiegen – die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte zu Wochenbeginn auf 2,93 Prozent. Die Märkte preisen bereits zwei Leitzinserhöhungen bis Jahresende ein. Das ist bemerkenswert, denn noch im Februar hatte die EZB den Einlagenzins bei 2,0 Prozent belassen und auf spätere Zinssenkungen gehofft.
Sollte der Ölpreis nachhaltig bei 100 Dollar oder darüber verharren, wäre die EZB zum schnellen Handeln gezwungen, betont DZ-Ökonomin Marten. Die Notenbank müsste die Zinsen dann deutlich früher und aggressiver anheben als geplant. Dabei spielt die schmerzhafte Erfahrung von 2022 eine entscheidende Rolle: Damals hatte die EZB geglaubt, den Energiepreisschock geldpolitisch einfach „aussitzen" zu können – ein fataler Irrtum, der die Inflation erst recht in die Breite der Wirtschaft trug. Diesen Fehler, so die einhellige Einschätzung der Experten, werde die EZB kein zweites Mal begehen.
Was bedeutet das für den deutschen Bürger?
Für die ohnehin gebeutelte deutsche Wirtschaft und die Verbraucher sind das keine guten Nachrichten. Die Industrieaufträge brechen bereits überraschend stark ein, die Konjunktur schwächelt, und nun droht auch noch eine neue Inflationswelle. Die neue Große Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit ihrem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur bereits die Weichen für eine massive Neuverschuldung gestellt – Geld, das über Generationen hinweg durch Steuern und Abgaben zurückgezahlt werden muss. Wenn nun auch noch steigende Zinsen die Kreditkosten in die Höhe treiben, wird die Rechnung für den Steuerzahler noch einmal deutlich teurer.
In Zeiten wie diesen zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine solide Vermögenssicherung ist. Während Papiergeld an Kaufkraft verliert und Anleiherenditen von der Inflation aufgefressen werden, haben sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber historisch als verlässlicher Schutz gegen Geldentwertung bewährt. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, sollte eine Beimischung von Edelmetallen in einem breit gestreuten Portfolio ernsthaft in Betracht ziehen – gerade jetzt, wo die nächste Inflationswelle bereits am Horizont aufzieht.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen und Einschätzungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfältiger Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus Anlageentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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