
Immobilien-Wende? Erstmals kippen die Preise wieder ins Minus

Der deutsche Immobilienmarkt verliert an Kraft. Der Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) legte im zweiten Quartal 2026 zwar noch um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – gegenüber dem Vorquartal ging er jedoch um 0,1 Prozent zurück. Die Zahlen wurden am Montag in Berlin veröffentlicht und basieren auf echten Transaktionsdaten von mehr als 700 Kreditinstituten, darunter Sparkassen, Deutsche Bank und Commerzbank.
Der Schwung ist weg
Noch im ersten Quartal hatte das Jahresplus bei 2,2 Prozent gelegen. Jetzt bröckelt der Aufwärtstrend. Getragen wird der Gesamtindex allein von Wohnimmobilien, die im Jahresvergleich um 1,9 Prozent zulegten – ein Anstieg, aber ein deutlich müderer als zuletzt.
Am stärksten verteuerten sich laut vdp Eigentumswohnungen mit 2,6 Prozent, gefolgt von Eigenheimen (2,0 Prozent) und Mehrfamilienhäusern (1,6 Prozent). Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft berichtet, die Preiszuwächse hätten sichtbar an Tempo verloren; Angebotspreise in Inseraten würden wieder häufiger nach unten korrigiert.
Zinsen, Inflation, Geopolitik – die drei Bremsklötze
vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt ordnete die Entwicklung so ein:
„Erstmals seit anderthalb Jahren bewegten sich die Preise in den Objektklassen wieder uneinheitlich: Während Büro- und Handelsimmobilien im Preis nachgaben, zeigte sich bei Wohnimmobilien weiterhin ein Preisanstieg – allerdings weniger dynamisch als in den Vorquartalen“
Der Gewerbeimmobilienmarkt reagiere erwartungsgemäß schneller auf geopolitische Verwerfungen, gestiegene Inflationserwartungen und die daraus folgende Zinsentwicklung. Und tatsächlich: Büroimmobilien verbilligten sich binnen Jahresfrist um 1,2 Prozent, Einzelhandelsobjekte um 0,2 Prozent – der erste Jahresrückgang nach fünf Quartalen.
Mieten steigen weiter – der Mangel bleibt
Für Mieter gibt es keine Entwarnung. Die Neuvertragsmieten in Mehrfamilienhäusern kletterten bundesweit um 3,2 Prozent. In den sieben größten Städten fiel der Anstieg mit durchschnittlich 1,5 Prozent moderater aus, Spitzenreiter war Düsseldorf mit 3,6 Prozent, Schlusslicht Berlin mit 0,6 Prozent.
Bei den Kaufpreisen in den Metropolen führt Hamburg mit 3,8 Prozent, gefolgt von Köln (2,5 Prozent). Stuttgart bildet mit 0,7 Prozent das Ende der Liste. Zur Einordnung: Im Vorquartal hatten noch vier der sieben Städte Zuwächse von über vier Prozent verbucht.
Wenn Eigentum zur Debattenmasse wird
Bemerkenswert ist die politische Botschaft des Verbands. Tolckmitt begrüßte laut Mitteilung die angekündigte Beschleunigung von Planungsverfahren und den Verzicht auf überzogene technische Anforderungen. Die geplante Abschaffung des sektoralen Systemrisikopuffers für Wohnbaufinanzierungen nannte er überfällig – die sachliche Rechtfertigung habe bereits 2022 gefehlt.
Deutlich wurde er auch mit Blick auf die Berliner Enteignungsdebatte: Diskussionen über Maßnahmen, die Eigentum infrage stellten, schadeten Immobilienmarkt und Wirtschaftsstandort erheblich, weil privates Kapital abwandere, das für den Neubau gebraucht werde.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Index ein bekanntes Muster: Wo Bürokratie den Bau verteuert und politische Signale Investoren verunsichern, bleibt Wohnraum knapp – und die Miete steigt schneller als das Einkommen. Beton ist eben nicht automatisch Gold: Er ist illiquide, kreditfinanziert und zinsabhängig. Physische Edelmetalle können als beweglicher, gegenparteifreier Baustein eine sinnvolle Ergänzung zu einem breit gestreuten Vermögen sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst informieren.
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