
Hormus-Blockade würgt Deutschlands Chemiebranche ab – und niemand hat einen Plan B
Als wäre die jahrelange Dauerkrise nicht schon genug gewesen, trifft nun der Iran-Krieg die deutsche Chemieindustrie mit voller Wucht. Die Blockade der Straße von Hormus – jener strategischen Meerenge, durch die ein gewaltiger Teil des globalen Rohstoffhandels fließt – droht eine ohnehin angeschlagene Schlüsselbranche endgültig in die Knie zu zwingen. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) schlägt Alarm, und diesmal klingt es nicht nach routinemäßigem Lobbyismus, sondern nach echter Verzweiflung.
Nicht nur Öl: Die vergessenen Rohstoffe der Meerenge
Wenn über die Straße von Hormus gesprochen wird, denken die meisten Menschen reflexartig an Erdöl und Erdgas. Doch die Realität ist weitaus komplexer – und bedrohlicher. VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup warnte eindringlich vor gravierenden Versorgungsengpässen bei Rohstoffen, die in der öffentlichen Debatte kaum Beachtung finden: Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel. Allesamt Grundstoffe, ohne die moderne Industrien schlicht nicht funktionieren können.
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Rund 20 Prozent des weltweiten Ammoniakhandels würden aus dem Nahen Osten durch die Meerenge transportiert. Bei Schwefel seien es sogar 50 Prozent des gesamten Seehandels. Schwefelsäure – unverzichtbar für Düngemittel und zahllose chemische Prozesse – könnte damit zum Mangelgut werden. Und dann wäre da noch das Helium: 40 Prozent der globalen Produktion stammen aus Katar, und die Chipindustrie zeige bereits „erhebliche Sorgen", so Große Entrup. Halbleiterfertigung, Elektronik, Luft- und Raumfahrt – alles hängt an diesem einen Nadelöhr.
Eine Branche am Abgrund
Man muss sich die Ausgangslage vor Augen führen, um das volle Ausmaß des Desasters zu begreifen. Die deutsche Chemieindustrie kämpft seit Jahren gegen eine toxische Mischung aus explodierenden Energiekosten, Überkapazitäten auf dem Weltmarkt und einer allgemeinen Konjunkturschwäche. In den vergangenen vier Jahren wurden in Europa bereits rund zehn Prozent der chemischen Produktionskapazitäten stillgelegt. Zehn Prozent! Das ist kein Strukturwandel mehr, das ist ein schleichender Exodus.
Der Branchenprimus BASF hat zwischen Ende 2023 und Ende 2025 rund 4.800 Beschäftigte verloren. Im Jahr 2025 fiel der Umsatz der gesamten Chemie- und Pharmabranche mit ihren 478.000 Beschäftigten um 1,4 Prozent auf 219,6 Milliarden Euro. Die reine Chemieproduktion schrumpfte sogar um 3,3 Prozent. Einzig die Pharmasparte konnte mit einem Plus von 4,5 Prozent einen Lichtblick bieten – doch dieser reicht bei weitem nicht aus, um die Gesamtbilanz zu retten.
Prognose zurückgezogen – Unternehmen fahren auf Sicht
Besonders alarmierend: Der VCI hat seine Prognose für 2026 komplett zurückgezogen. Zuletzt hatte der Verband noch eine stagnierende Produktion erwartet, für die reine Chemie sogar einen Rückgang um ein Prozent. Nun sei nicht einmal mehr das absehbar. „Strategische Planung ist immer weniger möglich. Stattdessen fahren die Unternehmen auf Sicht", beschrieb Große Entrup die Lage. Ein Satz, der in seiner nüchternen Sachlichkeit kaum dramatischer sein könnte.
Deutschlands selbstverschuldete Verwundbarkeit
Was sich hier offenbart, ist das Ergebnis jahrelanger politischer Versäumnisse. Deutschland hat sich in eine gefährliche Abhängigkeit von globalen Lieferketten manövriert, ohne jemals ernsthaft über Diversifizierung oder strategische Reserven nachzudenken. Während andere Nationen ihre Energieversorgung breit aufstellten und auf Kernkraft setzten, verfolgte die Bundesrepublik einen ideologiegetriebenen Sonderweg, der die Energiekosten in astronomische Höhen trieb und den Industriestandort systematisch schwächte.
Die Ironie ist kaum zu ertragen: Während die EU mittlerweile wieder verstärkt auf Kernkraft setzt – 15 Jahre nach Fukushima –, hält Deutschland eisern am Atomausstieg fest. Die Konsequenzen dieser Politik werden nun, da geopolitische Krisen die Rohstoffversorgung bedrohen, schmerzhaft sichtbar. Teure Energie war bereits der Sargnagel für zahlreiche Produktionsstandorte. Die Hormus-Blockade könnte nun der letzte Stoß sein, der weitere Unternehmen zur Verlagerung ins Ausland treibt.
Ölpreise klettern, Inflation droht
Derweil steigen die Ölpreise unaufhaltsam weiter – ein Barrel notierte zuletzt bei knapp 89 Euro. Die Bauzinsen haben bereits die Vier-Prozent-Marke überschritten. Für den deutschen Bürger bedeutet das: Alles wird teurer. Sprit, Heizung, Lebensmittel – die Inflationsspirale dreht sich weiter. Und das in einem Land, dessen neue Bundesregierung unter Friedrich Merz gerade ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen beschlossen hat, das kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten wird. Schulden, die man eigentlich nicht machen wollte. Versprechen, die schneller gebrochen wurden, als die Tinte auf dem Koalitionsvertrag trocknen konnte.
Physische Werte als Anker in stürmischen Zeiten
In Zeiten wie diesen, da geopolitische Verwerfungen die Märkte erschüttern und Lieferketten zerreißen, zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Instrument der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Lieferkettenprobleme, keine Blockaden und keine Abhängigkeit von Meerengen. Sie haben über Jahrtausende ihren Wert bewahrt – gerade dann, wenn Papierwerte und industrielle Strukturen unter Druck gerieten. Wer sein Portfolio mit physischen Edelmetallen ergänzt, schafft sich einen Stabilitätsanker, der von den Turbulenzen dieser Welt weitgehend unberührt bleibt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.
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