
Holland greift durch: 25.000 Beamte weg – und Berlin schaut zu?

Die Niederlande machen beim Bürokratieabbau Ernst. Die Regierung von Premierminister Rob Jetten will bis 2035 rund 25.000 Stellen im Staatsdienst streichen, und dabei soll auch Künstliche Intelligenz helfen. Den Plan hat der konservative Staatssekretär Eric van der Burg vorgelegt. Er ist in Den Haag für Entbürokratisierung und einen „schlagfertigen“ Staat zuständig.
Ein Staatsapparat, der sich verdoppelt hat
Die Ausgangslage ist eindeutig. Nach den vorliegenden Angaben beschäftigt der niederländische Zentralstaat derzeit etwa 160.000 Menschen. So viele waren es noch nie. 2018 war es nur gut die Hälfte.
Der Apparat hat sich also in wenigen Jahren fast verdoppelt. Mit dem neuen Plan fiele ungefähr jede sechste Stelle weg. Polizei und Verteidigung bleiben verschont. In unsicheren Zeiten soll ausgerechnet dort nicht gespart werden, wo der Bürger den Staat am dringendsten braucht. Das ist eine bemerkenswert klare Prioritätensetzung.
Milliarden statt Mahnungen
Schon beim Amtsantritt hatte die Jetten-Regierung angekündigt, den Staat zu verkleinern und Vorschriften abzuschaffen. Mit van der Burgs Vorstoß gibt es dafür nun zum ersten Mal konkrete Zahlen. Bereits 2027 sollen erste Kürzungen 900 Millionen Euro bringen. Bis 2035 soll die jährliche Ersparnis auf 3,5 Milliarden Euro steigen.
Wo genau die Stellen wegfallen, ist noch offen. Van der Burg will die Abläufe in der Regierung straffen, digitale Verfahren vereinfachen und stark auf KI setzen. Für Anfang 2027 hat er „ambitionierte Vorschläge“ angekündigt. Daraus soll hervorgehen, wie Algorithmen die Arbeit der Beamten erleichtern oder ganz übernehmen könnten.
Auch in Holland gibt es Zweifel
Unumstritten ist der Kurs nicht. Niederländische Medien fragen, ob der Abbau überhaupt realistisch ist. Kritiker weisen darauf hin, dass vielen Behörden schon heute Personal fehle. Das ist ein ernstzunehmender Einwand. Es zeigt aber auch, wie schwer jede Regierung sich tut, einen gewachsenen Apparat wieder zu verkleinern.
Und Deutschland? Viel AnkĂĽndigung, wenig Ergebnis
Der Vergleich mit Berlin ist unangenehm. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag versprochen, in der Bundesverwaltung acht Prozent der Stellen abzubauen. Im Koalitionsausschuss vom 2. Juli 2026 hat Schwarz-Rot dieses Ziel bestätigt. Man wolle die „Digitalisierungsrendite“ in allen Behörden heben.
Die Zahlen sprechen bisher eine andere Sprache. Nach einer Auswertung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sieht der Bundeshaushalt 2025 fast 300.000 Stellen vor. Das sind rund 42.800 mehr als 2017, ein Plus von 16,6 Prozent. Der Zuwachs entfällt laut der Analyse vollständig auf Beamtenstellen. Gerade diese Stellen belasten den Steuerzahler dauerhaft, bis hin zur Pension.
Der Beamtenbund dbb hält dagegen und nennt pauschale Kürzungsziele ohne vorherige Aufgabenkritik „hochgradig unprofessionell“. In einem Punkt hat er recht: Wer Stellen streicht, muss vorher auch Aufgaben streichen. Genau das wäre der eigentliche Bürokratieabbau, also weniger Vorschriften, weniger Formulare und weniger Staat im Alltag von Bürgern und Unternehmen.
Ein Nachbar als Weckruf
Ob das niederländische Modell aufgeht, wird sich ab 2027 zeigen. Den Haag hat aber eine überprüfbare Zahl, einen Zeitplan und ein Sparziel vorgelegt. In Berlin wächst die Verwaltung dagegen weiter, obwohl ein 500-Milliarden-Sondervermögen kommende Generationen belastet.
Wie lange kann sich Deutschland einen immer größeren Staat noch leisten? Am Ende zahlen ihn die Bürger, die mit ihrer Arbeit Werte schaffen. Für sie wäre ein schlanker und effizienter Staat keine Kürzung, sondern eine Entlastung.
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