
Heimliche Steuererhöhung: Bürger fordern Stopp der kalten Progression

Eine klare Mehrheit der Deutschen will endlich Schluss machen mit der schleichenden Steuererhöhung durch die Hintertür. In einer Civey-Umfrage im Auftrag der FDP sprachen sich 62 Prozent für einen automatischen, dauerhaften Abbau der kalten Progression aus. Befragt wurden vom 12. bis 14. August rund 5000 Bürger ab 18 Jahren.
Nur 18 Prozent bewerteten den Vorschlag eher negativ oder sehr negativ, 20 Prozent hatten keine Meinung. Der Druck auf Schwarz-Rot wächst damit ausgerechnet in dem Moment, in dem die versprochene Steuerreform konkret wird.
Was die kalte Progression wirklich anrichtet
Das Prinzip ist so simpel wie ärgerlich: Der Tarif der Einkommensteuer steigt mit dem Einkommen. Wer eine Lohnerhöhung bekommt, die lediglich die Inflation ausgleicht, rutscht in eine höhere Belastungszone – real bleibt weniger übrig als vorher.
Der Staat kassiert also mehr, ohne dass ein Parlament je über eine Steuererhöhung abstimmen musste. Elf Jahre in Folge hatten Bundesregierungen diesen Effekt zumindest ausgeglichen. Genau das steht nun infrage.
Der Referentenentwurf – und was darin fehlt
Aus einem durchgesickerten Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums geht Medienberichten zufolge hervor, dass ein Ausgleich der kalten Progression derzeit nicht vorgesehen ist. Geplant seien stattdessen ein steigender Grundfreibetrag, ein höherer Arbeitnehmer-Pauschbetrag und ein später greifender Spitzensteuersatz.
Die Entlastung soll den Angaben zufolge in zwei Stufen kommen: rund drei Milliarden Euro im Jahr 2027, rund sieben Milliarden ab 2028. Klingt nach viel. Gemessen an einem Bundeshaushalt mit Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe wirkt es eher wie ein Trinkgeld.
Zur Einordnung: Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift bei Singles bereits ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von knapp 70.000 Euro. Ein Facharbeiter mit Überstunden ist davon längst nicht mehr weit entfernt – der „Spitzenverdiener“ von einst ist heute Mittelschicht.
„Wachstumsbremse“ – die Kritik der Opposition
FDP-Generalsekretär Martin Hagen verwies auf den im Februar vorgestellten Vier-Stufen-Tarif seiner Partei mit den Sätzen 15, 25, 35 und 42 Prozent. Tarifstufen und Freibetrag will die FDP gesetzlich verankert an die Inflation koppeln.
„Damit gelingt Schwarz-Rot nicht einmal das absolute Minimum, das die Menschen erwarten – was zuvor elf Jahre in Folge gelang. Friedrich Merz schafft sich hiermit ein unrühmliches Erbe als Bundeskanzler“, sagte Hagen.
Das aktuelle Steuersystem nannte er eine „Wachstumsbremse“. FDP-Chef Wolfgang Kubicki warf der Bundesregierung Berichten zufolge vor, sie breche „auch das letzte Versprechen“, wenn sie die kalte Progression nicht ausgleiche. Das Finanzministerium verteidigt seine Pläne; formal ist ein Referentenentwurf nur der Auftakt, der Progressionsbericht wird traditionell erst im Herbst vorgelegt.
Warum das mehr ist als eine Steuerdebatte
Aus Sicht unserer Redaktion legt der Vorgang einen Konstruktionsfehler offen: Ein Staat, der von Inflation automatisch profitiert, hat wenig Anreiz, sie zu bekämpfen. Der Bürger zahlt doppelt – erst an der Kasse, dann beim Finanzamt.
Wer sein Erspartes gegen die Geldentwertung absichern will, setzt seit Jahrhunderten auch auf physische Edelmetalle. Gold und Silber kennen keine Progressionsstufen und keinen Referentenentwurf – sie sind eine bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt weder eine Anlage- noch eine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Jeder Leser ist für seine finanziellen Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren beziehungsweise fachkundigen Rat einholen.

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