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22.10.2026
16:58 Uhr
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Handelsfrieden auf Abruf: Wer hat im EU-China-Poker zuerst gezuckt?

Handelsfrieden auf Abruf: Wer hat im EU-China-Poker zuerst gezuckt?
Symbolbild: KI-generiert

Keine zwei Wochen nach dem überraschenden Handelsdeal zwischen Brüssel und Peking fliegen schon wieder die Fetzen. Diesmal geht es nicht um Zölle, sondern um Deutungshoheit: Beide Seiten streiten darüber, wer eingeknickt ist. Der Waffenstillstand, der einen Handelskrieg verhindern sollte, wirkt plötzlich brüchig.

Ein Deal mit Kleingedrucktem

Am 8. und 9. Oktober hatten EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und Chinas Handelsminister Wang Wentao in Peking verhandelt. Herausgekommen sind drei sogenannte „gemeinsame Verständnisse“. Das wichtigste: Chinas Exporte von Hybrid- und Plug-in-Hybridautos nach Europa sollen Berichten zufolge in den kommenden vier Jahren ungefähr halbiert werden.

Dazu kommen niedrigere chinesische Zölle auf einige europäische Waren wie Autoteile, Olivenöl und Schuhe. Außerdem soll ein „grüner Kanal“ die Lizenzen für Seltene Erden und Permanentmagnete beschleunigen. Klingt nach einem Durchbruch? Gemessen am Problem ist es eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

Über eine Milliarde Euro Defizit – an jedem einzelnen Tag

2025 lag Chinas Handelsüberschuss gegenüber der EU laut Reuters bei rund 360,6 Milliarden Euro. Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr, und im ersten Halbjahr 2026 wuchs die Lücke noch einmal um neun Prozent. Pro Tag summiert sich das Minus inzwischen auf über eine Milliarde Euro.

Ökonomen der Brüsseler Denkfabrik Bruegel rechnen vor, dass die Zollsenkungen den Europäern gerade einmal etwa 225 Millionen Euro an Abgaben ersparen. Chinas Autoexporte in die EU haben demnach einen Wert von rund 15 Milliarden Euro. Das wahre Ungleichgewicht steckt woanders: in Maschinen, Chemie, Metallen, Solarmodulen, Batterien und Elektronik.

Brüssel wittert Morgenluft

In Brüssel und Berlin glaubt man nun trotzdem, den Beweis in der Hand zu halten: Wenn Europa geschlossen Druck macht, bewegt sich Peking. Statt sich zurückzulehnen, arbeitet die Kommission schon an den nächsten Beschränkungen.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte nach dem EU-Gipfel am 16. Oktober weitere Schutzmaßnahmen an. Der Deal mit China löse das strukturelle Ungleichgewicht nicht, sagte sie. Die Industrie habe Taten gefordert, und man werde liefern. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte als mögliche Ziele Chemikalien, Kunststoffe und Ferrolegierungen. Zusätzlich soll nach einem deutsch-französischen Vorstoß ein neues Instrument entstehen, mit dem die EU den Zugang zum Binnenmarkt im Ernstfall schnell beschränken kann.

Peking reagiert gereizt

In China kommt das gar nicht gut an. Dass man sich von Europa etwas abtrotzen lasse, weist Peking empört zurück. Noch mehr stört die Führung offenbar die Vorstellung, dass weitere Zugeständnisse folgen könnten. Staatsmedien warnen inzwischen ganz offen vor europäischer Selbstüberschätzung.

Ganz ohne Gegenleistung lief der Deal ohnehin nicht. Nach Einschätzung von Beobachtern pocht Peking darauf, dass auch Europa seine Exportkontrollen lockert. Im Raum stehen die niederländischen Beschränkungen für Hightech-Lithografie. Genau dort liegt allerdings Europas schärfstes Druckmittel.

Die Lehre aus dem Oktober 2025

Wie viel ein chinesisches Versprechen bei Rohstoffen wert ist, haben Washington und Brüssel schon im Oktober 2025 erlebt. Damals verschärfte Peking über Nacht die Exportkontrollen für Seltene Erden. Ein „grüner Kanal“, der allein im Ermessen der chinesischen Behörden liegt, ist deshalb keine echte Sicherheit. Er erinnert eher an einen Wasserhahn, an dem ein anderer dreht.

Hält der Frieden bis Januar?

Schon im Januar ist eine Ministerrunde per Videokonferenz geplant, im März 2027 dann das nächste große Treffen. Ob die Feuerpause bis dahin hält, ist offen. Für die deutsche Industrie, die gleichzeitig unter Trumps Zöllen und der chinesischen Billigkonkurrenz leidet, ist das ein Spiel mit hohem Einsatz.

Eines zeigt der Streit sehr deutlich: Lieferketten, Handelsabkommen und politische Zusagen können sich schnell ändern. Wer sein Vermögen gegen solche geopolitischen Erschütterungen absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Edelmetalle hängen von keinem Verhandlungstisch ab.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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