
Hammer am Boden: Traditionsreiche Baumarktkette schlittert zum zweiten Mal in die Pleite

Was für ein dramatisches Déjà-vu für die deutsche Einzelhandelslandschaft! Die Einrichtungskette Hammer, einst ein Aushängeschild für Raumgestaltung und Fachberatung, hat erneut den Gang zum Insolvenzgericht antreten müssen. Nur drei Monate nach der vermeintlichen Rettung durch ein Investorenteam steht das Unternehmen wieder vor dem finanziellen Abgrund. Ein Sinnbild für die prekäre Lage des deutschen Mittelstands?
Von der Rettung direkt in den nächsten Abgrund
Die Geschichte liest sich wie ein wirtschaftliches Trauerspiel in mehreren Akten. Nachdem die Muttergesellschaft Brüder Schlau im Juni 2025 Insolvenz anmelden musste und regelrecht zerschlagen wurde – mit verheerenden Folgen für den Großhandel, 70 Märkte und unzählige Arbeitsplätze – keimte im Herbst vergangenen Jahres noch Hoffnung auf. Ein Investorenteam erwarb die verbliebenen Werte der Fachmärkte und überführte sie in die neu gegründete Hammer Raumstylisten GmbH.
Der ambitionierte Neuanfang sollte mit rund 93 Standorten und 1.200 Mitarbeitern gelingen. Doch die Realität holte das Unternehmen schneller ein als erwartet. Am 27. Januar 2026 musste die Hammer Raumstylisten GmbH beim Amtsgericht Bielefeld erneut einen Insolvenzantrag stellen. Die Begründung der Geschäftsführung: massive technische Probleme bei der Warenversorgung, die zu erheblichen Umsatzausfällen und einer daraus resultierenden Liquiditätskrise geführt hätten.
Technische Probleme als Sargnagel?
Man fragt sich unweigerlich: Wie kann es sein, dass ein Unternehmen, das gerade erst aus der Insolvenz gerettet wurde, innerhalb von nur drei Monaten erneut in die Zahlungsunfähigkeit rutscht? Die Erklärung mit technischen Problemen bei der Warenversorgung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. War die Due Diligence vor der Übernahme mangelhaft? Wurden die strukturellen Probleme unterschätzt? Oder zeigt sich hier einmal mehr, wie fragil die wirtschaftliche Lage im deutschen Einzelhandel tatsächlich ist?
Der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Meyer von der Kanzlei Pluta steht nun vor einer Herkulesaufgabe. Gemeinsam mit seinem Expertenteam analysiert er derzeit die Strukturen, um den Geschäftsbetrieb trotz der schwierigen Ausgangslage zu sichern. Die aktuell 87 aktiven Filialen in Bundesländern von Nordrhein-Westfalen bis Sachsen setzen ihren operativen Betrieb vorerst fort.
Verzweifelte Suche nach neuen Geldgebern
Parallel zur Stabilisierung startet ein strukturierter M&A-Prozess, um neue Interessenten für die angeschlagene Kette zu gewinnen. Meyer selbst bezeichnet die Suche nach einer „belastbaren Fortführungslösung" angesichts der kurzen Zeitspanne seit der letzten Insolvenz als anspruchsvoll – eine diplomatische Untertreibung, wie man vermuten darf.
Wer investiert schon gerne in ein Unternehmen, das innerhalb weniger Monate zweimal Insolvenz anmelden musste? Die Skepsis potenzieller Käufer dürfte erheblich sein. Das Schicksal vieler Standorte, insbesondere in strukturschwachen Regionen wie Sachsen oder Sachsen-Anhalt, bleibt vorerst ungewiss.
Mitarbeiter in der Warteschleife
Für die verbliebenen 1.100 bis 1.200 Mitarbeiter bedeutet die erneute Insolvenz vor allem eines: Ungewissheit. Immerhin sind ihre Löhne für drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert. Doch was danach kommt, steht in den Sternen. Seit der Eröffnung der ersten Standorte in Bremerhaven und Lübbecke im Jahr 1976 blickt Hammer auf eine fünfzigjährige Tradition zurück. Ob diese Tradition fortgeführt werden kann, erscheint derzeit mehr als fraglich.
Ein Symptom für größere Probleme
Der Fall Hammer ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für die Krise des deutschen Einzelhandels. Steigende Energiekosten, eine galoppierende Inflation und eine Wirtschaftspolitik, die den Mittelstand systematisch vernachlässigt, fordern ihren Tribut. Während die Politik sich mit ideologischen Projekten beschäftigt, kämpfen traditionsreiche Unternehmen ums nackte Überleben.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar vollmundig Unterstützung für den Mittelstand versprochen. Doch angesichts des geplanten 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens, das die Staatsverschuldung weiter in die Höhe treiben wird, fragt man sich, ob für echte Wirtschaftsförderung überhaupt noch Spielraum bleibt. Die Zeche zahlen am Ende wieder die Bürger – und Unternehmen wie Hammer, die zwischen steigenden Kosten und sinkender Kaufkraft zerrieben werden.

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