
Goldrausch trotz Preisrutsch: Indien greift bei Gold-Fonds durch!

Der Goldpreis rutschte im September um 8,5 Prozent ab, und Indiens Anleger kaufen trotzdem. Das geht aus dem aktuellen Indien-Bericht des World Gold Council (WGC) hervor, den Indien-Forschungschefin Kavita Chacko am Dienstag vorgelegt hat. Gleichzeitig schränkt der Staat den Zugang zu Gold-Fonds ein. Für Sparer, die Gold nur auf dem Papier besitzen, ist das eine deutliche Warnung.
Schnäppchenjagd im größten Goldmarkt Asiens
Steigende US-Anleiherenditen, ein starker Dollar und weniger Terminkontrakte am Markt hätten den Preis im September gedrückt, so Chacko. In Indien fiel der Rückgang mit 4,8 Prozent auf 147.613 Rupien je zehn Gramm geringer aus, weil die schwache Rupie einen Teil der Verluste abfederte. Im Oktober bewegt sich der Preis bisher seitwärts.
Die Inder nutzten den Rücksetzer offenbar zum Einstieg. Laut dem Fondsverband AMFI flossen im September netto 44,5 Milliarden Rupien in indische Gold-ETFs, umgerechnet rund 466 Millionen US-Dollar. Das ist der höchste Wert seit sieben Monaten. Die Bestände wuchsen um fast drei Tonnen auf insgesamt 124 Tonnen.
Die Zahl neuer Anlegerkonten stieg sprunghaft: 140.231 neue Depots im September, nach nur rund 4.000 im August. Auch in der ersten Oktoberhälfte flossen schätzungsweise weitere 17,22 Milliarden Rupien in die Fonds.
Neu-Delhi zieht die Notbremse
Ausgerechnet jetzt greift der Staat ein. Seit dem 16. Oktober nehmen indische Fondsgesellschaften vorübergehend keine neuen Einzahlungen in Gold-Sparfonds und Dachfonds (Fund of Funds) mehr an. Bestehende Sparpläne laufen weiter, und Verkäufe sind weiterhin möglich.
Offiziell wurde kein Grund genannt. Nach Darstellung des WGC soll die Maßnahme nach Gesprächen mit der Börsenaufsicht SEBI erfolgt sein und vermutlich die Goldimporte senken. Indische Medien berichten, mehr als ein Dutzend Fondshäuser hätten auf mündliche Anweisung der Aufsicht gehandelt. Schon im Juni waren große Direktzeichnungen begrenzt worden.
Daraus folgt eine klare Lehre: Wer Gold nur als Fondsanteil besitzt, hängt vom Wohlwollen der Behörden ab. Ein Barren im eigenen Tresor lässt sich nicht per Anweisung aus dem Ministerium sperren. Der Gedanke hat Gewicht, da auch in Europa der staatliche Zugriff auf private Vermögen immer wieder diskutiert wird.
Hochzeiten, Feste und Altgold
Mit dem Beginn der Fest- und Hochzeitssaison steigt die Nachfrage nach Schmuck. Börsennotierte Juweliere meldeten für das dritte Quartal ein Umsatzplus von 20 bis 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, obwohl wichtige Feiertage in diesem Jahr erst ins vierte Quartal fallen. Gefragt seien vor allem leichtere Schmuckstücke.
Ein wichtiger Faktor ist der Tausch von Altgold. Dieses Geschäft wuchs um mehr als zehn Prozent und macht bei manchen Händlern über die Hälfte des Umsatzes aus. Den Inhalt der Familienschatulle tauscht man in Indien also gegen neuen Schmuck, statt ihn zu verkaufen.
Importe auf Tiefstand
Die Einfuhren gingen deshalb stark zurück. Im September importierte Indien Gold für 1,8 Milliarden US-Dollar, so wenig wie seit März 2024 nicht mehr. Das sind 81 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Laut WGC deckten recyceltes Altgold und nach Branchenangaben auch inoffizielle Zuflüsse einen Teil des Bedarfs.
Digitales Gold boomt
Auch digitales Gold ist gefragt. Im September kauften Inder dafür 25,9 Milliarden Rupien, 83 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seit Jahresbeginn summieren sich die Käufe auf 16,3 Tonnen, im Vorjahreszeitraum waren es 9,2 Tonnen. Münzen und Barren wurden dagegen zuletzt etwas weniger gekauft als während der vorangegangenen Rally.
Der WGC rechnet für die kommenden Monate mit einer günstigen Nachfrage. Niedrigere Preise dürften den Schmuckkauf stützen, das hohe Preisniveau könnte das Mengenwachstum aber begrenzen. Bemerkenswert ist vor allem, dass weder ein Preisrutsch noch Eingriffe der Behörden die Inder vom Goldkauf abhalten. Wer sein Vermögen absichern will, kann physisches Gold als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Es hängt nicht davon ab, ob eine Fondsgesellschaft gerade Einzahlungen annimmt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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