
Goldpreis kämpft sich zurück: Nach historischem Absturz kehrt die Zuversicht an die Märkte zurück

Was für ein Wechselbad der Gefühle an den Edelmetallmärkten! Nachdem Gold und Silber innerhalb weniger Tage einen regelrechten Crash erlebten, der selbst hartgesottene Händler in Schockstarre versetzte, zeigen sich die Kurse nun wieder von ihrer kämpferischen Seite. Der Goldpreis legte zeitweise um mehr als vier Prozent zu und kletterte auf über 4.855 US-Dollar je Unze – ein beachtliches Comeback nach dem stärksten Tagesrückgang seit über einem Jahrzehnt.
Ein Absturz, der Geschichte schrieb
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Innerhalb von nur zwei Handelstagen verlor Gold knapp 1.200 US-Dollar an Wert. Silber traf es noch härter – das weiße Metall brach um rund 36 Prozent ein und verzeichnete am 30. Januar einen historischen Intraday-Einbruch, der seinesgleichen sucht. Solche Verwerfungen erinnern an die dunkelsten Stunden vergangener Finanzkrisen und werfen unweigerlich die Frage auf: Was hat diesen Sturm ausgelöst?
Die Antwort liegt, wie so oft, jenseits des Atlantiks. Die Nominierung von Kevin Warsh als künftigem Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve ließ den Dollar erstarken und entzog den Edelmetallen damit schlagartig den Boden unter den Füßen. Denn Gold und Dollar bewegen sich traditionell in entgegengesetzte Richtungen – steigt der Greenback, geraten die Edelmetalle unter Druck.
China als Zünglein an der Waage
Doch wer glaubt, die Edelmetall-Rally sei damit endgültig Geschichte, könnte sich gewaltig irren. Besonders die Entwicklungen im Reich der Mitte verdienen höchste Aufmerksamkeit. Chinesische Investoren hatten die vorangegangene Rekordrally maßgeblich befeuert, und nun strömen sie erneut auf die Märkte. In Shenzhen, dem größten Edelmetallmarkt des Landes, herrschte am Wochenende regelrechter Ansturm. Vor dem chinesischen Neujahrsfest decken sich die Käufer traditionell mit Goldschmuck und Barren ein – eine kulturelle Gepflogenheit, die dem Markt verlässlich Auftrieb verleiht.
„Die fundamentalen Faktoren, die den Goldpreis heute stützen, sind weitgehend dieselben wie vor der Korrektur am Freitag", erklärt Ahmad Assiri, Marktstratege bei Pepperstone Group Ltd.
Diese Einschätzung trifft den Nagel auf den Kopf. Die geopolitischen Spannungen sind keineswegs verschwunden, die Sorgen um Währungsabwertungen bestehen fort, und die Zweifel an der Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank haben sich durch die jüngsten politischen Entwicklungen eher verstärkt als verflüchtigt.
Staatliche Kontrollen verschärft
Interessanterweise reagieren Chinas große Staatsbanken auf die extreme Volatilität mit verschärften Kontrollen bei Goldinvestments. Ein Zeichen dafür, dass selbst die Behörden in Peking die Dynamik an den Edelmetallmärkten mit einer gewissen Nervosität beobachten. Die chinesischen Börsen bleiben ab dem 16. Februar für etwas mehr als eine Woche geschlossen – eine Atempause, die dem Markt durchaus guttun könnte.
Silber feiert spektakuläres Comeback
Noch beeindruckender als die Erholung beim Gold präsentiert sich das Comeback des Silbers. Das Metall legte zeitweise um mehr als acht Prozent zu und kletterte auf über 85 US-Dollar je Unze. Nach dem brutalen Einbruch der Vortage ist dies ein Signal, das Anleger aufhorchen lässt. Silber gilt traditionell als der kleine, aber deutlich volatilere Bruder des Goldes – und genau diese Eigenschaft zeigt sich derzeit in aller Deutlichkeit.
Trump und der Iran: Diplomatie als Preisdrücker?
Ein weiterer Faktor, der die Märkte in Atem hält, sind die möglichen Gespräche zwischen den USA und dem Iran über ein neues Atomabkommen. Präsident Donald Trump deutete an, dass entsprechende Verhandlungen in den kommenden Tagen stattfinden könnten. Sollte es tatsächlich zu einem diplomatischen Durchbruch kommen, könnte dies die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen schmälern und damit Druck auf die Preise ausüben.
Allerdings – und hier ist Skepsis durchaus angebracht – hat die Vergangenheit gezeigt, dass solche Abkommen unter der Trump-Administration nicht unbedingt von Dauer sein müssen. Wer sich noch an das Schicksal des ersten Atomabkommens erinnert, wird verstehen, warum langfristig orientierte Anleger solche diplomatischen Avancen mit einer gehörigen Portion Vorsicht betrachten sollten.
Banken bleiben optimistisch
Trotz der jüngsten Turbulenzen halten namhafte Finanzinstitute an ihren bullischen Prognosen fest. Die Deutsche Bank bekräftigte am Montag ihre Einschätzung, dass Gold langfristig auf 6.000 US-Dollar je Unze steigen könnte. Eine Zahl, die vor wenigen Jahren noch als völlig utopisch gegolten hätte, erscheint angesichts der aktuellen Entwicklungen plötzlich gar nicht mehr so abwegig.
Für konservative Anleger, die ihr Vermögen vor den Unwägbarkeiten einer zunehmend instabilen Welt schützen möchten, bleiben physische Edelmetalle eine bewährte Säule der Vermögenssicherung. In Zeiten, in denen Papiergeld durch politische Entscheidungen beliebig vermehrt werden kann und geopolitische Risiken allgegenwärtig sind, bietet das greifbare Metall eine Sicherheit, die kein Versprechen eines Politikers ersetzen kann.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor dem Kauf von Edelmetallen oder anderen Anlageprodukten eine eigenständige Recherche durchführen sowie gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.












