
Gold-Strategin im US-Finanzministerium: Kommt die Gold-Anleihe?

US-Finanzminister Scott Bessent hat im September Judy Shelton als Beraterin („Counselor to the Secretary“) in sein Ministerium geholt. Die Ökonomin wirbt seit Jahren für Staatsanleihen, die mit Gold gedeckt sind. Die Personalie fällt in eine Zeit, in der Washington für seine Schulden immer höhere Zinsen zahlen muss.
Die meisten Medien haben die Ernennung als Randnotiz abgehakt. Spannender ist die Frage, warum das Finanzministerium gerade jetzt eine Gold-Expertin braucht.
Amerikas Schuldenproblem wird größer
Die Lage ist ernst. Die US-Staatsverschuldung liegt Berichten zufolge inzwischen über 40 Billionen Dollar. Anleger verlangen für langlaufende Staatspapiere deutlich mehr Rendite: Die 30-jährige Treasury-Anleihe stieg zuletzt auf rund 5,7 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2002. Laut Wirtschaftsmedien treiben der Iran-Krieg, teures Öl und die Inflation die Renditen nach oben.
Bessent hatte im August ein größeres Programm zum Rückkauf von Anleihen angekündigt. Eine dauerhafte Entlastung hat es bisher nicht gebracht. Üblich wäre in so einer Lage, die Notenbank einzuschalten: Die Fed kauft Anleihen oder deckelt die Renditen. Beides schwächt aber meistens die Währung.
Der Plan aus dem Jahr 2012
Shelton hat einen anderen Weg ausgearbeitet. 2012 schlug sie in einem Fachaufsatz für das Cato Journal sogenannte Treasury Trust Bonds vor. Das sind Nullkupon-Anleihen, die der Anleger am Ende der Laufzeit wahlweise in Dollar oder in einer festen Menge Gold zurückbekommt. Später brachte sie auch eine 50-jährige US-Anleihe ins Gespräch, die durch die amerikanischen Goldreserven gedeckt sein soll.
Dahinter steht eine einfache Überlegung: Wer sich mit Gold gegen den Wertverlust des Dollars absichern kann, verlangt weniger Zinsen. Der Staat würde also billiger an Geld kommen. Shelton ist in Washington keine Unbekannte. Trump wollte sie schon in seiner ersten Amtszeit in den Vorstand der Fed holen, doch der Senat stellte sich quer.
Eine Reihe von Schritten
In Finanzkreisen fällt auf, wie die Ereignisse aufeinander folgten. Laut Berichten hat Trump Gold per Dekret (Executive Order 14241) zum kritischen Rohstoff erklärt. Danach ließ das Finanzministerium die Bestände in Fort Knox prüfen und bezifferte die US-Goldreserven auf über eine Billion Dollar. Zudem wurde Gold in die Iran-Sanktionen aufgenommen. Und jetzt arbeitet eine der bekanntesten Befürworterinnen goldgedeckter Anleihen im Büro des Ministers.
Ein Zufall? Möglich ist das. Offiziell hat das Ministerium keine Gold-Anleihe angekündigt oder vorgeschlagen. Shelton hat nur eine beratende Rolle. Bessent selbst soll im Sommer gesagt haben, dass Gold nicht über den Wert des Dollars entscheide. Denkbar ist auch, dass Shelton vor allem bei der Reform der Fed helfen soll, die sie seit Jahren kritisiert.
Eine Billion Dollar, die in keiner Bilanz steht
Ein Detail aus der Bilanz zeigt, worum es gehen könnte. Washington bewertet seine rund 261 Millionen Unzen Gold bis heute mit 42,22 Dollar je Unze. Diesen offiziellen Preis legte man 1973 fest, kurz nachdem Präsident Nixon die Bindung des Dollars an Gold aufgehoben hatte. Auf dem Papier sind die Reserven damit nur etwa 11 Milliarden Dollar wert. Beim aktuellen Marktpreis von rund 4.170 Dollar sind es etwa 1,1 Billionen Dollar.
Eine goldgedeckte Anleihe könnte diese Differenz nutzen, ohne dass eine einzige Unze verkauft wird. Dazu käme ein Nebeneffekt: Ein Staat, der seine Schulden mit Gold absichert, hätte selbst ein Interesse an einem hohen Goldpreis.
Peking kauft weiter
China behandelt Gold längst als strategisches Geld. Die chinesische Zentralbank kaufte im August nach Berichten 20,2 Tonnen und damit so viel wie seit Oktober 2023 nicht mehr. Seit 22 Monaten in Folge stocken die Chinesen ihre Bestände auf. Gold macht inzwischen rund 9 Prozent ihrer Devisenreserven aus.
Am Markt ist davon wenig zu sehen. Gold hat binnen eines Monats fast 8 Prozent verloren, im Januar lag es noch mehr als 95 Prozent über dem Vorjahr. Viele Anleger halten die Rally für beendet. Washington und Peking scheinen Gold dagegen ernster zu nehmen als die Börse.
Für deutsche Sparer ist das ein wichtiges Signal. Wenn selbst die größten Volkswirtschaften Gold wieder als Stütze ihrer Finanzen sehen, spricht viel dafür, physisches Gold und Silber als Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen zu halten.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung, Wertpapiere oder Edelmetalle zu kaufen oder zu verkaufen. Er gibt unsere eigene Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Bitte informieren Sie sich selbst gründlich, bevor Sie investieren. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie selbst verantwortlich.












