
Gold springt über 4.600 Dollar – Silber kratzt an der 70er-Marke!

Die Edelmetalle haben den US-Handel zum Wochenschluss mit einem kräftigen Satz nach oben beendet. Gold notierte zuletzt bei rund 4.602 US-Dollar je Unze – ein Plus von etwa 1,86 Prozent. Silber kletterte auf knapp 68,90 Dollar, im Tagesverlauf sogar bis auf 70,14 Dollar.
Der Treibsatz: ein schwächelnder US-Dollar, wachsende Sorgen um die amerikanische Haushaltslage und die weiter ungeklärte Lage rund um die Straße von Hormus. Dass die Renditen amerikanischer Staatsanleihen hoch blieben, konnte die Käufer nicht bremsen.
Robuste Konjunktur, brüchiges Vertrauen
Die US-Wirtschaft liefert auf den ersten Blick starke Zahlen. Der Flash Composite PMI stieg im August auf 56,0 – der höchste Wert seit über vier Jahren, getragen vom Dienstleistungssektor mit 56,8. Das verarbeitende Gewerbe dagegen rutschte auf ein Fünf-Monats-Tief von 53,2.
Doch der Dollar-Index fiel unter die Marke von 99,00. Ein starkes Konjunktursignal und eine schwache Währung – dieser Widerspruch ist das eigentliche Alarmzeichen. Er verrät, dass Investoren weniger auf Wachstum schauen als auf Schuldenberge.
Die zehnjährige US-Rendite liegt bei etwa 4,7 Prozent, die dreißigjährige bei rund 5,3 Prozent. Selbst der Rückkaufplan der US-Treasury für lange Laufzeiten verpuffte weitgehend. Für Gold ergibt das ein zwiespältiges Bild: Der billige Dollar hilft, die hohen Renditen bremsen.
Warum Silber diesmal schneller läuft
Silber zeigt derzeit Muskeln. Innerhalb einer Woche fielen die Marken 66,55, 68,02 und 69,48 Dollar. Der Blick richtet sich nun auf die Zone zwischen 71,00 und 72,08 Dollar; Unterstützungen werden bei 66,29 und 64,20 Dollar gesehen.
Der Grund liegt in der Doppelnatur des Metalls: Es ist Krisenwährung und Industrierohstoff. Die Erzählung von struktureller Nachfrage und Angebotsdefiziten verlieh Silber zuletzt genug Schwung, um Gold zu überholen. Wer die Volatilität aushält, wird derzeit belohnt – wer sie unterschätzt, sollte sich der historisch heftigen Ausschläge dieses Marktes bewusst sein.
Hormus, Öl und die Inflationsfalle
Geopolitisch bleibt die Straße von Hormus der neuralgische Punkt der Weltwirtschaft. Die Gespräche zwischen Washington und Teheran stocken, die USA bereiten Berichten zufolge schärfere Sanktionen vor, der kommerzielle Verkehr durch die Meerenge liegt weiterhin klar unter Vorkriegsniveau. Brent notierte nahe 93,29 Dollar, WTI bei rund 84,34 Dollar.
Teures Öl heißt: Inflation bleibt im System. Und Inflation heißt für den Sparer in Deutschland schlicht Kaufkraftverlust – ein Punkt, den Politik und Notenbanken gern hinter Prozentkommastellen verstecken.
Jackson Hole als Nagelprobe
Alle Augen richten sich nun auf Wyoming. Das Symposium in Jackson Hole läuft Medienberichten zufolge vom 27. bis 29. August, am Freitag hält Fed-Chef Kevin Warsh seine erste Grundsatzrede in diesem Amt. Warsh, seit Mai 2026 im Amt, gilt als Falke und hat die Vorab-Signale der Notenbank spürbar zurückgefahren – die Märkte tappen ungewohnt im Dunkeln. Dazu kommt der Juli-PCE-Bericht.
Bemerkenswert: Laut World Gold Council kauften die Notenbanken im zweiten Quartal 2026 rund 288,9 Tonnen Gold – 62 Prozent mehr als im Vorjahr und der stärkste je gemessene zweite Quartal. Wenn Zentralbanken selbst in Barren flüchten, sagt das mehr über den Zustand des Papiergeldsystems als jede Pressekonferenz.
Physische Edelmetalle bleiben aus Sicht unserer Redaktion eine sinnvolle Beimischung zur langfristigen Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren; Kursverluste sind bei jeder Anlage möglich.

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