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Gold-Paradox: Notenbanken greifen massiv zu – doch der Preis fällt!

Gold-Paradox: Notenbanken greifen massiv zu – doch der Preis fällt!
Symbolbild: KI-generiert

Die Notenbanken der Welt haben im dritten Quartal netto 321 Tonnen Gold gekauft. So viel wie seit Ende 2024 nicht mehr, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Bericht des World Gold Council (WGC) hervorgeht. Trotzdem rutscht der Goldpreis unter die Marke von 4.000 Dollar. Wie passt das zusammen?

Die Währungshüter kaufen, als gäbe es kein Morgen

Die Zahlen sind eindeutig. Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Zentralbankkäufe um 42 Prozent zu. Seit Jahresbeginn summieren sie sich auf 675 Tonnen, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Im Fünfjahresschnitt kauften die Notenbanken 227 Tonnen pro Quartal, aktuell liegen sie also fast 100 Tonnen darüber.

Größter offiziell gemeldeter Käufer war China mit 63 Tonnen, gefolgt von Polen mit rund 40 Tonnen. Doch das ist nur ein Ausschnitt: Lediglich etwa 37 Prozent der geschätzten Käufe wurden offiziell ausgewiesen. Der große Rest läuft über Transaktionen, die nicht oder noch nicht gemeldet sind. Wer da still und leise seine Tresore füllt, bleibt also offen.

Das Motiv dahinter ist kein Geheimnis. Viele Staaten wollen ihre Reserven breiter aufstellen und weniger vom US-Dollar abhängen. WGC-Marktstratege John Reade sagte dazu:

„Wenn man davon ausgeht, dass der Dollar langfristig fallen wird, und man kurzfristige US-Staatsanleihen hält, die bald fällig werden, könnte man einen Teil dieser derzeit teuren Dollar nehmen und damit Gold kaufen.“

ETFs auf Rekordkurs, Privatanleger halten sich zurück

Auch die Profis an den Finanzmärkten greifen zu. In Gold-ETFs flossen im dritten Quartal 211 Tonnen, ihre Bestände stiegen auf ein Rekordniveau. Ein gemischteres Bild zeigt sich bei Barren und Münzen: In China stieg die Nachfrage danach um sieben Prozent. Weltweit ging sie dagegen um 19 Prozent zurück. Die gesamte Goldnachfrage sank Medienberichten zufolge leicht auf 1.369 Tonnen, ihr Wert stieg wegen der hohen Preise aber um 22 Prozent.

Warum der Preis trotzdem einknickt

Am Freitag fiel Gold zeitweise auf rund 3.870 Dollar, den tiefsten Stand seit Oktober 2025. Am Montag erholte sich der Preis auf etwa 3.970 Dollar, danach ging es wieder abwärts auf zuletzt rund 3.909 Dollar. Die US-Großbank JPMorgan rechnet mit weiteren Verlusten, bleibt langfristig aber optimistisch.

Der Hauptgrund ist die Lage an den Zins- und Ölmärkten. Der Iran-Krieg treibt den Ölpreis nach oben und damit auch das Inflationsrisiko. Weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed werden dadurch wahrscheinlicher. Hohe Anleiherenditen und ein starker Dollar sind Gift für ein Metall, das keine Zinsen abwirft.

Der KI-Crash als Brandbeschleuniger

Dazu kommt der Ausverkauf bei KI-Aktien. Analysten der Commerzbank halten es für möglich, dass Anleger Gold und andere Anlagen verkaufen mussten, um Geld für Nachschussforderungen aus ihren Aktiendepots zu beschaffen. Gold wird also nicht verkauft, weil es schwach ist. Es wird verkauft, weil man es jederzeit und ohne Probleme zu Geld machen kann, auch wenn anderswo nichts mehr geht.

Wer hat den längeren Atem?

Die Lage ist bemerkenswert. Auf der einen Seite stehen Spekulanten, die nervös auf jede Zinsprognose reagieren. Auf der anderen Seite stehen Notenbanken, die in Jahrzehnten denken und gerade bei niedrigeren Preisen zukaufen. Der WGC erwartet inzwischen, dass die Zentralbanken im Gesamtjahr mindestens so viel Gold kaufen wie 2025.

Kurzfristig bestimmen Zinsen, Dollar und Geldknappheit den Kurs, die 4.000-Dollar-Marke dürfte deshalb vorerst schwer zurückzuholen sein. Langfristig zeigen die Notenbanken aber, wem sie vertrauen. Für Sparer, die ihr Vermögen gegen Geldentwertung und Krisen absichern wollen, bleibt physisches Gold eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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