
Gold-Alarm bei den Notenbanken: Rüsten sie sich für den nächsten Crash?

Die mächtigsten Zentralbanken der Welt schieben Hunderte Tonnen Gold über den Globus, und das ausgerechnet jetzt. Während die KI-Euphorie an den Aktienmärkten Risse bekommt, stocken Notenbanken von Amsterdam bis Neu-Delhi ihre Krisenvorsorge auf. Analysten von Bravos Research halten das für ein mögliches Warnsignal: Eine Liquiditätskrise könnte näher sein, als viele Anleger glauben.
Gold auf Reisen: Wer holt was nach Hause?
Die Liste der Transfers ist beeindruckend. Medienberichten zufolge hat die niederländische Zentralbank Gold aus New York und Ottawa nach London gebracht, darunter allein 78 Tonnen aus den Tresoren der US-Notenbank. Begründet wird das mit besserer Handelbarkeit und höherer Krisenbereitschaft.
Frankreich hat es eleganter gelöst. Die Banque de France verkaufte ihre 129 Tonnen in New York und kaufte dieselbe Menge in Europa zurück. Nach eigener Darstellung ging es um technische Standards und nicht um Politik. Wegen des hohen Goldpreises fiel dabei laut Berichten ein Milliardengewinn an. Seitdem liegt Frankreichs gesamter Goldschatz von rund 2.437 Tonnen im eigenen Land.
Indien wiederum hat innerhalb von drei Jahren etwa 380 Tonnen heimgeholt. Einer Umfrage des World Gold Council zufolge hat sich der Anteil der Notenbanken, die Gold zurückführen, gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt.
Und Deutschland?
Berlin und Frankfurt bleiben auffallend gelassen. Medienberichten zufolge lagern weiterhin rund 1.236 Tonnen deutsches Gold in New York. Zwar hatte die Bundesbank bis 2017 Hunderte Tonnen aus Paris und New York zurückgeholt. Doch während die Nachbarn handeln, scheint man hierzulande auf das Prinzip Hoffnung zu setzen. Für viele Bürger dürfte schwer nachvollziehbar sein, warum ausgerechnet Deutschland so zögert.
Lagarde warnt vor erzwungenen Notverkäufen
Auch die Europäische Zentralbank rüstet auf. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte, Turbulenzen an den Finanzmärkten könnten künftig häufiger auftreten und eine Welle erzwungener Verkäufe auslösen. Dagegen sollen erweiterte Liquiditätsfazilitäten helfen.
Bravos Research sieht darin ein bekanntes Muster. Die Aktien sind hoch bewertet, gleichzeitig verteuern steigende Zinsen die Finanzierung. Nach Angaben der Analysten erhöhen derzeit neun von zehn großen Zentralbanken ihre Leitzinsen. Das ist eine explosive Mischung.
Das Gespenst von 1929
Besonders heikel ist die Lage im KI-Sektor. Der Internationale Währungsfonds warnt vor überhöhten Bewertungen, wachsender Verschuldung und undurchsichtigen Finanzierungsketten. Kippt die Stimmung, könnte eine Kettenreaktion folgen. Einen Vorgeschmack gab es in den vergangenen drei Wochen: Zahlreiche KI- und Chipwerte brachen ein, weil Zweifel an der Rendite der milliardenschweren Investitionen aufkamen.
Der historische Vergleich drängt sich auf. In den Goldenen Zwanzigern befeuerten Elektrifizierung, neue Industrien und billiges Geld einen Börsenrausch, der im Schwarzen Donnerstag endete. Heute heißt das Zauberwort künstliche Intelligenz. Die Technik ist eine andere, die Mechanik aus Schulden und Spekulation kaum.
Allerdings steigen Kurse oft auch dann noch weiter, wenn die Warnzeichen längst da sind. Schon 1928 hob die Fed die Zinsen an, und trotzdem kletterten die Kurse noch rund anderthalb Jahre. Ein ähnliches Szenario hält Bravos Research auch heute für möglich.
Was Anleger daraus lernen können
Die Goldbewegungen sind kein Beweis für einen bevorstehenden Crash. Sie zeigen aber, worauf sich die Währungshüter im Ernstfall verlassen wollen. Gold, das schnell erreichbar ist, kann als Sicherheit dienen und im Notfall frische Liquidität ermöglichen. Die Notenbanken vertrauen also nicht auf Versprechen, sondern auf Metall in Reichweite.
Für Sparer liegt die Lehre nahe. Wer sein Vermögen gegen Systemrisiken absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Am besten so gelagert, dass man im Ernstfall selbst darauf zugreifen kann.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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