
Gasspeicher halb leer: Zittert Deutschland durch den Winter?

Die Heizsaison hat begonnen, und Deutschland verfehlt das gesetzliche Ziel für seine Gasspeicher deutlich. Zum Stichtag 1. November hätten die Speicher im Schnitt zu 70 Prozent gefüllt sein sollen. Nach den jüngsten Daten der europäischen Plattform AGSI liegt der Füllstand aber nur bei rund 61,2 Prozent. Berlin wiegelt ab, die Branche warnt.
Ein Gesetz ohne Zähne
Und was folgt jetzt daraus? Zunächst gar nichts. Wer die Vorgabe reißt, wird nicht bestraft, denn das Gesetz sieht keine Sanktionen vor. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Gas- und Wasserwirtschaft, beschreibt die Zielmarken als reines Sicherheitsnetz.
Theoretisch könnten das Wirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur eingreifen. Nicht genutzte, aber gebuchte Speicherkapazitäten ließen sich den Nutzern entziehen und anderweitig befüllen. Ob das tatsächlich geschieht, ist offen.
Der Hintergrund: Die Füllstandsvorgaben entstanden 2022 in Panik. Damals stoppte Russland nach dem Überfall auf die Ukraine seine Lieferungen, und das Land merkte plötzlich, wie abhängig es geworden war. Laut Verordnung gilt eine Mindestmarke von 80 Prozent. Für sechs Speicher gilt jedoch ein reduziertes Ziel von 45 Prozent, daraus ergibt sich der Schnitt von 70 Prozent.
Reiches Ministerium gibt Entwarnung
Im Haus von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gibt man sich gelassen. Eine Sprecherin erklärte, nach aktueller Einschätzung sei davon auszugehen, dass Deutschland gut durch den Winter komme. Entscheidend seien nicht nur die Füllstände, sondern auch Importe und weitere Vorsorgemaßnahmen.
„Die Speicherfüllstände haben deshalb heute eine andere Bedeutung für die Versorgungssicherheit als noch vor dem Aufbau der LNG-Infrastruktur.“
Gas fließe vor allem per Pipeline aus Norwegen, über die Flüssiggas-Terminals und über die europäischen Nachbarn ins Land. Die Bundesnetzagentur stuft das Risiko einer angespannten Lage weiterhin als gering ein. Kehler verweist auf rund 150 Terawattstunden in den Speichern. Das sei spürbar mehr, als im vergangenen Winter entnommen worden sei.
„Ernstzunehmendes Warnsignal“
Die Speicherbetreiber selbst sind deutlich weniger entspannt. Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), warnt, Deutschland gehe mit geringeren Reserven in die Heizperiode. Bei klirrender Kälte oder zusätzlichen Störungen der Importe wachse die Verwundbarkeit.
Der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner wirft Reiche mangelnde Vorsorge vor, es gebe keinen Sicherheitspuffer. Das ist bemerkenswert, denn dieselbe Partei hat jahrelang die Energiewende mitgeprägt, die Deutschland erst so verletzlich gemacht hat.
Der Markt spielt nicht mit
Der Grund für die leeren Speicher ist nüchterne Kaufmannslogik. Normalerweise kaufen Händler im Sommer günstig ein und verkaufen im Winter mit Gewinn. Der Iran-Konflikt hat die Großhandelspreise jedoch nach oben getrieben. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rechnet sich das Einspeichern deshalb kaum: Das Sommergas war teurer, als es im Winter voraussichtlich erlösen wird. Ende September wies Reiche den bundeseigenen Versorger SEFE an, mehr Gas einzulagern.
Neue Reserve, neue Umlage
Die Füllstandsvorgaben laufen am 31. März 2027 aus. An ihre Stelle soll eine nationale Gasreserve von 24 Milliarden Kilowattstunden treten, das entspricht etwa zehn Prozent der Speicherkapazität. Sie soll ab dem Winter 2027 schrittweise über mehrere Jahre aufgebaut werden. Laut Gesetzentwurf dient sie der Vorsorge gegen Extremfälle, Sabotage und seltene Großereignisse.
Bezahlen sollen das die Verbraucher, und zwar über eine Umlage. Für Familien und Mittelstand, die ohnehin unter einigen der höchsten Energiepreise Europas leiden, ist das eine weitere Belastung. Die Regierung beteuert, die Versorgung sei gesichert. Wer sich darauf verlässt, setzt allerdings auf einen milden Winter und ruhige Weltmärkte, und auf beides ist derzeit wenig Verlass.
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













