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Kettner Edelmetalle
19.02.2026
13:51 Uhr

Gasspeicher auf Rekordtief: Ministerin Reiche schiebt Verantwortung auf Habecks Erbe

Gasspeicher auf Rekordtief: Ministerin Reiche schiebt Verantwortung auf Habecks Erbe

Während der Winter Deutschland noch immer fest im Griff hält und Schnee und Eis weite Teile des Landes lahmlegen, offenbart sich hinter den Kulissen ein weit bedrohlicheres Szenario: Die deutschen Gasspeicher sind nur noch zu rund 22 Prozent gefüllt – ein historischer Tiefstand, der selbst hartgesottene Energieexperten nervös werden lässt. Doch statt entschlossen zu handeln, setzt die neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf ein altbekanntes Rezept: den Markt.

22 Prozent – und die Regierung bleibt gelassen?

Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen. Gerade einmal ein Fünftel der deutschen Gasspeicherkapazitäten sind noch gefüllt. Die Bundesnetzagentur beschwichtigt zwar, über Pipelines und LNG-Terminals komme genügend Gas ins Land. Doch die eigentliche Frage, die Millionen deutsche Haushalte umtreibt, ist eine andere: Wird es gelingen, die Speicher bis zum nächsten Winter wieder ausreichend zu befüllen? Vor dem Winter 2025 lag der Füllstand bei mageren 76,7 Prozent – im Vergleich zu nahezu 98 Prozent im Vorjahr ein dramatischer Einbruch.

Ministerin Reiche hat dafür eine Erklärung parat, die so simpel wie entlarvend ist. Die Gasversorger hätten schlicht „gegen die Regierung gewettet". Weil die gesetzliche Füllstandsvorgabe den Staat verpflichtet, fehlende Gasmengen zum Erreichen der Mindestspeicherstände selbst zu beschaffen – und zwar zu jedem Preis –, hätten private Unternehmen keinen Anreiz mehr gesehen, eigenständig vorzusorgen. Ein klassisches Moral-Hazard-Problem, das die Politik selbst geschaffen hat.

Habecks teures Erbe wirkt nach

Besonders bemerkenswert ist Reiches Verweis auf die Spätfolgen der Habeck'schen Energiepolitik. Der ehemalige grüne Wirtschaftsminister habe während der Energiekrise 2022 Gas zu „extrem hohen Preisen" eingekauft. Das sei zwar in der damaligen Notlage notwendig gewesen, habe aber einen fatalen Gewöhnungseffekt ausgelöst: Die Versorger hätten sich fortan auf staatliche Käufe verlassen, statt selbst Verantwortung zu übernehmen. Ein Muster, das man von der Ampel-Koalition nur allzu gut kennt – der Staat als Retter in jeder Lebenslage, koste es, was es wolle.

Die neue Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD habe diesem Treiben nun ein Ende gesetzt, so Reiche. „Unmittelbar mit Amtsantritt" habe man klargestellt, nicht mehr im selben Maße einzuspringen. Die Folge: Die Trader hätten ihr Verhalten angepasst, die Preise seien gesunken. „Der Markt funktioniert", verkündet die Ministerin mit einer Zuversicht, die angesichts der Faktenlage fast schon verwegen anmutet.

Energiebranche fordert klare Rahmenbedingungen

Nicht alle teilen diesen Optimismus. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat unmissverständlich Anpassungen von der Ministerin gefordert. Die eigentliche Herausforderung liege in der rechtzeitigen und ausreichenden Befüllung der Speicher vor dem nächsten Winter, erklärte BDEW-Chefin Kerstin Andreae. Die Bundesregierung müsse den entsprechenden Rahmen setzen – ausreichende Import-, Transport- und Speicherkapazitäten seien unerlässlich. Zudem müssten Entscheidungen hinsichtlich weniger verlässlicher Gaslieferanten getroffen werden, damit ein Ausfall von Importrouten kompensiert werden könne. Ein Szenario, das angesichts der geopolitischen Lage alles andere als abwegig erscheint.

Besonders brisant ist die Forderung nach einer strategischen Gasspeicherreserve – einer rein staatlichen Vorsorge für den Krisenfall. Diese dürfe allerdings ausschließlich zur Sicherung der physischen Versorgung eingesetzt werden und nicht zur Dämpfung von Preisspitzen, betonte Andreae. Marktverzerrungen müssten um jeden Preis vermieden werden.

Österreich macht vor, was Deutschland versäumt

Dass eine solche strategische Reserve kein utopisches Konzept ist, zeigt ein Blick über die Grenze. Österreich hat bereits zu Beginn der Energiekrise 2022 eine Gasspeicherreserve von 20 Terawattstunden angelegt, die ausschließlich bei Störungen, Notstandsmaßnahmen oder anderen Ausnahmesituationen zum Einsatz kommt. Ein pragmatischer Ansatz, der Versorgungssicherheit gewährleistet, ohne den Markt zu verzerren. Warum Deutschland diesem Beispiel nicht längst gefolgt ist, bleibt eines der vielen Rätsel deutscher Energiepolitik.

Immerhin: Reiche hat angekündigt, solche strategischen Reserven in einer vom Wirtschaftsministerium beauftragten Studie prüfen zu lassen. Man wolle „sehr genau" analysieren, welches das geeignete Kriseninstrument sei. Eine Vermischung zwischen Marktgeschehen und außergewöhnlichen Krisen wie Sabotageakten wolle sie nicht. Ob daraus mehr wird als eine weitere Studie in einer langen Reihe von Studien, steht freilich in den Sternen.

Die Zeche zahlt der Bürger

Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass die deutsche Energiepolitik der vergangenen Jahre – vom überstürzten Atomausstieg über die naive Abhängigkeit von russischem Gas bis hin zu den milliardenschweren Notfallkäufen der Ampel-Ära – ihre Spuren hinterlassen hat. Die Kosten dieser politischen Fehlentscheidungen tragen nicht die Verantwortlichen in Berlin, sondern die deutschen Bürger, die mit steigenden Energiepreisen und der latenten Angst vor einer Versorgungskrise leben müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die neue Regierung mehr liefert als markige Worte und Marktgläubigkeit – denn mit leeren Gasspeichern lässt sich bekanntlich schlecht heizen.

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