
Gaspreis-Schock vor dem Winter: Speicher leer, Preise explodieren

Europas Gasmarkt steht unter Strom. Der wichtigste europäische Gas-Future kletterte am Dienstag zeitweise um gut zwei Prozent auf 71,50 Euro je Megawattstunde – der höchste Stand seit mehr als drei Jahren. Seit Anfang August ging es um über 20 Prozent nach oben.
Auslöser sind die neu aufgeflammten Kämpfe im Nahen Osten und die Angst vor Lieferausfällen. Doch der eigentliche Sprengsatz liegt näher: in Deutschlands halbleeren Gasspeichern.
65 Prozent in Europa – und ein deutscher Sonderweg nach unten
Nach Daten von Gas Infrastructure Europe sind die europäischen Speicher derzeit zu rund 65 Prozent gefüllt. Das ist der niedrigste Wert für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011 – gut zwölf Prozentpunkte unter dem Vorjahr.
Deutschland liegt noch deutlicher zurück: etwas mehr als 50 Prozent, im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt 67 Prozent. Die gesetzlich vorgeschriebene Marke von 80 Prozent zum 1. November gilt in der Energiebranche als kaum noch erreichbar.
Die Rechnung ist unerbittlich: Zwischen August und Oktober wären rund 25 Milliarden Kubikmeter Einspeisung nötig – neun Milliarden mehr als im Vorjahr. Die EU rechnet dem Bericht zufolge jedoch mit knapp 14 Milliarden Kubikmetern. Analysten führen das auf Lieferengpässe infolge des Iran-Krieges zurück.
Kommt der kalte Winter, kommt der Preis-Hammer
Analysten von Morningstar halten bei einem strengen Winter Preise von 90 bis 120 Euro je Megawattstunde für möglich – auch weil Europa dann härter mit Asien um knappe LNG-Ladungen konkurrieren müsste. Für Industrie, Handwerk und Millionen Haushalte wäre das die nächste Kostenwelle.
Zur Erinnerung: Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die damalige Bundesregierung verpflichtende Füllstände eingeführt. 2025 wurden diese Vorgaben abgesenkt – ausgerechnet vor jenem Jahr, in dem der Markt nun schwächelt.
Berlin bleibt gelassen – die Länder werden laut
Das Bundeswirtschaftsministerium zeigt sich zufrieden. Anzeichen für eine gefährdete Versorgungssicherheit sehe man nicht, Ministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt staatliche Eingriffe ab. Eine Sprecherin bekräftigte:
"Die Ministerin und auch das Wirtschaftsministerium gehen derzeit davon aus, dass der Markt weiter befüllt. Das ist die Aufgabe des Marktes. Das hat auch immer so funktioniert."
Aus Bayern klingt das anders. Medienberichten zufolge fordern Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eine nationale Gasreserve nach dem Vorbild der Ölreserve und warnen vor einer Zitterpartie im Winter. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Streit vor allem eines: Wer jahrelang funktionierende Energiequellen abschaltet, muss sich über dünne Puffer nicht wundern.
Von Moskau nach Washington – die nächste Abhängigkeit
Die Importstruktur bleibt heikel. Laut Bundesnetzagentur kamen 2025 rund 44 Prozent des Gases aus Norwegen, 24 Prozent aus den Niederlanden, 21 Prozent aus Belgien. Über die LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran liefen 10,3 Prozent der Importe – 96 Prozent dieses Flüssigerdgases stammten laut BDEW aus den USA.
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm plädiert deshalb für längerfristige Verträge und mehr Diversifizierung: Sonst sei man "dauernd im Krisenmodus". Außenminister Johann Wadephul (CDU) wirbt derweil in Algier um Gas; das Land sei ein "verlässlicher Partner" und liefere bereits nach Italien und Spanien.
Energiepreise sind der Taktgeber der Inflation. Wer sein Vermögen gegen solche Schocks abfedern will, setzt traditionell auch auf physische Edelmetalle als krisenerprobte Beimischung eines breit gestreuten Portfolios.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigene Recherchen anstellen und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.
- Themen:
- #Energie
- #CDU-CSU
- #Freie Wähler












