
Gas-Alarm vor dem Winter: Speicher könnten im Februar leer sein!

Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie selten zuvor um diese Jahreszeit. Der Speicherverband INES hat am 8. September in Berlin neue Szenarien vorgelegt – und warnt: Bei einem sehr kalten Winter könnten die Speicher Anfang Februar komplett leergefahren sein. Aktuell liegt der Füllstand bei nur rund 54 Prozent.
19 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr
Am 6. September meldeten die Betreiber laut den Verbandsangaben einen Füllstand von etwa 54 Prozent – rund 19 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Medienberichten zufolge ist das der niedrigste Stand zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 15 Jahren.
Noch bitterer: Mehr als 77 Prozent seien bis zum 1. November technisch gar nicht mehr zu schaffen. Die Verordnung schreibt eigentlich 80 Prozent vor. Das gesetzliche Ziel ist damit rechnerisch bereits verfehlt, bevor die Heizsaison überhaupt begonnen hat.
Warum das Gas nicht in die Speicher fließt
Der Grund ist kein Mangel, sondern der Preis. Das klassische Geschäftsmodell der Speicher – im Sommer billig kaufen, im Winter teurer verkaufen – funktioniert derzeit nicht mehr. Gas für den kommenden Winter ist teilweise günstiger zu haben als Gas für den Sommer.
Wer heute einspeichere, mache nach INES-Rechnung ein Minus von 3,14 Euro je Megawattstunde. Entsprechend haben die Händler zwar 83 Prozent der Kapazität gebucht, lassen aber Teile davon schlicht ungenutzt. Wer zahlt für Lagerraum, den er dann leer stehen lässt? Nur wer sonst noch mehr verlöre.
Die Preisexplosion hat einen geopolitischen Kern: Berichten zufolge belastet der Krieg gegen den Iran die Lieferketten schwer, die Straße von Hormus ist für Handelsschiffe faktisch blockiert, Katar hat seine Force-Majeure-Erklärung für LNG-Lieferungen verlängert. Am Handelspunkt TTF kostete Gas zuletzt rund 74 Euro je Megawattstunde – Anfang des Jahres waren es unter 32.
Berlin wartet ab – die Rechnung kommt später
INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann fordert Erleichterungen und Anreize für die Befüllung.
„Die Speicherbefüllung muss wirtschaftlich tragfähig sein, damit sie von Marktakteuren auch tatsächlich realisiert werden kann“
Die Bundesnetzagentur bleibt gelassen: Auf dem Weltmarkt sei genug Gas verfügbar, die Versorgungssicherheit aktuell gewährleistet. Die Befüllung sei grundsätzlich Aufgabe der Gashändler, die gegenüber Stadtwerken, Versorgern und Industrie Lieferverpflichtungen hätten.
Formal ist das korrekt. Aus Sicht unserer Redaktion bleibt trotzdem eine unbequeme Frage: Wer trägt die Kosten, wenn im Januar teuer am Weltmarkt nachgekauft werden muss? Am Ende landet jede Notmaßnahme, jede Subvention, jeder KfW-Kredit auf der Gasrechnung der Bürger und der ohnehin schwer gebeutelten Industrie.
Eine Energiepolitik ohne Puffer
Die geplante strategische Gasreserve von 24 Terawattstunden kommt Berichten zufolge frühestens 2027 – für diesen Winter also zu spät. Auch europaweit ist das Polster dünn: Die EU-Speicher lagen Anfang September bei rund 67 Prozent, der Fünf-Jahres-Schnitt liegt deutlich höher.
Deutschland hat seine Energieversorgung binnen weniger Jahre von einem breiten Mix auf wenige Importrouten verengt. Wer nur noch einen Hebel hat, spürt jede geopolitische Erschütterung sofort im Portemonnaie. Kalte Wohnungen drohen nach heutigem Stand nicht – teure schon.
Für Sparer heißt das: Energiepreise treiben die Inflation, und Inflation frisst Guthaben. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten vielen Anlegern in solchen Phasen als bewährte Ergänzung zur Absicherung eines breit gestreuten Vermögens.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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