
Gardena im Sinkflug: Wenn deutsche Traditionsmarken nach Tschechien fliehen
Es ist eine dieser Geschichten, die das ganze Drama des Wirtschaftsstandorts Deutschland in einem einzigen Unternehmen bĂŒndeln. Noch vor wenigen Jahren trĂ€umte Gardena von Expansion, von neuen Hallen, von bis zu 600 zusĂ€tzlichen ArbeitsplĂ€tzen im beschaulichen Heuchlingen nördlich von Ulm. Heute? Streicht der GartengerĂ€te-Hersteller bis 2028 satte 250 Stellen in Deutschland und schickt einen GroĂteil seiner Produktion nach Tschechien. Aus dem WachstumsmĂ€rchen ist ein Schrumpfungsdrama geworden.
Vom Expansionstraum zum Kahlschlag
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: UrsprĂŒnglich sollte das WerksgelĂ€nde in Heuchlingen von rund 48.000 auf stolze 153.000 Quadratmeter erweitert werden. Hochregallager, Logistikzentrum, neue GrundstĂŒcke â alles war eingeplant, alles war angekauft. Schon 2023 hĂ€tte der Spatenstich erfolgen sollen. Doch dann kam, was in diesem Land mittlerweile mit trauriger RegelmĂ€Ăigkeit kommt: nichts. Die PlĂ€ne wurden verschoben, immer wieder, bis sie nun endgĂŒltig in der Schublade verschwunden sind.
Stattdessen darf der Standort Heuchlingen, wo Schlauchkupplungen, Verbinder und Gartenbrausen im Spritzgussverfahren gefertigt werden, laut Unternehmen âwohl die Hauptlast der Verlagerung tragenâ. Eine Formulierung, die in ihrer kĂŒhlen BĂŒrokratensprache fast schon zynisch klingt fĂŒr die betroffenen Familien, die nun um ihre Existenz bangen.
Tschechien lacht, Deutschland zahlt
Gardena unterhĂ€lt im Nachbarland bereits drei Standorte â und genau dorthin wandert nun ein erheblicher Teil der Fertigung. Die offizielle BegrĂŒndung? Man wolle âEffizienzsteigerungen erzielen und die nachhaltige WettbewerbsfĂ€higkeit sichernâ. Ăbersetzt heiĂt das: In Deutschland produzieren lohnt sich schlicht nicht mehr. Wer kann es einem Konzern verdenken, wenn Energiepreise explodieren, Steuern und Abgaben jeden Unternehmer zur Verzweiflung treiben und die BĂŒrokratie wie Mehltau ĂŒber jedem Betrieb liegt?
âDie Nachfrage ist eine andere geworden.â â Mit diesem dĂŒrren Satz fasste ein Gardena-Sprecher die Misere zusammen.
Doch ist es wirklich nur die Nachfrage? Oder ist es nicht vielmehr ein Standort, der sich systematisch selbst aus dem Wettbewerb katapultiert? Wenn ein traditionsreiches Unternehmen, das seit 1961 fĂŒr deutsche Wertarbeit steht, lieber im Ausland produziert, dann ist das kein Betriebsunfall â dann ist das ein Symptom.
Die Zahlen sprechen Klartext
Die nackten Fakten untermauern die Tragödie. Bereits seit drei Jahren kĂ€mpft Gardena mit rĂŒcklĂ€ufigen UmsĂ€tzen. 2025 sanken die Erlöse auf 1,04 Milliarden Euro, das operative Betriebsergebnis schrumpfte um zwei Prozent auf rund 65 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2026 brachen die Erlöse sogar um sieben Prozent ein. Als Ursachen nennt das Unternehmen Handelszölle und geopolitische Spannungen, die auf die Konsumlaune drĂŒcken.
Betroffen sind neben Heuchlingen auch die Standorte Niederstotzingen, wo Scheren und Messer gefertigt werden, sowie Ulm, der traditionelle Montagestandort. Rund 2.200 Menschen beschĂ€ftigt Gardena hierzulande, weltweit sind es etwa 3.450 in der GartengerĂ€te-Division. Seit 2007 gehört die einstige NĂŒrnberger GrĂŒndung zur schwedischen Husqvarna Group.
Ein LehrstĂŒck ĂŒber den deutschen Niedergang
Gardena ist kein Einzelfall. Es reiht sich ein in eine erschreckend lange Liste von Unternehmen, die Deutschland den RĂŒcken kehren. WĂ€hrend die Politik in Berlin von 500 Milliarden Euro Sondervermögen und KlimaneutralitĂ€t bis 2045 schwadroniert, packen die produzierenden Betriebe still und leise ihre Koffer. Wer soll kĂŒnftig die Steuern erwirtschaften, die diese gigantischen Schuldenberge bedienen mĂŒssen, wenn die Wertschöpfung ins Ausland abflieĂt?
Es brĂ€uchte endlich eine Politik, die den deutschen Mittelstand nicht erdrosselt, sondern atmen lĂ€sst. Sinkende Energiepreise, weniger BĂŒrokratie, eine vernĂŒnftige Steuerlast â das wĂ€ren die Stellschrauben, an denen man drehen mĂŒsste, statt immer neue Lasten aufzuhĂ€ufen. Doch davon ist man weit entfernt.
Was bleibt dem BĂŒrger?
Wenn selbst solide Traditionsunternehmen ins Wanken geraten und ArbeitsplĂ€tze ĂŒber Nacht ins Ausland verschwinden, dann wird einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, das eigene Vermögen krisenfest aufzustellen. Wer sich nicht auf die Versprechen der Politik verlassen möchte, denkt zunehmend ĂŒber greifbare, bestĂ€ndige Werte nach. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie StĂŒrme ĂŒberstehen, die Papierwerte und ganze Industrien hinwegfegen. Als solide Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen können sie ein wertvoller Anker in unsicheren Zeiten sein.
Hinweis: Die in diesem Beitrag dargestellten EinschĂ€tzungen geben die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Sie stellen ausdrĂŒcklich keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig zu recherchieren und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst. FĂŒr VollstĂ€ndigkeit und Richtigkeit der Angaben ĂŒbernehmen wir keine GewĂ€hr.
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