
Frankreich setzt auf eine Legende: Zidane übernimmt die Équipe Tricolore bis 2030

Es gibt Personalentscheidungen, die klingen wie ein Versprechen. Und es gibt solche, die klingen wie eine Ausrede. Frankreich hat sich am Dienstag für Ersteres entschieden: Zinédine Zidane ist neuer Trainer der französischen Fußball-Nationalmannschaft. Der französische Verband präsentierte den 54-Jährigen am Verbandssitz in Paris – Vertrag bis 2030, also über die Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland hinaus. Ein Signal, das man in Frankfurt am Main vielleicht einmal in Ruhe studieren sollte.
Vom Weltmeister zum Nationaltrainer – ein Kreis schließt sich
Zidane, das ist in Frankreich kein Name, sondern ein Kapitel Nationalgeschichte. 1998 der Weltmeistertitel im eigenen Land, zwei Kopfballtore im Finale gegen Brasilien beim 3:0, zwei Jahre später der Europameistertitel. Wer diese Sommer miterlebt hat, weiß: Ein ganzes Land hatte damals das Gefühl, wieder zu sich selbst gefunden zu haben. Genau dieses Gefühl soll nun ein zweites Mal her.
Und der Mann bringt mehr mit als Nostalgie. Als Trainer von Real Madrid gewann er zwischen 2016 und 2018 dreimal in Serie die Champions League – ein Kunststück, das im modernen Fußball eigentlich als unmöglich gilt. Dazu zwei spanische Meisterschaften und zwei Klub-Weltmeistertitel. Nach seinem Abschied 2021 hielt er sich auffällig frei von Angeboten. Der Grund war ein offenes Geheimnis: Er wollte diesen einen Job.
Deschamps geht nach 14 Jahren – mit einem bitteren Nachgeschmack
Sein Vorgänger Didier Deschamps verabschiedet sich nach vierzehn Jahren auf eigenen Wunsch. Eine Ära, die sich sehen lässt: Weltmeister 2018, WM-Finale 2022. Das Ende geriet freilich unrühmlich – ein 4:6 im Spiel um Platz drei gegen England bei der WM in Nordamerika. Selbst Legenden verlassen die Bühne selten so, wie sie es sich erträumt hätten.
Frankreich holt eine Ikone, weil es Ikonen zutraut, Verantwortung zu tragen. Deutschland diskutiert lieber über Konzepte, Prozesse und Gremien.
Was Frankreich vormacht – und was hierzulande fehlt
Der erste Auftritt Zidanes steht am 25. September zum Nations-League-Start in der Türkei an. Bemerkenswert ist weniger der Termin als die Klarheit der Entscheidung. Ein Verband, der weiß, wen er will, verhandelt nicht monatelang mit sich selbst. In Deutschland hingegen ist die Trainerfrage seit Jahren ein Dauerthema, das mehr über den Zustand des Verbandes verrät als über den Fußball. Kritiker – prominente Ex-Nationalspieler eingeschlossen – bemängeln seit langem, dass beim DFB die Mutlosigkeit strukturell geworden sei.
Vielleicht liegt der Unterschied tiefer. Frankreich pflegt bei allen inneren Verwerfungen noch ein Selbstverständnis, das sich nicht dauernd erklären und relativieren muss. Man singt die Marseillaise, man trägt die Trikolore, man verpflichtet den Nationalhelden – fertig. Hierzulande wirkt schon das Wort „Nationalmannschaft“ auf manche wie eine Zumutung, während parallel Kampagnen, Symbolpolitik und moralische Belehrungen den Sport überwuchern. Wer sich fragt, warum die Begeisterung schwindet, findet dort einen Teil der Antwort.
Bleibt festzuhalten: Frankreich hat sich für Größe entschieden, für einen Mann, der Erfolg nicht verwaltet, sondern erzwungen hat. Ob es funktioniert, wird die EM 2028 zeigen. Aber der Mut zur Entscheidung ist schon einmal mehr, als man mancherorts gewohnt ist.
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