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Kettner Edelmetalle
27.08.2026
09:21 Uhr
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Flutwelle im Himalaya: Acht Deutsche unter 1300 Vermissten

Flutwelle im Himalaya: Acht Deutsche unter 1300 Vermissten
Symbolbild: KI-generiert

Eine gewaltige Sturzflut hat am Mittwochmorgen das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet verwüstet. Behörden auf beiden Seiten melden inzwischen mehr als 1300 Vermisste – darunter acht Deutsche. Die Zahl der Toten ist auf über 165 gestiegen, und sie dürfte weiter klettern.

Eine Wand aus Wasser, Eis und Geröll

Schauplatz der Katastrophe ist der Fluss Bhotekoshi, der aus Tibet kommend durch den nordnepalesischen Distrikt Rasuwa rauscht. Binnen Minuten verschwanden Straßen, Brücken, Lastwagen und ganze Häuser in den Schlammmassen. Besonders schwer traf es die Orte Timure, Rasuwagadhi und Syabrubesi.

Die nepalesische Polizei meldete zunächst 162 Todesopfer und mehr als 40 Verletzte, Medienberichten zufolge stieg die Zahl über Nacht auf mindestens 177. Nach Regierungsangaben werden allein in Nepal rund 826 Menschen vermisst. Auf chinesischer Seite, im tibetischen Kreis Gyirong, hat sich die Zahl laut Staatsfernsehen auf 558 Vermisste mehr als verdoppelt – 260 davon Ausländer. Bestätigte Tote dort: bislang drei.

Warum so viele Touristen unterwegs waren

Der Zeitpunkt war denkbar unglücklich. Die Region ist Durchgangsstation der Kailash-Mansarovar-Pilgerfahrt, zugleich zogen tausende Gläubige zum heiligen Gosaikunda-See, und am Freitag steht das Hindu-Fest Janai Purnima an. Dazu kamen Trekking-Touristen, die trotz Monsun in die Berge aufbrachen.

Der Chef der nepalesischen Touristenpolizei sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von mehr als 350 nicht erreichbaren Reisenden. Trekkingagenturen zufolge sind acht Deutsche darunter. Australiens Regierung vermisst mindestens 34 Staatsbürger. Das Auswärtige Amt hatte tags zuvor noch erklärt, keine Kenntnis von betroffenen Deutschen zu haben – ein Hinweis darauf, wie dünn die Informationslage ist.

„Nepal ist ein Entwicklungsland. Es verfügt nicht über die Ressourcen, die in Australien für ein solches Ereignis zur Verfügung stünden. Daher ist die Informationsbeschaffung schwierig.“ – Australiens Premierminister Anthony Albanese

Gletscherabbruch statt Erdbeben – und keine Warnung

Die Ursache wird noch untersucht. Nach ersten Satellitenauswertungen hält die nepalesische Katastrophenschutzbehörde eine Eis- und Gerölllawine für wahrscheinlich, die einen Zufluss blockiert und einen See aufgestaut habe. Als der natürliche Damm brach, schoss die Welle talwärts. Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte laut Berichten, ein zunächst als Beben der Stärke 4,4 registriertes Signal sei in Wirklichkeit die Energie dieses Abbruchs gewesen.

Neu ist das Muster nicht. Schon im Juli des Vorjahres ergoss sich ein Gletschersee rund 35 Kilometer flussaufwärts in den Bhotekoshi – mindestens elf Tote. In Nepal wächst deshalb die Kritik am fehlenden grenzüberschreitenden Austausch von Echtzeitdaten mit China. Ein indischer Sicherheitsexperte warnte auf X zudem erneut vor Pekings Mega-Staudammprojekt am Yarlung Tsangpo in einer seismisch hochaktiven Zone und nannte es eine „Wasserbombe“.

Hilfe läuft an – Merz signalisiert Bereitschaft

Mehr als 5000 Soldaten und Polizisten sind im Einsatz, drei Distrikte wurden für drei Monate zu Krisenregionen erklärt. Die USA sagten 500.000 Dollar zu, Indien schickte zehn Tonnen Hilfsgüter, die UN mobilisieren Personal, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte Unterstützung an, der Erdbeobachtungsdienst Copernicus kartiert das Gebiet. Außenminister Johann Wadephul sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus, Kanzler Friedrich Merz signalisierte deutsche Hilfsbereitschaft.

Hilfsorganisationen schätzen, dass rund 10.000 Haushalte Soforthilfe brauchen. Strom, Telefon, Internet – vielerorts tot. Für die Angehörigen der Vermissten bedeutet das: warten, bangen, hoffen.

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