
Flammen am Kassel Airport: Wer zĂĽndelt an Rheinmetalls Zukunft?

Mitten in der Nacht zum Freitag sind auf einer Baustelle des Rüstungskonzerns Rheinmetall am Flughafen Kassel-Calden drei Baufahrzeuge ausgebrannt. Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Weil ein politisches Motiv möglich ist, hat der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Nordhessen die Ermittlungen übernommen.
Alarm um 3.15 Uhr
Ein Zeuge entdeckte das Feuer und rief gegen 3.15 Uhr Feuerwehr und Polizei. Die Einsatzkräfte löschten die brennenden Fahrzeuge. Zu retten war wenig: Laut Polizei wurden auch daneben abgestellte Maschinen beschädigt.
Der Tatort ist abgesperrt, die Kriminalpolizei sichert Spuren. Zur Schadenshöhe machte ein Sprecher am Morgen zunächst keine Angaben. Die Ermittler suchen Zeugen. Wer die Täter sind, ist bislang offen. Ein Bekennerschreiben ist bisher nicht öffentlich bekannt.
Ausgerechnet hier entsteht der „Defence Hub“
Der Ort ist kein Zufall-Gelände irgendwo im Gewerbegebiet. Nach Angaben der Polizei entstehen dort das geplante Logistik- und Trainingszentrum sowie ein Drohnentestzentrum von Rheinmetall. Im August hatten der Konzern und das Land Hessen Investitionen von mehr als 260 Millionen Euro in den Standort angekündigt.
Medienberichten zufolge unterzeichneten Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) und Rheinmetall-Chef Armin Papperger damals eine Absichtserklärung direkt am Flughafen. Das Land wolle rund 25 Millionen Euro beisteuern. Perspektivisch sollen in Kassel und Calden mehr als 1.000 neue Arbeitspl\u00e4tze entstehen. Papperger bezeichnete Kassel dabei als das größte Panzerwerk Europas, Schwerpunkt sei der Radpanzer „Boxer“.
Mit anderen Worten: Hier wächst ein Stück jener Verteidigungsfähigkeit, die Politik und Bundeswehr seit Jahren beschwören – und die Region bekommt gut bezahlte Industriejobs, die anderswo gerade reihenweise verschwinden.
Ein Muster, das Sorgen macht
Ob in Calden tatsächlich politische Täter am Werk waren, müssen die Ermittlungen klären. Doch der Verdacht kommt nicht aus dem Nichts. Die Rüstungsindustrie steht seit Langem im Visier. Das Bundeskriminalamt warnte Medienberichten zufolge bereits vor Anschlägen auf Rüstungsunternehmen. 2024 wurde zudem über einen vereitelten russischen Plan berichtet, Papperger zu ermorden.
Auch Brandanschläge auf kritische Infrastruktur häufen sich. Nach dem Feuer an einer Berliner Kabelbrücke im Januar 2026, das zehntausende Haushalte vom Strom abschnitt, erklärte das Bundesinnenministerium, Brandstiftungen gehörten generell zum Repertoire der linksextremistischen Szene. Zu jener Tat lag laut Polizei ein Bekennerschreiben einer sogenannten „Vulkangruppe“ vor.
Warnungen gibt es genug – Schutz offenbar nicht
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall ein bekanntes Problem. Der Staat verkündet die „Zeitenwende“, nimmt Milliarden für die Aufrüstung in die Hand – und schafft es offenbar nicht, die Baustellen dieser Zeitenwende nachts wirksam zu sichern. Wie kann es sein, dass Saboteure ein strategisch so wichtiges Gelände offenbar ungestört erreichen konnten?
Für viele Bürger ist das ein weiteres Symptom einer inneren Sicherheitslage, die seit Jahren aus dem Ruder läuft. Wer zündelt, will einschüchtern: Investoren, Arbeiter, eine ganze Region. Die Antwort darauf muss klar sein: konsequente Aufklärung, harte Strafen für die Täter und ein Staat, der seine Schlüsselindustrien endlich ernsthaft schützt.
Denn eines ist sicher: Ein Land, das nicht einmal seine Baumaschinen verteidigen kann, wird es schwer haben, glaubwürdig von Verteidigungsfähigkeit zu sprechen.
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