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14.01.2026
12:35 Uhr

Fertiggerichte auf dem Vormarsch: Deutsche greifen immer häufiger zur Tiefkühlpizza

Fertiggerichte auf dem Vormarsch: Deutsche greifen immer häufiger zur Tiefkühlpizza

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine deutliche Sprache: Deutschland entwickelt sich zunehmend zur Nation der Convenience-Esser. Im Jahr 2024 wurden hierzulande sage und schreibe 1,7 Millionen Tonnen Fertiggerichte produziert – ein Anstieg von beachtlichen 300.000 Tonnen gegenüber dem Jahr 2019. Der Wert dieser industriellen Massenproduktion? Stolze 5,9 Milliarden Euro.

Nudelgerichte führen die Rangliste an

Besonders auffällig ist der regelrechte Boom bei Nudelgerichten. Von Dosenravioli bis zur Tiefkühl-Lasagne – die Produktion schnellte um satte 56 Prozent nach oben. Wurden 2019 noch 345.000 Tonnen dieser kohlenhydratreichen Fertigkost hergestellt, waren es 2024 bereits 539.000 Tonnen. Man könnte meinen, die Deutschen hätten verlernt, einen Topf Wasser aufzusetzen und frische Nudeln zu kochen.

Auch Fleischgerichte erfreuen sich wachsender Beliebtheit in der Fertigvariante. Ein Plus von 43 Prozent auf 316.000 Tonnen dokumentiert den Trend zur schnellen Mahlzeit aus der Mikrowelle. Selbst Gemüsegerichte legten um 7,2 Prozent zu. Einzig die Fischgerichte schwimmen gegen den Strom – hier sank die Produktion um 7,2 Prozent auf 22.000 Tonnen.

Die paradoxe Wahrheit über unsere Kochgewohnheiten

Was die Statistiker jedoch ebenfalls herausfanden, mutet geradezu paradox an: Trotz des explodierenden Fertiggerichtekonsums verbringen die Deutschen nicht weniger Zeit in der Küche. Menschen ab zehn Jahren wenden durchschnittlich 41 Minuten täglich für die Essenszubereitung auf – nahezu identisch mit den 40 Minuten aus dem Jahr 2012. Stellt sich die Frage: Wofür wird diese Zeit verwendet, wenn nicht für echtes Kochen?

Geschlechterkluft schrumpft – aber langsam

Immerhin zeigt sich bei der Verteilung der Küchenarbeit zwischen den Geschlechtern eine zaghafte Annäherung. Während Frauen und Mädchen 2012 noch 31 Minuten länger am Herd standen als ihre männlichen Pendants, hat sich dieser Unterschied auf 24 Minuten verringert. Ein Fortschritt, gewiss – doch von einer echten Gleichverteilung der häuslichen Pflichten kann weiterhin keine Rede sein.

Ein Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklungen

Der Siegeszug der Fertiggerichte ist letztlich ein Symptom unserer Zeit. Zwischen Doppelbelastung, Überstunden und dem allgegenwärtigen Zeitdruck erscheint die Tiefkühlpizza als vermeintlich praktische Lösung. Doch zu welchem Preis? Hochverarbeitete Lebensmittel stehen seit Jahren in der Kritik – nicht zuletzt wegen ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit, insbesondere bei Kindern.

Während Großbritannien bereits mit Werbeverboten für zuckerhaltige Produkte und einer Zuckersteuer gegensteuert, scheint man hierzulande den Trend zur industriellen Massenernährung weitgehend tatenlos hinzunehmen. Die traditionelle Kochkultur, einst Herzstück des Familienlebens, droht zwischen Mikrowelle und Lieferdienst zu verschwinden. Ob die nächste Generation überhaupt noch weiß, wie man eine Soße von Grund auf zubereitet, darf bezweifelt werden.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind mehr als nur trockene Statistik – sie sind ein Weckruf. Ein Weckruf, der uns daran erinnern sollte, dass echte Mahlzeiten mehr sind als bloße Nahrungsaufnahme. Sie sind Kultur, Tradition und nicht zuletzt ein Stück Lebensqualität, das wir nicht leichtfertig auf dem Altar der Bequemlichkeit opfern sollten.

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