
Fed-Showdown am Mittwoch: Warum Goldanleger jetzt genau hinschauen

Die US-Notenbank Federal Reserve tagt am 27. und 28. Oktober 2026 in Washington. Ihre Entscheidung kommt am Mittwoch um 19:00 Uhr deutscher Zeit. Die Märkte rechnen mit einer Zinspause. Ruhig wird der Abend trotzdem kaum, denn der Goldpreis ist gerade unter die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar gerutscht.
Der Fed-Fahrplan: 30 Minuten zwischen Text und Wahrheit
Zuerst veröffentlicht die Fed das Statement und die sogenannte Implementation Note, also die technischen Vorgaben für die Umsetzung. Eine halbe Stunde später, um 19:30 Uhr, stellt sich Fed-Chef Kevin Warsh den Fragen der Presse. Das Statement ist knapp und in Teilen vorformuliert. Die Pressekonferenz dagegen läuft ohne Drehbuch und dauert oft fast eine Stunde.
Ein Detail übersehen viele: Im Oktober gibt es keinen „Dot Plot“. Die Fed legt ihre Zinsprojektionen nur bei vier von acht Sitzungen im Jahr vor. Die nächste Projektion kommt erst am 8. und 9. Dezember. Damit hängt umso mehr an Warshs Worten. Dumm nur, dass der Fed-Chef Medienberichten zufolge wenig davon hält, den Märkten vorab Hinweise zu geben.
Von der Zinssenkung zur Kehrtwende
Wie ist die Fed hier gelandet? Im Herbst 2025 senkte sie den Leitzins dreimal in Folge, danach blieb er fünf Sitzungen lang bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Im Juli 2026 stimmten bereits drei Mitglieder für eine Erhöhung. Im September folgte dann die Wende: Mit 12 zu 0 Stimmen hob die Fed den Zins auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Es war die erste Erhöhung seit 2023.
Der Anleihemarkt war da schon längst weiter. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen kletterte zwischen Februar und Ende August von 3,38 auf 4,34 Prozent, ohne dass die Fed etwas tat. Anfang Oktober lag sie bei 4,78 Prozent und damit klar über dem aktuellen Leitzinsband. Für Anleger heißt das: Die Märkte rechnen eher mit höheren als mit niedrigeren Zinsen.
Inflation hält sich hartnäckig
Laut einer Reuters-Umfrage erwarten 94 von 100 Ökonomen, dass die Fed im Oktober stillhält. Für Dezember rechnen dagegen alle 100 mit einer weiteren Erhöhung. Nach dem FedWatch-Tool der CME liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Oktober-Schritt Berichten zufolge nur bei rund sieben Prozent.
Mit dem Leitzins kommt die Fed schlicht nicht hinterher. Die Inflation liegt seit fast sechs Jahren über dem Zwei-Prozent-Ziel. Laut dem Reuters-Bericht treiben vor allem die hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs und die neuen Zölle die Kosten. Der Ölpreis notiert über 100 Dollar. Einige Ökonomen werfen der Fed vor, sie trete nur auf der Stelle und gerate sogar ins Hintertreffen.
Der eigentliche Härtetest kommt am Donnerstag
Am Morgen nach der Fed-Entscheidung, am 29. Oktober, erscheinen die PCE-Preisdaten, also das Inflationsmaß, auf das die Fed am meisten achtet. Analysten erwarten Berichten zufolge einen Anstieg von 3,4 auf 3,6 Prozent. Am selben Tag kommen die erste Schätzung zum Wachstum im dritten Quartal und die Zahlen großer Tech-Konzerne. Das kann an den Märkten für kräftige Ausschläge sorgen.
Was das fĂĽr Gold bedeutet
Gold zahlt keine Zinsen. Steigende Renditen machen Anleihen deshalb kurzfristig attraktiver, und genau das belastet den Goldpreis derzeit. Fallen die PCE-Daten heiß aus, könnte der Druck weiter zunehmen.
Langfristig sieht die Lage anders aus. Eine Notenbank, die die Teuerung seit Jahren nicht in den Griff bekommt, ist kein Argument gegen Gold, sondern eines dafür. Wer sein Vermögen vor Kaufkraftverlust schützen will, findet in physischem Gold und Silber eine bewährte Ergänzung, gerade in einem breit gestreuten Portfolio. Rücksetzer wie der aktuelle sind für langfristig denkende Sparer deshalb eher ein Thema für die Einkaufsliste als ein Grund zur Panik.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂźlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist fĂĽr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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