
FDP am Scheideweg: Vorsitzkandidat Höne erteilt Lindner klare Absage
Die einst stolze Partei der Freien Demokraten ringt weiter um ihre Existenz – und um die Frage, wer sie aus dem politischen Niemandsland zurückführen soll. Henning Höne, Landesvorsitzender der FDP in Nordrhein-Westfalen und Kandidat für den Bundesvorsitz, hat nun unmissverständlich klargestellt: Für Christian Lindner, den einstigen Sonnenkönig der Liberalen, sieht er derzeit keine Rolle mehr in der Partei.
Neustart ohne den alten Kapitän
In einem Interview mit RTL und ntv ließ Höne keinen Zweifel daran, dass er beim kommenden Parteitag nicht mit einer Rückholaktion für den ehemaligen Parteichef und Bundesfinanzminister werben werde. Der bevorstehende Parteitag müsse über einen echten Neustart entscheiden, und dafür brauche es – so seine feste Überzeugung – neue Gesichter. Eine bemerkenswert deutliche Distanzierung von jenem Mann, der die FDP über Jahre hinweg wie kein Zweiter geprägt hat.
Lindner selbst habe eine Rückkehr ausgeschlossen und sei in seiner neuen Rolle glücklich, so Höne. Man gönne ihm das von Herzen. Diplomatischer kann man einen politischen Abschied kaum formulieren. Doch zwischen den Zeilen schwingt die bittere Erkenntnis mit, dass die Ära Lindner die FDP letztlich in eine existenzielle Krise geführt hat – eine Krise, aus der sich die Partei bis heute nicht befreit hat.
Unterschiedliche Typen, gemeinsame Vergangenheit
Höne betonte zwar, dass er die schwierigen Jahre zwischen 2013 und 2017 hautnah miterlebt und eng mit Lindner zusammengearbeitet habe. Dennoch seien sie trotz mancher Parallelen „völlig unterschiedliche Typen". Der Kontakt bestehe weiterhin, ebenso wie zu vielen anderen Parteifreunden. Was Deutschland brauche, sei eine liberale Stimme – so das Credo des Kandidaten.
Ob diese liberale Stimme allerdings noch jemand hören will, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die FDP ist nach dem spektakulären Scheitern der Ampelkoalition im November 2024 und der verheerenden Niederlage bei der Bundestagswahl im Februar 2025 politisch marginalisiert. Der Einzug in den Bundestag wurde krachend verfehlt, und seither gleicht die Partei einem Schiff ohne Kompass auf stürmischer See.
Die obligatorische Brandmauer – und ihre Glaubwürdigkeit
Besonders aufhorchen ließ Hönes scharfe Abgrenzung zur AfD. Mit ihr könne es keine Zusammenarbeit geben, erklärte er kategorisch. Die AfD sei eine Partei, die von Problemen profitieren wolle, statt sie zu lösen. Sie stehe näher an Russland und Putin als an deutschen Sicherheitsinteressen und dulde bewusst Radikale in den eigenen Reihen. Die AfD sei das „absolute Gegenteil" zur individualistischen und optimistischen FDP.
Man mag sich fragen, wie viel politische Weitsicht in solchen Brandmauer-Bekenntnissen steckt. Während die FDP um das nackte Überleben kämpft und bei Umfragen im niedrigen einstelligen Bereich dümpelt, scheint die reflexartige Abgrenzung nach rechts fast schon wie ein Ablenkungsmanöver von den eigenen, hausgemachten Problemen. Statt sich mit der Frage zu beschäftigen, warum Millionen ehemaliger FDP-Wähler der Partei den Rücken gekehrt haben, wird lieber die moralische Überlegenheit gegenüber dem politischen Wettbewerber zelebriert.
Eine Partei auf der Suche nach sich selbst
Die Wahrheit ist: Die FDP hat nicht deshalb ihre Wähler verloren, weil sie sich zu wenig von der AfD abgegrenzt hätte. Sie hat sie verloren, weil sie in der Ampelkoalition ihre wirtschaftsliberalen Grundsätze verraten, die Schuldenbremse aufgeweicht und sich als Steigbügelhalter einer ideologiegetriebenen Regierungspolitik hergegeben hat. Der deutsche Mittelstand, einst Kernklientel der Liberalen, fühlt sich von dieser Partei schon lange nicht mehr vertreten.
Ob Henning Höne der richtige Mann ist, um dieses Vertrauen zurückzugewinnen, wird sich zeigen. Seine Ankündigung eines Neuanfangs klingt zunächst vielversprechend. Doch Neuanfänge hat die FDP in ihrer Geschichte schon mehrfach ausgerufen – zuletzt nach dem Rauswurf aus dem Bundestag 2013. Damals war es ausgerechnet Christian Lindner, der die Partei zurück ins Parlament führte. Nun soll es ohne ihn gehen. Die Geschichte wird zeigen, ob das mehr ist als nur ein weiteres Kapitel im endlosen Drama einer Partei, die ihre Daseinsberechtigung erst noch neu definieren muss.

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