
Evonik-Beben: 2.150 Jobs in Deutschland weg – Wachstum nur im Ausland!
Der Essener Chemiekonzern Evonik will bis Ende 2029 weltweit rund 3.200 Stellen streichen, davon 2.150 in Deutschland. Das hat Interimschef Claus Rettig nach Beratungen von Vorstand und Aufsichtsrat bestätigt. Investiert werden soll künftig verstärkt in Asien und den USA. Die Heimat geht leer aus.
Ein Konzern schrumpft – und zwar kräftig
Evonik ist nicht pleite. Und doch baut der Traditionskonzern um, als ginge es ums Überleben. Rettig, der die Führung vorübergehend übernommen hat, weil sich Vorstandschef Christian Kullmann krankheitsbedingt zurückziehen musste, findet deutliche Worte:
„Vorstand, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertreter teilen die Überzeugung: Wir befinden uns in einer strukturellen und wirtschaftlichen Krise unserer Branche.“
Die neue Abbauwelle kommt oben drauf. Bereits laufende Sparprogramme sollen bis Ende dieses Jahres rund 2.800 Stellen kosten. Zusätzlich will Evonik die Töchter Oxeno und Syneqt mit zusammen mehr als 4.300 Beschäftigten verkaufen. Medienberichten zufolge wird der Konzern, der Ende 2025 noch mehr als 31.000 Menschen beschäftigte, am Ende um rund 10.000 Stellen kleiner sein. Fast jeder dritte Arbeitsplatz – weg.
Werke schließen, Standorte werden umgekrempelt
Wie berichtet wird, stellt Evonik das Polyester-Geschäft mit Standorten in Marl und Witten ein. Die Werke in Hamburg und Bitterfeld sollen schließen. Die sechs großen deutschen Produktionsstandorte bekommen spezialisierte Aufgaben. Wie genau die verteilt werden, ist offenbar noch offen.
Betriebsbedingte Kündigungen soll es nach Unternehmensangaben nicht geben. Der Abbau laufe „sozialverträglich“: Vorruhestand, Abfindungen, unbesetzte Stellen. Das klingt beruhigend. Doch jede nicht mehr besetzte Stelle ist ein Job, den ein junger Facharbeiter aus dem Ruhrgebiet nie bekommen wird.
Die Zahlen hinter dem Umbau
- Umsatz 2025: 14,1 Milliarden Euro – 7 Prozent weniger als im Vorjahr
- Mehr als 4.000 Produkte, unter anderem für Pharma- und Lebensmittelindustrie
- Umbauprogramm soll bis 2030 vollständig umgesetzt sein
Eine ganze Branche am Abgrund
Überraschend ist das alles nicht. Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist mit über 476.000 Beschäftigten der drittgrößte Industriezweig Deutschlands – und steckt tief in der Krise. Bereits im Mai warnte das Münchner ifo-Institut vor einem stark verschlechterten Geschäftsklima. Als Gründe nannten die Forscher hohe Energiepreise, Bürokratie und den Iran-Krieg.
Anna Wolf, Leiterin des ifo-Zentrums für Innovationsökonomik, brachte es auf den Punkt: „Die Folgen der Kampfhandlungen im Nahen Osten treffen die ohnehin angeschlagene Chemieindustrie mit voller Wucht.“
Man beachte das Wort „ohnehin“. Der Krieg ist der Brandbeschleuniger, nicht der Brandherd. Die Probleme sind hausgemacht: Energie, die teurer ist als bei fast jedem Wettbewerber, und eine Regulierungsflut aus Berlin und Brüssel, die jede Investitionsentscheidung zum Hindernislauf macht.
Das Muster ist brutal eindeutig
Evonik folgt einem Drehbuch, das in diesem Jahr in der deutschen Industrie immer wieder zu beobachten ist: Jobs im Inland abbauen, Unternehmensteile verkaufen, Wachstum im Ausland suchen. Wenn selbst ein Konzern mit Milliardenumsatz sagt, die Zukunft liege außerhalb Europas – was sagt das über den Standort Deutschland?
Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Armutszeugnis für die Wirtschaftspolitik. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz war mit dem Versprechen einer Wirtschaftswende angetreten. Stattdessen stapeln sich Sondervermögen und Klimaziele, während die industrielle Substanz Stück für Stück ins Ausland abwandert.
Was bleibt für die Bürger?
Wenn Wohlstand, der über Generationen erarbeitet wurde, auf diese Weise abwandert, sollten Sparer umso mehr auf die Stabilität des eigenen Vermögens achten. Physisches Gold und Silber sind nicht von Energiepreisen oder Standortentscheidungen abhängig. Viele sehen darin eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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