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Kettner Edelmetalle
02.04.2026
17:40 Uhr

Europas Chip-Abhängigkeit: China übernimmt die komplette Nexperia-Produktion

Was sich seit Monaten abzeichnete, wird nun bittere Realität: Der Halbleiterhersteller Nexperia, einst ein stolzes Juwel der europäischen Chipindustrie, verlagert seine gesamte Produktionskette nach China. Ein geopolitisches Desaster, das die technologische Souveränität Europas einmal mehr als das entlarvt, was sie in Wahrheit ist – eine Illusion.

Vom Philips-Erbe zum chinesischen Werkzeug

Die Geschichte von Nexperia liest sich wie ein Lehrstück über europäische Naivität. Einst gehörte das Unternehmen zum niederländischen Philips-Konzern und dessen Chip-Tochter NXP. 2018 wurde es vom chinesischen Wingtech-Konzern übernommen – damals offenbar ohne dass in Brüssel oder Den Haag jemand die strategischen Konsequenzen auch nur ansatzweise durchdacht hätte. Nun, Jahre später, erntet Europa die Früchte dieser Sorglosigkeit.

Nexperia ist kein beliebiger Chipfertiger. Das Unternehmen liefert einfache, aber unverzichtbare Halbleiter, die in elektronischen Steuergeräten von Fahrzeugen verbaut werden. Ohne diese Bauteile steht die europäische Automobilindustrie still. Und genau das ist in den vergangenen Monaten bereits geschehen.

Ein geopolitisches Schachspiel mit klarem Verlierer

Die Niederlande hatten Nexperia im September unter Verweis auf Sicherheitsbedenken unter staatliche Kontrolle gestellt. Eine Maßnahme, die man als überfällig bezeichnen könnte – wäre sie nicht gleichzeitig so dilettantisch umgesetzt worden, dass Peking sie mühelos kontern konnte. Denn China reagierte prompt: Ein Exportverbot für Nexperia-Produkte wurde verhängt, was einen gravierenden Chip-Mangel bei europäischen Autozulieferern und -herstellern auslöste.

Bislang wurden die Halbleiter vorwiegend in Europa produziert und zur Weiterverarbeitung sowie Verpackung nach China verschickt. Lieferungen für europäische Kunden wurden anschließend reexportiert. Ein fragiles Konstrukt, das nun wie ein Kartenhaus zusammenbricht. Denn ein Unternehmensvertreter, der anonym bleiben wollte, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP unmissverständlich: Da die niederländische Seite die Wafer-Lieferungen eingestellt habe, müsse man auf im Inland – also in China – hergestellte Wafer zurückgreifen.

„Made in China" als neue Normalität

Bei einer Kundenveranstaltung in Peking warb ein Vertreter von Nexperia China bereits offensiv für die vollständig in der Volksrepublik gefertigten Chips. Die Umstellung von der globalen auf die inländische Produktion sei abgeschlossen, hieß es dort selbstbewusst. Die Qualitätsstandards würden selbstverständlich eingehalten. Man darf gespannt sein, ob europäische Automobilhersteller diese Beteuerungen mit derselben Gelassenheit aufnehmen.

Besonders bezeichnend ist das Scheitern jeglicher Dialogversuche. Von der niederländischen Unternehmensseite verlautete, man strebe weiterhin eine konstruktive Zusammenarbeit mit den chinesischen Niederlassungen an. Doch alle Bemühungen, einen sinnvollen Dialog mit der Geschäftsleitung in China aufzunehmen, seien erfolglos geblieben. Peking hat offensichtlich keinerlei Interesse an Kompromissen – warum auch, wenn man alle Trümpfe in der Hand hält?

Deutschlands Verwundbarkeit wird offenbar

Für Deutschland, das mit seinem Hamburger Nexperia-Werk unmittelbar betroffen ist, offenbart dieser Vorgang eine erschreckende Abhängigkeit. Während Bundeskanzler Merz erst kürzlich in Peking das schwierige Verhältnis zu China zu navigieren versuchte, zeigt der Fall Nexperia, wie wenig Verhandlungsmasse Europa tatsächlich besitzt. Jahrzehntelang hat man kritische Infrastruktur und Schlüsseltechnologien sehenden Auges an geopolitische Rivalen verkauft – und wundert sich nun, dass diese ihre Hebelwirkung nutzen.

Die europäische Automobilindustrie, ohnehin durch Transformationsdruck und schwindende Wettbewerbsfähigkeit gebeutelt, steht vor einem weiteren massiven Problem. Wer die Chips kontrolliert, kontrolliert die Produktion. Und diese Kontrolle liegt nun vollständig in chinesischer Hand. Ein Weckruf? Vielleicht. Aber wie so oft in der europäischen Politik dürfte auch dieser ungehört verhallen – bis es endgültig zu spät ist.

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