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Kettner Edelmetalle
27.01.2026
07:09 Uhr

EU und Indien besiegeln Freihandelsabkommen: Ein geopolitischer Schachzug mit Signalwirkung

Während die transatlantischen Beziehungen unter der erratischen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump leiden, sucht die Europäische Union händeringend nach neuen Partnern. Nun ist ein weiterer Coup gelungen: Die EU und Indien haben die Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der indische Premierminister Narendra Modi verkündeten den historischen Durchbruch in Neu-Delhi.

Eine Freihandelszone für zwei Milliarden Menschen

Die Dimensionen dieses Abkommens sind beachtlich. Mit Indien, dem bevölkerungsreichsten Land der Erde mit über 1,45 Milliarden Einwohnern, und den rund 450 Millionen EU-Bürgern entsteht eine Wirtschaftszone, die nahezu ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und der Weltbevölkerung repräsentiert. Von der Leyen sprach von einem "historischen Tag" und betonte, man schaffe damit ein deutliches Signal in die Welt, dass "regelbasierte Zusammenarbeit weiterhin hervorragende Ergebnisse liefere".

Doch hinter den diplomatischen Floskeln verbirgt sich eine knallharte geopolitische Kalkulation. Die aggressive Handelspolitik der Trump-Administration und das zunehmende Machtstreben Chinas zwingen Europa geradezu, neue Allianzen zu schmieden. Dass ausgerechnet Indien, das traditionell gute Beziehungen sowohl zu Moskau als auch zum Westen pflegt, nun zum bevorzugten Partner avanciert, ist kein Zufall.

Deutsche Autobauer als große Gewinner?

Besonders die deutsche Automobilindustrie dürfte aufatmen. Bislang belastete Indien den Import europäischer Fahrzeuge mit drakonischen Zöllen von bis zu 110 Prozent – eine faktische Marktzugangsbarriere. Diese sollen nun für 250.000 Fahrzeuge jährlich schrittweise auf lediglich 10 Prozent gesenkt werden. Autoteile werden nach einer Übergangsphase von fünf bis zehn Jahren sogar komplett zollfrei.

Auch andere Branchen können sich freuen: Zölle von bis zu 44 Prozent auf Maschinen, 22 Prozent auf Chemikalien und 11 Prozent auf Pharmazeutika sollen weitgehend beseitigt werden. Die EU rechnet mit jährlichen Einsparungen von rund vier Milliarden Euro an Zollabgaben. Bis 2032 erwartet Brüssel sogar eine Verdoppelung der EU-Exporte nach Indien.

Keine Bauernproteste zu erwarten

Im Gegensatz zum umstrittenen Mercosur-Abkommen mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay, das massive Proteste europäischer Landwirte auslöste, dürfte das Indien-Abkommen auf weniger Widerstand stoßen. Die EU-Kommission betont ausdrücklich, dass "empfindliche europäische Agrarsektoren vollständig geschützt" werden. Produkte wie Rindfleisch, Geflügelfleisch, Reis und Zucker sind von der Liberalisierung ausgenommen. Alle indischen Einfuhren müssen zudem weiterhin die strengen europäischen Gesundheits- und Lebensmittelsicherheitsvorschriften einhalten.

Gleichzeitig eröffnen sich für europäische Landwirte neue Absatzmärkte: Die indischen Zölle auf Wein sollen von astronomischen Höhen auf zunächst 75 Prozent und später auf 20 Prozent sinken. Verarbeitete Agrarprodukte wie Brot und Süßwaren werden komplett zollfrei.

Ein deutliches Signal an Washington

Die Botschaft an die Trump-Administration könnte kaum deutlicher sein. Während die USA mit Strafzöllen um sich werfen – auf indische Produkte erheben sie mittlerweile 50 Prozent, einschließlich zusätzlicher 25 Prozent wegen Indiens Handelsbeziehungen mit Russland – setzt Europa auf Kooperation statt Konfrontation. Von der Leyen formulierte es unmissverständlich: "Wir entscheiden uns für fairen Handel statt für Zölle. Für Partnerschaft statt Isolation."

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich zuletzt stark für den Abschluss der Verhandlungen eingesetzt. Bei einem Treffen mit Modi Mitte Januar verwies er auf die bereits mehr als 2.000 deutschen Unternehmen in Indien und das bilaterale Handelsvolumen von fast 50 Milliarden US-Dollar – ein Rekordhoch. Deutschland sei damit Indiens wichtigster Partner in der Europäischen Union.

Der lange Weg zur Ratifizierung

Bis das Abkommen tatsächlich in Kraft tritt, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Der Vertragstext muss rechtlich überprüft und in alle 24 Amtssprachen der EU übersetzt werden. Anschließend bedarf es der Zustimmung aller Mitgliedstaaten sowie des Europäischen Parlaments – ein Prozess, der erfahrungsgemäß Monate, wenn nicht Jahre dauern kann.

Die Geschichte dieser Verhandlungen ist ohnehin eine von Rückschlägen geprägte: Bereits von 2007 bis 2013 hatte man über ein Freihandelsabkommen verhandelt, war jedoch gescheitert. Erst 2022 wurden die Gespräche wieder aufgenommen. Dass nun innerhalb von nur drei Jahren ein Durchbruch gelang, verdankt sich nicht zuletzt dem Druck, den Trumps unberechenbare Handelspolitik auf beide Seiten ausübt.

Geopolitische Gratwanderung

Indien bewegt sich dabei auf einem schmalen Grat. Das Land pflegt enge Beziehungen zu Russland, bezieht einen Großteil seines Öls und Gases aus Moskau – Einnahmen, die der Kreml bekanntlich in seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt. Gleichzeitig positioniert sich Neu-Delhi nun als strategischer Partner des Westens. Diese Ambivalenz dürfte in Brüssel nicht allen gefallen, wird aber offenbar als notwendiges Übel akzeptiert.

Für die EU ist das Abkommen jedenfalls ein wichtiger Baustein in ihrer Strategie der Diversifizierung. Der Handel mit Indien macht bislang nur rund 2,5 Prozent des gesamten EU-Warenhandels aus – im Vergleich zu knapp 15 Prozent bei China. Trotz der hohen Zölle ist der bilaterale Handel in den letzten zehn Jahren bereits um fast 90 Prozent gewachsen. Das Potenzial ist also enorm.

"Die EU und Indien schreiben heute Geschichte und vertiefen die Partnerschaft zwischen den größten Demokratien der Welt."

Ob diese vollmundigen Worte von der Leyens der Realität standhalten werden, muss sich erst noch zeigen. Sicher ist: In einer Welt, in der die alte Ordnung zunehmend erodiert und neue Machtzentren entstehen, sucht Europa händeringend nach Verbündeten. Indien könnte einer davon sein – trotz aller Widersprüche.

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