
EU nimmt chinesischen Billigmode-Riesen Shein ins Visier: Kindersexpuppen und Suchtdesign
Was sich auf der Plattform des chinesischen Online-Modehändlers Shein abspielt, liest sich wie ein Albtraum für jeden verantwortungsbewussten Bürger. Die Europäische Kommission hat am 16. Februar ein formelles Untersuchungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet – und die Vorwürfe haben es in sich: Auf dem Marktplatz des Billigmode-Giganten sollen unter anderem lebensechte Sexpuppen, die kleinen Mädchen nachempfunden sind, zum Verkauf angeboten worden sein. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.
Frankreich schlug zuerst Alarm
Es waren französische Behörden, die Ende 2025 auf die verstörenden Funde aufmerksam wurden. Neben den kindlichen Sexpuppen seien auch illegale Waffen auf der Plattform entdeckt worden. Paris versuchte daraufhin, den Zugang zur Shein-Website zu sperren – doch ein Gericht blockierte diesen Schritt und verwies den Fall stattdessen an Brüssel, das im Rahmen des Digital Services Act (DSA) zuständig sei. Ein bemerkenswerter Vorgang, der einmal mehr zeigt, wie schwerfällig europäische Institutionen auf akute Gefahren reagieren.
Die Untersuchung markiert das erste formelle Verfahren gegen Shein unter dem DSA, jenem weitreichenden Regelwerk, das nahezu alle Bereiche des digitalen Ökosystems regulieren soll. Ob E-Commerce-Plattformen oder soziale Netzwerke – Brüssel will den digitalen Wilden Westen zähmen. Ob das gelingt, steht freilich auf einem anderen Blatt.
Suchtdesign: Wie Shein junge Nutzer in die Falle lockt
Doch die illegalen Produkte sind nur die Spitze des Eisbergs. Die EU-Ermittler nehmen auch das sogenannte „Suchtdesign" der Plattform unter die Lupe. Shein arbeitet mit gamifizierten Elementen – Punktesysteme, Belohnungen, Anreize für häufiges Einloggen. Mechanismen, die insbesondere jüngere Nutzer dazu verleiten sollen, immer wieder zurückzukehren und immer mehr zu konsumieren. EU-Beamte warnen, dass solche Designs den Verbraucherschutz untergraben und die psychische Gesundheit der Nutzer gefährden könnten.
Hinzu kommt die mangelnde Transparenz bei den Algorithmen, die Shein zur Empfehlung von Produkten und Inhalten einsetzt. Unter dem DSA sind „sehr große Plattformen" – definiert als solche mit mehr als 45 Millionen Nutzern in der EU – verpflichtet, die wesentlichen Parameter ihrer Empfehlungssysteme offenzulegen und mindestens eine leicht zugängliche Option anzubieten, die nicht auf Profiling basiert. Shein scheint diese Anforderungen bislang großzügig ignoriert zu haben.
Chinesische Billigplattformen als systemisches Risiko
Die Untersuchung gegen Shein steht nicht isoliert da. Sie reiht sich ein in eine wachsende Serie von Maßnahmen der EU gegen chinesische Tech- und E-Commerce-Unternehmen. Auch Temu wird wegen ähnlicher Vorwürfe – Suchtdesign und Verkauf unsicherer oder illegaler Waren – untersucht. Bei AliExpress, das zum Alibaba-Konzern gehört, ergaben vorläufige Ermittlungsergebnisse bereits, dass die Plattform gegen ihre Pflicht verstoße, Risiken im Zusammenhang mit der Verbreitung illegaler Produkte zu bewerten und einzudämmen. Und erst am 6. Februar wurde TikTok von der Kommission aufgefordert, sein Suchtdesign grundlegend zu überarbeiten – andernfalls drohe eine Strafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Umsatzes.
Ab dem 1. Juli 2026 wird Brüssel zudem eine pauschale Gebühr von drei Euro auf jedes Paket mit geringwertigem Inhalt unter 150 Euro erheben, das aus Nicht-EU-Ländern direkt an Verbraucher in der Union geschickt wird. Die Zahlen sind erschütternd: Rund 4,6 Milliarden solcher Pakete erreichten die EU im Jahr 2024 – davon stammten überwältigende 91 Prozent aus China. Eine Flut billiger Waren, die europäische Hersteller und Händler unter enormen Druck setzt.
Peking spricht von „Protektionismus" – doch wer schützt die Kinder?
Wenig überraschend reagiert die chinesische Regierung mit scharfer Kritik auf die europäischen Regulierungsbemühungen. Das Außenministerium in Peking sprach von „offenem Protektionismus" und „politischer Manipulation". Ein Vorwurf, der angesichts von Kindersexpuppen auf einer Handelsplattform geradezu zynisch anmutet. Wenn der Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung als Protektionismus gilt, dann offenbart dies ein erschreckendes Werteverständnis.
Ein Sprecher von Shein erklärte, das Unternehmen nehme seine Verpflichtungen unter dem DSA „ernst" und werde mit den Ermittlern kooperieren. Man habe in den vergangenen Monaten „erheblich in Maßnahmen investiert", um die Einhaltung des DSA zu stärken – darunter umfassende Risikobewertungen, verstärkte Schutzmaßnahmen für jüngere Nutzer und die Gestaltung sicherer Nutzererfahrungen. Schöne Worte, die allerdings erst noch mit Taten unterfüttert werden müssen.
„In der EU sind illegale Produkte verboten – ob sie in einem Ladenregal oder auf einem Online-Marktplatz stehen. Der Digital Services Act schützt Käufer, wahrt ihr Wohlbefinden und informiert sie über die Algorithmen, mit denen sie interagieren."
– Henna Virkkunen, EU-Technologiekommissarin
Ein Weckruf für Europa
Dieser Fall sollte jedem Europäer die Augen öffnen. Während wir in Deutschland und Europa über Gender-Sternchen und Klimakleber debattieren, flutet eine Armada chinesischer Billigplattformen unseren Markt mit Produkten, die teilweise nicht nur minderwertig, sondern schlicht kriminell sind. Dass kindliche Sexpuppen überhaupt auf einer Handelsplattform landen können, die Millionen europäischer Jugendlicher nutzen, ist ein Skandal, der weit über die Frage digitaler Regulierung hinausgeht. Es geht um den Schutz unserer Kinder, um die Verteidigung grundlegender zivilisatorischer Standards – und ja, auch um den Schutz unserer heimischen Wirtschaft vor einem unfairen Wettbewerb, der auf Dumpingpreisen und der systematischen Umgehung europäischer Sicherheitsstandards basiert.
Die EU tut gut daran, hier endlich Härte zu zeigen. Ob die bürokratischen Mühlen Brüssels allerdings schnell genug mahlen, um tatsächlich Wirkung zu entfalten, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt: Bis europäische Institutionen handeln, haben chinesische Plattformen längst neue Wege gefunden, die Regeln zu umgehen.
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