
Eklat vor laufender Kamera: Linke verweigert AfD-Mann den Handschlag

Es war die letzte große TV-Runde vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – und der Eklat kam schon vor der ersten Frage. Bei der Wahlarena von ntv und Radio Brocken am Mittwochabend in Halle verweigerte Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund demonstrativ den Handschlag. Am kommenden Sonntag, dem 6. September, wählt das Land einen neuen Landtag.
Alle reichten die Hand – nur eine nicht
Sieben Spitzenkandidaten, ein Ritual: Zur Begrüßung ging Siegmund die Runde ab und reichte jedem die Hand. SPD, Grüne, CDU – alle erwiderten den Gruß. Von Angern nicht.
Überraschend kam das nicht. Bereits im August war es bei einer MDR-Wahlarena zum Wortgefecht gekommen. „Ich reiche Ihnen doch die Hand, Frau von Angern“, sagte Siegmund damals. Ihre Antwort: „Sie brauchen mir nicht die Hand reichen.“
Auch die Einladung auf einen Kaffee schlug die Linken-Politikerin aus. Als Siegmund mutmaßte, sie würde nicht einmal mit ihm einen Kaffee trinken, fragte sie zurück, warum sie das tun sollte. In einem Interview mit der Wochenzeitung „der Freitag“ begründete sie ihre Haltung später mit den Worten: „Warum sollte ich einem Rechtsextremen und Rassisten die Hand geben?“
Symbolpolitik statt Argumente?
Politisch ist die Distanz erklärbar: Medienberichten zufolge stuft der Verfassungsschutz den AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch ein. Doch was bringt eine verweigerte Geste im Endspurt eines Wahlkampfs?
Aus Sicht unserer Redaktion wenig – außer Bildern, die vor allem einem nützen: dem Adressaten. Wer den politischen Gegner als Person ausschließt, statt ihn inhaltlich zu stellen, liefert die Vorlage für die Erzählung vom ausgegrenzten Außenseiter gleich mit. Der Handschlag war in der Bundesrepublik über Jahrzehnte kein Freundschaftsbeweis, sondern eine Formalie unter Konkurrenten.
„Warum sollte ich einem Rechtsextremen und Rassisten die Hand geben?“ – Eva von Angern, Spitzenkandidatin der Linken, im Interview mit „der Freitag“
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache
Während in Halle über Umgangsformen gestritten wird, zeigt die Demoskopie ein deutliches Bild. Im Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest dimap vom 26. August kam die AfD auf 42 Prozent, die CDU auf 22, die Linke auf elf. SPD und Grüne lagen bei acht beziehungsweise sechs Prozent, BSW und FDP mit vier und drei Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde. Befragt wurde im Auftrag von MDR, WDR, Mitteldeutscher Zeitung und Volksstimme.
Jüngste Erhebungen sehen die AfD Medienberichten zufolge sogar bei 43 Prozent – und ihren Spitzenkandidaten in der Direktwahlfrage vor CDU-Mann Sven Schulze. Rechnerisch könnte es für eine Regierungsbildung ohne die AfD eng werden.
Was Wähler daraus lesen könnten
Die entscheidende Frage lautet nicht, wer wem die Hand gibt. Sie lautet: Warum vertrauen in einem ostdeutschen Bundesland vier von zehn Wählern einer Partei, die vom übrigen politischen Betrieb als unberührbar behandelt wird?
Für viele Bürger dürfte die Antwort weniger mit Symbolik zu tun haben als mit Migration, Energiepreisen, maroder Infrastruktur und dem Gefühl, in Berlin nicht gehört zu werden. Wer diese Themen dauerhaft der Konkurrenz überlässt, gewinnt am Ende auch keine Geste zurück.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











