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E20 statt Verbot: Rettet Bioethanol jetzt den Verbrennungsmotor?

E20 statt Verbot: Rettet Bioethanol jetzt den Verbrennungsmotor?
Symbolbild: KI-generiert

Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will Benzin mit bis zu 20 Prozent Bioethanol an deutsche Zapfsäulen bringen. Gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen setze er sich für eine höhere Beimischung von Biokraftstoffen ein, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“. Hinter dem Vorstoß steht ein deutsch-französischer Plan, der das starre Verbrenner-Aus ab 2035 kippen soll.

Erst E10, jetzt E20: Kehrt der Spritstreit zurück?

Viele Autofahrer erinnern sich noch gut an das E10-Debakel von 2011. Damals tankten Millionen Menschen aus Sorge um ihre Motoren lieber teureres Super. Die Politik musste zum Krisengipfel laden. Rund 15 Jahre später droht nun womöglich die Fortsetzung.

Zur Erklärung: Die Zahl hinter dem „E“ nennt den höchstzulässigen Anteil an Bioethanol im Benzin. E20 würde also eine Beimischung von maximal 20 Prozent erlauben. Ganz neu ist das nicht. Nach früheren Angaben des ADAC wird der Kraftstoff in Mannheim bereits erprobt, allerdings nur in einem geschlossenen Flottentest.

Bevor E20 an die öffentliche Tankstelle kommt, muss erst die Qualitätsnorm für Ottokraftstoffe angepasst werden. Die DIN EN 228 erlaubt derzeit höchstens zehn Prozent Ethanol. Der Automobilclub AvD gibt Entwarnung: Autos mit uneingeschränkter E10-Freigabe und modernen Kraftstoffsystemen könnten E20 technisch sicher vertragen. Bei älteren Fahrzeugen sieht das allerdings keineswegs immer so aus.

Merz: „Das Verbrenner-Aus ist dann damit Geschichte“

Zum Hintergrund: 2022 hatten sich die EU-Staaten und das Europaparlament darauf verständigt, dass Neuwagen ab 2035 im Betrieb kein CO₂ mehr ausstoßen dürfen. Bei Verstößen drohen Strafzahlungen. Im Dezember 2025 schlug die EU-Kommission dann vor, weiterhin Verbrenner neu zuzulassen. Parlament und Mitgliedstaaten beraten darüber noch.

Berlin und Paris haben sich nun auf gemeinsame Vorschläge geeinigt. Demnach dürften Hersteller auch nach 2034 neue Verbrenner und Hybride verkaufen, ohne dass Strafen fällig würden. Damit könnte im Rat eine Mehrheit zustande kommen. Bundeskanzler Friedrich Merz fasste das Ergebnis selbstbewusst zusammen: „Das Verbrenner-Aus ist dann damit Geschichte.“

Bilger bezeichnete den ursprünglichen Plan als Fehler. Laut seinem Ministerium sagte er:

„Die Bundesregierung liefert, was sie versprochen hat: eine Korrektur des bisherigen Kurses und mehr Technologieoffenheit.“

Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor könnten auch nach 2034 zugelassen werden, sofern sie erneuerbare Kraftstoffe nutzten, so der Minister. Ob ihm das bis ins Detail gelingt, ist offen. Fest steht: Brüssel hatte hier über Jahre eine Technik per Dekret zum Auslaufmodell erklärt, statt den Wettbewerb entscheiden zu lassen.

Applaus aus Wolfsburg, Kritik vom VDA

Volkswagen jubelt. Ein Konzernsprecher sprach von einem „großen Wurf“ und lobte „sinnvolle Flexibilitäten“ bei der CO₂-Flottenregulierung. Der Branchenverband VDA bremst dagegen. Präsidentin Hildegard Müller sieht in zentralen Punkten weiteren Gesprächs- und Anpassungsbedarf, vor allem beim Nutzfahrzeugsektor. Dessen Besonderheiten habe weder die EU-Kommission noch das deutsch-französische Papier berücksichtigt.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), Mitglied im VW-Aufsichtsrat, betonte im Deutschlandfunk, am Weg zur E-Mobilität zweifle niemand. Die Industrie müsse aber Geld verdienen, um den Umbau zu bezahlen. Außerdem brauche es stabile Arbeitsplätze.

Ladesäulen: Deutschland gut, Europa lückenhaft

Bilger verweist zudem auf die Ladeinfrastruktur. Nicht jeder könne zu Hause oder beim Arbeitgeber laden. Deutschland stehe beim öffentlichen Netz gut da, andere EU-Länder hätten aber großen Nachholbedarf. Die Bundesnetzagentur meldete zum 1. September 2026 bundesweit 157.762 Normal- und 56.572 Schnellladepunkte.

Teurer Sprit, teure Politik

Der Vorstoß kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Spritpreise sind hoch. Seit Oktober gilt ein „Tankrabatt“ von knapp 17 Cent je Liter, befristet bis Jahresende. Er kostet den Staat Berichten zufolge rund 2,5 Milliarden Euro. Ob E20 die Rechnung an der Zapfsäule spürbar senkt, ist bisher völlig offen.

Für Millionen Pendler zählt am Ende nicht, welches Etikett auf dem Kraftstoff klebt. Sie wollen bezahlbare Mobilität und Planungssicherheit. Beides haben ihnen Berlin und Brüssel in den vergangenen Jahren nur selten geboten.

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