
Drohne vor Mekka: Saudi-Arabien zieht die „rote Linie“

Erstmals seit Beginn des Iran-Krieges heulten die Sirenen auch über der heiligsten Stadt des Islam. Nach eigenen Angaben schoss die saudische Luftabwehr am Dienstagabend um 18.50 Uhr eine Drohne südlich von Mekka ab – bevor sie in den gesperrten Luftraum über der Stadt eindringen konnte. Riad macht die jemenitische Huthi-Miliz verantwortlich.
Der Sprecher der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition, Turki al-Malki, nannte die Sicherheit der heiligen Stätten und der Pilger eine „rote Linie“. Man werde Maßnahmen ergreifen, um weitere Angriffe abzuschrecken. Herkunft, Flugweg und Ziel der Drohne ließen sich bislang nicht unabhängig überprüfen.
Die Huthis dementieren – die OIC verurteilt
Nach Darstellung al-Malkis war es der zweite Versuch dieser Art; im Juli 2017 hatte die Koalition bereits von einer abgefangenen Rakete auf Mekka berichtet. Die Huthis weisen den Vorwurf zurück: Ihr Sprecher Hazem al-Assad bezeichnete die Behauptung als Lüge, die schon früher verbreitet worden sei. Ein von der Agentur Saba zitierter Militärvertreter erklärte, vom Jemen gehe keine Bedrohung für islamische Heiligtümer aus.
Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit mit ihren 57 Mitgliedsstaaten verurteilte den Angriff dagegen und machte die Huthis verantwortlich. Sicherheitswarnungen hatte es zuvor auch in Dschidda und Taif gegeben. Ein Angriff auf Mekka wäre ein symbolischer Dammbruch – und exakt deshalb so gefährlich.
Wenn Raketen in Wohngebieten landen
Der Zwischenfall folgte auf eine Angriffsserie. Die Huthis erklärten, den Luftwaffenstützpunkt König Khalid bei Chamis Muschait mit Dutzenden Flugkörpern getroffen zu haben – Hangars, Radaranlagen, Munitionslager. Die Koalition bestätigte den Treffer nicht, meldete aber Einschläge in Wohngebieten: 13 Verletzte, sieben beschädigte Häuser, zwei Fahrzeuge.
Die Miliz spricht von Vergeltung für saudische Luftangriffe im Jemen; ein Vertreter des von ihr kontrollierten Gesundheitsministeriums nannte drei Tote, darunter zwei Kinder. Unabhängig bestätigt sind diese Zahlen nicht. Saudi-Arabien führt seit 2015 eine Koalition gegen die vom Iran unterstützten Huthis – nach Jahren relativer Ruhe droht nun erneut ein flächendeckender Bürgerkrieg.
Der eigentliche Hebel: Öl
Für die Weltwirtschaft brisanter ist der Angriff auf die Infrastruktur. Weil der Verkehr durch die Straße von Hormus stark eingeschränkt ist, läuft ein großer Teil der saudischen Exporte über die 1200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline zum Roten Meer. Diese wurde von Drohnen getroffen und vorsorglich abgeschaltet.
Nach saudischer Darstellung starteten die Drohnen im Irak; Bagdad bestätigte die Provinz Maisan, Ministerpräsident Ali al-Saidi ordnete Ermittlungen an und entließ den zuständigen Kommandeur. Regionale Regierungsvertreter machen Medienberichten zufolge Iran-nahe Milizen verantwortlich. Der Ausfall dürfte drei bis fünf Wochen dauern.
- Durchfluss vor dem Angriff laut Rystad Energy: 2,6 bis 4 Millionen Barrel täglich
- Das entspricht im oberen Bereich rund vier Prozent des Weltangebots
- Die Huthis kontrollieren nun Mocha sowie die Inseln Mayun, Groß- und Klein-Hanisch – direkt an der Meerenge Bab al-Mandab
Was das für deutsche Verbraucher bedeutet
Kronprinz Mohammed bin Salman bat Medienberichten zufolge Präsident Trump um militärische Hilfe; Washington liefert bislang nur Geheimdienstinformationen. In Kairo beschworen er und Ägyptens Präsident al-Sisi die freie Schifffahrt – konkrete Schritte blieben aus.
Marktbeobachtern zufolge notierte Öl zuletzt über 100 Dollar. Für ein Industrieland, das seine Energiepolitik auf Importe und Ideologie statt auf Versorgungssicherheit gebaut hat, ist das eine teure Rechnung – zu zahlen von Pendlern, Mietern und Mittelständlern. Gold stand nach einem Rekord von fast 5.600 Dollar im Januar unter Druck und lag zuletzt bei rund 4.295 Dollar. Als physischer Sachwert bleibt es für viele Anleger die Versicherung gegen genau solche Schlagzeilen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt unsere Einschätzung auf Basis der vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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