
Dobrindt erteilt WM-Boykott-Forderungen klare Absage: Sport und Politik müssen getrennt bleiben

Die Debatte um einen möglichen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA nimmt an Fahrt auf – doch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigt sich von den Forderungen gänzlich unbeeindruckt. In einer bemerkenswert klaren Stellungnahme gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland machte der Minister deutlich, dass er derartige Überlegungen für verfehlt hält.
Lehren aus der Katar-Debatte
„Ich kann Forderungen nach einem Boykott der Fußball-WM nicht nachvollziehen", erklärte Dobrindt unmissverständlich. Der CSU-Politiker verwies dabei auf die hitzigen Diskussionen rund um die Weltmeisterschaft in Katar und betonte, dass er bereits damals eine klare Position vertreten habe: „Spielt Fußball und hört auf, zu versuchen, Politik zu machen." Dieser Ratschlag gelte auch für all jene, die sich nun erneut in politisch motivierte Boykott-Debatten verstricken wollten.
Man muss sich tatsächlich fragen, ob der deutsche Hang zur moralischen Selbstüberhöhung nicht langsam groteske Züge annimmt. Während andere Nationen pragmatisch an sportlichen Großereignissen teilnehmen, scheint hierzulande jedes internationale Turnier zum Anlass genommen zu werden, die eigene vermeintliche moralische Überlegenheit zur Schau zu stellen. Dass ausgerechnet ein CSU-Minister hier die Stimme der Vernunft erhebt, dürfte manchen Beobachter überraschen.
Kritik an US-Einwanderungsbehörde – aber keine Konsequenzen für den Sport
Gleichwohl zeigte sich Dobrindt nicht unkritisch gegenüber der aktuellen Politik der Trump-Administration. Die Bilder von Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE bezeichnete er als „mehr als befremdlich". Ein solches Vorgehen sei bei professionell ausgebildeten deutschen Polizeikräften „vollkommen undenkbar" und würde von politisch Verantwortlichen in keiner Weise geduldet.
Diese differenzierte Haltung verdient durchaus Anerkennung. Dobrindt demonstriert damit, dass man durchaus Kritik an politischen Entwicklungen üben kann, ohne gleich in reflexhaften Aktionismus zu verfallen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) äußerte sich in ähnlicher Weise – ein seltenes Beispiel parteiübergreifender Einigkeit in der aktuellen politischen Landschaft.
Die Instrumentalisierung des Sports muss ein Ende haben
Die Frage, die sich aufdrängt, lautet: Wann hat der deutsche Fußball eigentlich aufgehört, einfach nur Sport zu sein? Die ständige Vermischung von sportlichen Ereignissen mit politischen Botschaften hat dem deutschen Fußball in den vergangenen Jahren keinen Gefallen getan. Statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – nämlich erfolgreichen Fußball zu spielen – verliert sich der Verband immer wieder in symbolpolitischen Gesten, die außerhalb der eigenen Blase kaum jemanden interessieren.
Dobrindts klare Worte könnten ein Zeichen dafür sein, dass zumindest in Teilen der Politik ein Umdenken stattfindet. Der Sport sollte Menschen verbinden, nicht spalten. Und wer glaubt, durch einen WM-Boykott die amerikanische Innenpolitik beeinflussen zu können, der leidet unter einer erheblichen Selbstüberschätzung. Die einzigen Verlierer eines solchen Boykotts wären die deutschen Fans und Spieler – nicht Donald Trump.

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