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Kettner Edelmetalle
26.02.2026
16:31 Uhr

Die heilige Kuh der Fed-Unabhängigkeit: Mythos oder Notwendigkeit?

Seit Monaten geistert ein Schreckgespenst durch die Finanzmärkte: Die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve stehe vor dem Aus. Donald Trump werde die mächtigste Zentralbank der Welt zu seinem willfährigen Instrument degradieren. Doch was, wenn diese Erzählung nicht nur übertrieben ist – sondern wenn die eigentlich unbequeme Frage eine ganz andere wäre?

Das Untergangs-Szenario, das keines wurde

Die Kassandra-Rufe stützten sich auf zwei Säulen. Erstens: Ein durch öffentliche Attacken, Entlassungsdrohungen und sogar eine strafrechtliche Untersuchung des Justizministeriums gegen Fed-Chef Jerome Powell eingeschüchtertes Offenmarktkomitee (FOMC), das seine Entscheidungen fortan nicht mehr nach ökonomischen, sondern nach politischen Kriterien treffen würde. Zweitens: Ein neuer Notenbankchef, der im Mai 2026 antreten soll und als Trump-Loyalist die Unterwerfung der Fed vollenden würde.

Beide Annahmen halten einer nüchternen Prüfung kaum stand. Die Protokolle der Januar-Sitzung sprechen eine deutliche Sprache: Mehrere Fed-Vertreter brachten die Möglichkeit einer Zinserhöhung ins Spiel, sollte die Inflation weiterhin über dem Zielwert verharren. Nicht weniger Zinssenkungen – eine Erhöhung. Das klingt nicht gerade nach einem Gremium, dem man das Rückgrat gebrochen hätte.

Und der vermeintliche Trump-Vasall? Der nominierte Kevin Warsh hat öffentlich erklärt, dass eine unabhängige Geldpolitik unverzichtbar sei. Analysten stuften ihn nach anfänglicher Nervosität als eine durchaus konventionelle, eigenständige Wahl ein. Wer ihn dennoch als bloßes Werkzeug des Präsidenten abtut, tut dies ohne die Belege, die man in anderen Zusammenhängen selbstverständlich einfordern würde.

Die eigentlich unbequeme Frage

Doch gerade weil das Katastrophenszenario ausbleibt, drängt sich eine weit fundamentalere Frage auf – eine, die das ökonomische Establishment seit Jahrzehnten tunlichst vermeidet: Haben wir tatsächlich überzeugende empirische Beweise dafür, dass die Fed unabhängig sein muss? Oder haben wir diese Behauptung nur so oft wiederholt, bis wir Konsens mit Beweis verwechselten?

Die Geschichte, die Ökonomen erzählen, klingt sauber und überzeugend. Unabhängige Zentralbanken produzieren niedrigere Inflation. Politische Einmischung führt zu Zeitinkonsistenz-Problemen: Regierungen bevorzugen billiges Geld vor Wahlen, heizen damit die Inflation an, die anschließend nur unter enormen Kosten wieder einzufangen ist. Als die Fed unter Arthur Burns dem politischen Druck der Nixon-Ära nachgab, geriet die Inflation außer Kontrolle. Eine brutale Rezession war nötig, um sie wieder einzufangen. Lektion gelernt. Unabhängigkeit zementiert.

Nur: Eine überzeugende Erzählung ist noch kein robuster empirischer Beweis. Die grundlegenden akademischen Arbeiten – Alesina und Summers 1993, Cukiermans Ländervergleichsanalyse – fanden lediglich eine Korrelation zwischen Zentralbankunabhängigkeit und niedrigerer Inflation. Korrelation, wohlgemerkt, nicht Kausalität. Dieselbe Forschung fand kaum Belege dafür, dass politische Kontrolle einen nennenswerten Einfluss auf Wachstum oder Arbeitslosigkeit hätte. Länder mit stärkeren Institutionen tendieren dazu, sowohl unabhängigere Zentralbanken als auch bessere Inflationsergebnisse zu haben – aus Gründen, die möglicherweise wenig mit der Unabhängigkeit selbst zu tun haben.

Eine Welt, die es so nicht mehr gibt

Die Finanzwelt des Jahres 2025 hat mit jener Welt, für die diese Modelle entwickelt wurden, praktisch nichts mehr gemein. Kapital bewegt sich in Sekundenbruchteilen über Grenzen hinweg. Der Dollar verankert die globalen Reserven. Inflation wird heute mindestens ebenso stark von Lieferketten getrieben wie von der heimischen Geldmenge. Anleihemärkte disziplinieren die Politik in Echtzeit – die berüchtigten „Bond Vigilantes" sind kein Relikt der 1980er Jahre, sie sind fest in die globalen Kapitalströme eingebettet.

Das Argument für die Unabhängigkeit wurde in einer Welt konstruiert, die nicht mehr existiert. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Unabhängigkeit abgeschafft werden sollte. Es bedeutet aber, dass sie einer ehrlichen Überprüfung unterzogen werden muss – und zwar jetzt, in einer Phase relativer Ruhe, nicht erst mitten in der nächsten Krise.

Was ein kluger neuer Fed-Chef tun sollte

Warsh hätte die Gelegenheit, eine ernsthafte Überprüfung anzustoßen, bevor der politische Lärm jede Untersuchung wie eine Kapitulation aussehen lässt. Eine solche Überprüfung sollte nicht von einer internen Arbeitsgruppe durchgeführt werden, sondern von einer ausgewogenen Kommission aus Wissenschaftlern, Marktpraktikern, ehemaligen Fed-Beamten, ehemaligen Kongressmitgliedern und institutionellen Gelehrten. Die zentrale Frage wäre eng gefasst: Ist der aktuelle Unabhängigkeitsrahmen optimal für die modernen Bedingungen konzipiert?

Gibt es Zwischenmodelle – erweiterte Transparenzanforderungen, formale Überprüfungsmechanismen durch den Kongress, strukturierte Kommunikationsprotokolle –, die Glaubwürdigkeit bewahren und gleichzeitig die demokratische Rechenschaftspflicht verbessern? Was lässt sich von der EZB, der Bank of England oder der Bank of Japan lernen, die ihre Unabhängigkeit jeweils anders strukturieren?

Lehren für Europa – und für den deutschen Sparer

Diese Debatte ist keineswegs nur eine amerikanische Angelegenheit. Auch die Europäische Zentralbank genießt eine weitreichende Unabhängigkeit, die sie in den vergangenen Jahren genutzt hat, um eine Geldpolitik zu betreiben, die den deutschen Sparer systematisch enteignet hat. Negativzinsen, billionenschwere Anleihekaufprogramme, eine Inflation, die zeitweise zweistellig wurde – all das geschah unter dem Schutzschild der „Unabhängigkeit". Wer es wagte, diese Politik zu kritisieren, wurde als Populist abgestempelt.

Dabei wäre gerade in Deutschland eine ehrliche Debatte über die Grenzen und die Ausgestaltung von Zentralbankunabhängigkeit dringend geboten. Denn wenn eine unabhängige Zentralbank Geldpolitik betreibt, die das Vermögen einer ganzen Generation von Sparern vernichtet, dann stellt sich die Frage, wem diese Unabhängigkeit eigentlich dient. Dem Bürger? Oder dem System?

Wenn die Unabhängigkeit wirklich unverzichtbar ist, wird eine ehrliche Prüfung sie bestätigen. Wenn sie einer Aktualisierung bedarf, ist es besser, das bewusst herauszufinden als mitten in einer Krise.

In Zeiten, in denen das Vertrauen in Institutionen weltweit erodiert – nicht zuletzt wegen einer Politik, die den Bürger zunehmend bevormundet statt ihm zu dienen –, wäre es ein Zeichen intellektueller Redlichkeit, auch die heiligsten Kühe der Geldpolitik auf den Prüfstand zu stellen. Wer sich davor scheut, hat möglicherweise mehr zu verbergen, als er zugibt.

Für den klugen Anleger bleibt in diesem Umfeld der Unsicherheit eine zeitlose Erkenntnis bestehen: Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Wertspeicher bewährt – unabhängig davon, ob Zentralbanken ihre Unabhängigkeit bewahren oder verlieren. Sie sind der ultimative Schutz gegen die Unwägbarkeiten einer Geldpolitik, deren theoretische Fundamente möglicherweise weniger solide sind, als man uns glauben machen will.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden. Konsultieren Sie im Zweifelsfall einen qualifizierten Finanzberater.

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