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Kettner Edelmetalle
25.03.2026
08:43 Uhr

Deutsches Bauhauptgewerbe im freien Fall: Auftragseingang bricht dramatisch ein

Die Zahlen, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch veröffentlichte, lesen sich wie ein Krankenbericht der deutschen Baubranche – und die Diagnose ist alles andere als ermutigend. Der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist im Januar 2026 gegenüber dem Vormonat um satte 5,1 Prozent eingebrochen. Kalender- und saisonbereinigt wohlgemerkt. Das bedeutet: Weder Wetter noch Feiertage können als Ausrede herhalten.

Hochbau und Tiefbau gleichermaßen betroffen

Besonders bemerkenswert ist, dass der Rückgang beide Säulen des Bauhauptgewerbes nahezu identisch trifft. Der Hochbau verzeichnete ein Minus von 5,0 Prozent, der Tiefbau sackte um 5,1 Prozent ab. Wer gehofft hatte, dass wenigstens die milliardenschweren Infrastrukturversprechen der neuen Bundesregierung dem Tiefbau Auftrieb verleihen würden, sieht sich bitter enttäuscht. Von dem viel beschworenen 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur, das die Große Koalition unter Friedrich Merz auf den Weg gebracht hat, scheint in der Realität der Bauwirtschaft noch herzlich wenig angekommen zu sein.

Auch der weniger volatile Dreimonatsvergleich zeichnet ein düsteres Bild. Von November 2025 bis Januar 2026 lag der Auftragseingang um 2,8 Prozent unter dem Niveau der drei Vormonate. Im Hochbau beträgt der Rückgang sogar erschreckende 5,8 Prozent. Einzig der Tiefbau konnte sich im Dreimonatsvergleich auf Vorquartalsniveau halten – eine Stagnation, die man angesichts der Gesamtlage fast schon als Erfolg verbuchen möchte.

Vorjahresvergleich offenbart strukturelle Schwäche

Wer den Blick auf den Vorjahresvergleich richtet, findet kaum Trost. Der reale, kalenderbereinigte Auftragseingang sank im Januar 2026 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Hochbau verlor dabei 6,9 Prozent – ein Wert, der die anhaltende Misere im Wohnungsbau schonungslos offenlegt. Jahrelang wurde in Deutschland zu wenig gebaut, die Baukosten explodierten, die Zinsen stiegen, und die regulatorische Bürokratie erstickte jeden Funken unternehmerischer Initiative. Dass sich daran unter der neuen Regierung substanziell etwas geändert hätte, lässt sich anhand dieser Zahlen beim besten Willen nicht behaupten.

Der nominale Auftragseingang, also ohne Preisbereinigung, lag 3,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Selbst die Inflation konnte den Rückgang also nicht kaschieren.

Umsätze brechen noch stärker ein

Noch dramatischer als die Auftragslage präsentieren sich die Umsatzzahlen. Der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe fiel im Januar 2026 um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nominal schrumpfte er um 5,1 Prozent auf gerade einmal 5,4 Milliarden Euro. Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen: In einem Land, das händeringend Wohnungen, Brücken, Straßen und Schienen braucht, bricht der Bauumsatz ein, als gäbe es nichts mehr zu tun.

Immerhin – und das ist vielleicht die einzige halbwegs positive Nachricht in diesem Trauerspiel – stieg die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe leicht um 1,0 Prozent auf rund 537.000 Personen. Doch wie lange Unternehmen bei sinkenden Aufträgen und schrumpfenden Umsätzen an ihren Mitarbeitern festhalten können, dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

Ein Symptom tieferliegender Probleme

Die Krise des deutschen Bauhauptgewerbes ist kein isoliertes Phänomen. Sie ist Ausdruck einer jahrelangen Fehlsteuerung, die unter der Ampelregierung ihren traurigen Höhepunkt fand und deren Folgen auch die neue Große Koalition nicht über Nacht beseitigen kann – sofern sie es überhaupt ernsthaft versucht. Überbordende Energiekosten, eine erdrückende Regulierungsdichte, das Gebäudeenergiegesetz und eine Zinspolitik, die Bauherren das Fürchten lehrte: All das hat dazu geführt, dass Deutschland beim Bauen international längst den Anschluss verloren hat.

Während andere Länder pragmatisch bauen, diskutiert man hierzulande lieber über Klimaneutralität bis 2045, die nun sogar im Grundgesetz verankert wurde. Dass diese ambitionierten Klimaziele die Baukosten weiter in die Höhe treiben und Investoren abschrecken, scheint in Berlin niemanden sonderlich zu beunruhigen. Das 500-Milliarden-Sondervermögen, das eigentlich die marode Infrastruktur retten sollte, wird kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten – während die Aufträge im Baugewerbe paradoxerweise weiter sinken.

Für den deutschen Bürger, der auf eine bezahlbare Wohnung wartet oder täglich über kaputte Straßen fährt, sind diese Zahlen mehr als nur trockene Statistik. Sie sind ein Armutszeugnis für eine Politik, die große Versprechen macht, aber bei der Umsetzung kläglich scheitert. Deutschland braucht nicht noch mehr Sondervermögen und Klimagesetze – es braucht endlich wieder eine Politik, die das Bauen einfacher, schneller und günstiger macht. Doch danach sieht es, den aktuellen Zahlen nach zu urteilen, leider nicht aus.

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