
Deutsche Bahn versagt erneut: Strecke Hamburg-Berlin wird zur Endlos-Baustelle
Es ist ein Trauerspiel, das seinesgleichen sucht – und doch so symptomatisch für den Zustand der deutschen Infrastruktur ist wie kaum ein anderes Beispiel. Die Sanierung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin, einer der meistbefahrenen Verbindungen des Landes, wird nicht wie versprochen Ende April abgeschlossen sein. Die Deutsche Bahn hat eingeräumt, dass sich die Fertigstellung auf unbestimmte Zeit verschiebt. Auf unbestimmte Zeit. Man lasse sich diese Formulierung auf der Zunge zergehen.
Winterwetter als Ausrede – ein Land, das am Wetter scheitert
Als Begründung für das Debakel führt das Staatsunternehmen allen Ernstes das Winterwetter der vergangenen Wochen an. Man reibt sich verwundert die Augen: Ein Land, das einst Autobahnen und Eisenbahnnetze von Weltrang errichtete, scheitert im 21. Jahrhundert am Frost? Beim Kabeltiefbau für die Signalanlagen sei es zu Verzögerungen gekommen, heißt es lapidar. Dass es in Deutschland zwischen November und März kalt werden kann, dürfte selbst den ambitioniertesten Klimaschützern nicht entgangen sein. Offenbar aber den Planern der Deutschen Bahn.
Ursprünglich hatte die Bahn versprochen, die Sanierung in neun Monaten abzuschließen. Seit August 2025 laufen die Arbeiten auf der 280 Kilometer langen Strecke, die durch fünf Bundesländer führt. Täglich sind hier rund 30.000 Fahrgäste im Fernverkehr unterwegs, insgesamt 470 Züge pro Tag. Dass eine solche Lebensader des Landes nun auf unbestimmte Zeit lahmgelegt bleibt, ist nicht nur ein logistisches Problem – es ist ein Offenbarungseid.
Pendler als Leidtragende einer maroden Infrastrukturpolitik
Die Konsequenzen für die Betroffenen sind verheerend. Der Fernverkehr wird derzeit über Stendal und Uelzen umgeleitet, was die Fahrtzeit um mindestens 45 Minuten verlängert. Statt zwei Verbindungen pro Stunde gibt es nur noch eine. Städte wie Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern und Wittenberge in Brandenburg werden vom Fernverkehr schlicht abgehängt – dort hält kein Zug mehr.
Besonders bitter trifft es die Regionalverkehrs-Pendler. Wer von Wittenberge nach Berlin muss, braucht mit dem Ersatzverkehr per Bus nun drei Stunden – doppelt so lange wie vor der Sanierung. Von Perleberg in die Hauptstadt sind es drei statt zwei Stunden. Für Menschen, die täglich zur Arbeit pendeln, ist das nicht nur eine Zumutung, sondern eine existenzielle Belastung.
Jahrzehntelange Vernachlässigung rächt sich
Das Desaster auf der Strecke Hamburg-Berlin ist kein Einzelfall, sondern das Symptom einer jahrzehntelangen Vernachlässigung der deutschen Schieneninfrastruktur. Während andere europäische Länder – allen voran die Schweiz, Japan oder Spanien – ihre Bahnnetze konsequent modernisierten und ausbauten, wurde in Deutschland gespart, verschoben und vertagt. Die politische Klasse feierte sich lieber für ideologische Prestigeprojekte, als in die Grundlagen eines funktionierenden Gemeinwesens zu investieren.
Dass die neue Große Koalition unter Friedrich Merz nun ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur aufgelegt hat, klingt zunächst vielversprechend. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wird das Geld tatsächlich dort ankommen, wo es gebraucht wird – bei Schienen, Brücken und Straßen? Oder versickert es in bürokratischen Strukturen, überteuerten Beraterhonoraren und politischen Kompromissen? Die Erfahrung der vergangenen Jahre stimmt nicht gerade optimistisch.
Ein Sinnbild für den Zustand der Nation
Die Endlos-Baustelle zwischen Hamburg und Berlin ist mehr als ein Bahnproblem. Sie ist ein Sinnbild für ein Land, das den Anschluss zu verlieren droht. Während in China Hochgeschwindigkeitsstrecken in Rekordzeit aus dem Boden gestampft werden, schafft es die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht einmal, eine bestehende Strecke termingerecht zu sanieren. Das Winterwetter als Ausrede heranzuziehen, grenzt dabei an Realsatire.
Die 30.000 täglichen Fahrgäste, die Pendler aus fünf Bundesländern, die abgehängten Kleinstädte – sie alle zahlen den Preis für eine Politik, die über Jahrzehnte hinweg Prioritäten falsch gesetzt hat. Wer Milliarden für ideologische Projekte ausgibt, aber die Grundinfrastruktur verfallen lässt, darf sich über marode Gleise und geplatzte Zeitpläne nicht wundern. Deutschland braucht keine weiteren Versprechen. Es braucht Ergebnisse.

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