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Kettner Edelmetalle
31.07.2026
04:42 Uhr

Der Liquiditätsschock täuscht: Warum Gold und Silber in der Krise erst fallen – und danach explodieren

Der Liquiditätsschock täuscht: Warum Gold und Silber in der Krise erst fallen – und danach explodieren

Kaum knirscht es im Getriebe der Weltwirtschaft, greift der Reflex: Ab ins Gold. Doch wer glaubt, Edelmetalle würden in der Sekunde der Panik senkrecht nach oben schießen, hat die Mechanik der Märkte nicht verstanden. Die Wahrheit ist unbequemer – und für den langfristig denkenden Anleger am Ende hochprofitabel.

Wenn Liquidität wichtiger wird als Werterhalt

Zu Beginn großer Krisen fallen die Preise von Gold und ganz besonders von Silber häufig zunächst selbst. Das hat nichts mit einem Vertrauensverlust in das älteste Geld der Menschheit zu tun. Es liegt schlicht daran, dass Fonds, Banken und überschuldete Spekulanten in der Panik verkaufen müssen, was sich überhaupt noch verkaufen lässt. Und Edelmetalle sind – anders als eine Gewerbeimmobilie in Duisburg oder ein illiquides Anleihenpaket – jederzeit zu Bargeld zu machen.

Der Herbst 2008 lieferte das Lehrstück. Der Goldpreis rutschte von knapp 1.000 auf rund 700 US-Dollar, erholte sich aber noch vor dem Jahreswechsel und marschierte anschließend zu neuen Rekorden. Silber traf es brutaler: von etwa 21 auf unter neun Dollar, ein Absturz von über 50 Prozent, während Gold „nur" rund zwölf Prozent abgab. Im März 2020, als die Corona-Hysterie die Märkte lähmte, wiederholte sich das Muster fast identisch – Silber fiel binnen weniger Wochen von rund 18 auf zwölf Dollar, Gold gab deutlich moderater nach.

Wer in der Panik verkauft, verpasst die Erholung. Diese Lektion mussten Anleger in jeder einzelnen Krise der jüngeren Geschichte aufs Neue lernen.

Silber – der Turbo nach dem Tief

Denn genau hier liegt der entscheidende Punkt: In der Erholungsphase hängt Silber das Gold historisch regelmäßig ab. Nach dem Tief von 2008 legte das weiße Metall um rund 400 Prozent zu, Gold „lediglich" um etwa 170 Prozent. Im Corona-Jahr 2020 gewann Silber knapp 48 Prozent, Gold gut 25 Prozent.

Der Grund ist die Doppelnatur des Silbers. Gold ist reines Geldmetall, Silber dagegen zusätzlich unverzichtbarer Industrierohstoff – von der Elektronik bis zur Photovoltaik. Lösen sich die Konjunkturängste auf, kehren monetäre und industrielle Nachfrage gleichzeitig zurück. Zwei Motoren, ein Preis.

Was Gold im Abschwung stützt

Gold wiederum profitiert im Abschwung gleich mehrfach. Notenbanken senken die Leitzinsen, um die Konjunktur zu reanimieren – womit die Opportunitätskosten des zinslosen Goldbesitzes sinken. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach einem Vermögenswert ohne Gegenparteirisiko, während das Vertrauen in Aktien, Anleihen und mitunter sogar in Banken bröckelt. Eine Untersuchung über sechs große US-Rezessionen zeigt: In fünf Fällen stieg der Goldpreis, nur 1990/91 gab er leicht nach.

Die Ausnahme? Wenn Notenbanken die Inflation wirklich mit aller Härte bekämpfen, wie zu Beginn der 1980er-Jahre, als die US-Zinsen bis auf 20 Prozent kletterten. Nur: Welche Zentralbank der Gegenwart traut sich das noch? Bei Staatsschuldenbergen, die in Deutschland gerade durch ein 500-Milliarden-Sondervermögen und die im Grundgesetz zementierte Klimaneutralität weiter aufgetürmt werden, wäre eine solche Zinspolitik der finanzielle Selbstmord des Staates. Man wird die Inflation stattdessen laufen lassen. Das ist keine Prophezeiung, das ist Arithmetik.

Die Lehre der 1930er: Wenn die Politik den Preis diktiert

Eine Depression ist etwas anderes als eine Rezession – tiefer, länger, oft mit Deflation. In den 1930er-Jahren war der Goldpreis in den USA offiziell auf 20,67 Dollar je Feinunze fixiert. Der Werterhalt zeigte sich deshalb nicht im Preis, sondern in der Kaufkraft: Die allgemeinen Preise fielen um rund 24 Prozent, Gold blieb nominal konstant – und gewann real massiv.

1934 hob Präsident Roosevelt den Goldpreis per Federstrich auf 35 Dollar an. Eine Aufwertung um 69 Prozent über Nacht, nicht durch den Markt, sondern durch politische Willkür. Und im selben Atemzug zwang die „Executive Order 6102" die amerikanischen Bürger, ihr privates Gold abzuliefern. Man merke sich diesen Vorgang gut: Wenn Staaten in Not geraten, greifen sie nach dem Eigentum ihrer Bürger. Ähnliches erlebte Europa während der Napoleonischen Kriege, als Österreich seine Währung nach der Niederlage von Austerlitz um 80 Prozent gegenüber Gold abwertete.

Drei Lehren für den Anleger

Erstens: Kurzfristige Rückschläge zu Krisenbeginn sind kein Versagen der Edelmetalle, sondern Ausdruck der allgemeinen Jagd nach sofort verfügbarer Liquidität.

Zweitens: Wer physisch hält – Münzen und Barren, im eigenen Zugriff, nicht als Papierversprechen – profitiert historisch überproportional von der Erholung. Beim Silber noch stärker als beim Gold.

Drittens: In stagflationären Szenarien, in denen Wachstumsschwäche auf hartnäckige Inflation trifft, wie in den 1970er-Jahren, entfaltet Silber sein größtes Potenzial. Ein Szenario, das angesichts der deutschen Wirtschaftslage und der schuldenfinanzierten Ausgabenpolitik der Berliner Regierung alles andere als abwegig erscheint.

Gold und Silber sind keine Wette auf das schnelle Geld. Sie sind der Anker in einem Portfolio, dessen übrige Bestandteile im Sturm reihenweise über Bord gehen. Wer das begreift, verkauft nicht in der Panik – sondern kauft.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ersetzt keine individuelle fachkundige Beratung. Die dargestellten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Historische Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen vollumfänglich selbst. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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