
Der große Ausverkauf: Wie Deutschlands Tafelsilber in fremde Hände wandert
Es ist ein Vorgang, der schleichend voranschreitet und dennoch von epochaler Tragweite ist: Die deutsche Wirtschaft verliert ihre nationale Substanz. Was über Jahrzehnte als Rückgrat des Wohlstands galt – Traditionsunternehmen mit deutschen Eigentümern, deutscher Wertarbeit und deutschen Arbeitsplätzen – zerbröselt vor unseren Augen. Stück für Stück, Aktie für Aktie, Firma für Firma. Wer heute noch von der „deutschen Wirtschaft“ spricht, redet zunehmend über eine Fiktion.
Hugo Boss, Covestro, Perlon – die Liste der Verluste wird länger
Die jüngsten Beispiele lesen sich wie ein Nachruf auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der schwäbische Modekonzern Hugo Boss, ein Name mit jahrzehntelanger Tradition, soll an den britischen Milliardär Mike Ashley und seine Frasers Group gehen. Geboten werden 38 Euro je Aktie, was den Konzern mit rund 2,7 Milliarden Euro bewerten würde. Schon heute hält Frasers über 26 Prozent der Anteile. Der Rest dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.
Doch Hugo Boss ist nur die Spitze des Eisbergs. Erst in dieser Woche wurde bekannt, dass der einstige Chemie-Weltmarktführer Perlon – im vergangenen Oktober in die Insolvenz gerutscht – an einen chinesischen Investor übergeht. Mit Covestro wurde 2025 erstmals ein kompletter DAX-Konzern an einen Staatskonzern vom Golf verkauft: Der Leverkusener Chemiehersteller landete für rund 15,3 Milliarden Euro beim Abu-Dhabi-Ölriesen Adnoc. Und auch der Elektronikhändler Ceconomy mit Media Markt und Saturn ging Ende 2025 mehrheitlich an den chinesischen Online-Giganten JD.com.
Für ausländische Investoren sind viele dieser Firmen leichte Beute. Angeschlagene Unternehmen lassen sich zum Schnäppchenpreis übernehmen – ein Ausverkauf, der durch die hausgemachte Standortkrise erst möglich wurde.
Warum das Tafelsilber so billig zu haben ist
Man muss kein Volkswirt sein, um die Ursachen zu erkennen. Es sind die erdrückenden Standortbedingungen, die deutsche Unternehmen in die Knie zwingen: explodierende Energiekosten, eine ausufernde Bürokratie, höchste Steuern und Abgaben und eine Politik, die der eigenen Industrie seit Jahren das Leben schwermacht statt sie zu fördern. Wer Unternehmen erst durch ideologische Energiepolitik und überbordende Regulierung in die Krise treibt, darf sich nicht wundern, wenn ausländische Investoren das Filetstück günstig vom Tisch räumen.
Mehr als die Hälfte des DAX in fremder Hand
Die Zahlen sind alarmierend. Einer Untersuchung von Ernst & Young zufolge befanden sich im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 53 Prozent der DAX-Aktien in der Hand ausländischer Investoren – mit seit Jahren steigender Tendenz. Der Anteil nordamerikanischer Anleger kletterte zwischen 2010 und 2025 von 17 auf 25 Prozent, während der europäische Anteil von knapp 26 auf 23 Prozent sank. Von den 54 Milliarden Euro an Dividendenausschüttungen flossen mindestens 27 Milliarden ins Ausland. Die Hälfte des Gewinns deutscher Spitzenkonzerne wandert also außer Landes.
Bei 24 der 40 DAX-Konzerne liegt die Mehrheit der Anteile inzwischen in ausländischen Depots. Beim Chemiehändler Brenntag erreichte der Auslandsanteil zuletzt sage und schreibe 88 Prozent, beim Luftfahrtzulieferer MTU Aero Engines 83 Prozent. An der Spitze der Einzelinvestoren thront der US-Vermögensverwalter BlackRock, der als größter Einzelaktionär im DAX gilt und zuletzt auf 8,5 Prozent des frei handelbaren Anteils kam. Die Frage, wie deutsch diese Unternehmen tatsächlich noch sind, ist längst keine rhetorische mehr.
Wenn die Chefetage international wird – und die Produktion abwandert
Der Identitätsverlust endet nicht bei den Eigentümern. Auch an der Spitze deutscher Konzerne sitzen zunehmend internationale Manager. Mercedes-Benz wird vom Schweden Ola Källenius geführt, Bayer vom US-Amerikaner Bill Anderson. Parallel dazu verlagern immer mehr Unternehmen ihre Produktion ins Ausland. Der Haushaltsgerätehersteller Miele kündigte 2024 an, die Fertigung schrittweise vom Stammsitz Gütersloh nach Polen zu verlegen – rund 700 Stellen sind betroffen, bis zu 2.000 weitere wurden gestrichen. Als Grund nannte die Führung die hohen Kosten für Löhne, Energie, Bürokratie und Abgaben in Deutschland. Klartext gesprochen.
Auch Bosch macht ernst: Allein 2024 fielen weltweit 11.500 Arbeitsplätze weg, davon 4.400 in Deutschland. Insgesamt sind rund 28.000 Stellen betroffen – das größte Sparprogramm in der 140-jährigen Geschichte des Konzerns. Volkswagen will bis 2030 sogar rund 50.000 Stellen in Deutschland abbauen. Schon 2016 arbeiteten knapp 60 Prozent der Beschäftigten der DAX-Konzerne im Ausland. Zwischen 2021 und 2023 gingen laut Statistischem Bundesamt netto rund 50.800 Arbeitsplätze durch die Verlagerung von Unternehmensfunktionen ins Ausland verloren.
Ein Symptom des Abstiegs – und die Verantwortung der Politik
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Dieser Ausverkauf ist kein Naturereignis, sondern das direkte Resultat einer Politik, die den eigenen Standort über Jahre vernachlässigt, verteuert und mit ideologischen Auflagen überzogen hat. Wer das industrielle Herz einer Nation durch Energiewende-Romantik, Bürokratiewahn und Rekordsteuern schwächt, der bereitet den Boden für genau jene Übernahmen, die nun beklagt werden. Die deutsche Wirtschaft bröckelt still und leise in sich zusammen – und ein erheblicher Teil des Volkes hat das längst verstanden, auch wenn es in Berlin offenbar niemand wahrhaben will.
Was bleibt dem Bürger?
Während Konzerne den Besitzer wechseln und Dividenden ins Ausland abfließen, stellt sich für den einzelnen Sparer die existenzielle Frage: Wie schütze ich mein Vermögen, wenn selbst das industrielle Fundament des Landes ins Wanken gerät? Wer sein Erspartes nicht den Launen fremder Investoren und einer kriselnden Standortpolitik überlassen möchte, sollte über krisenfeste Werte nachdenken. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen keinen Eigentümerwechsel im Vorstand und keine Produktionsverlagerung nach Polen. Sie liegen im eigenen Tresor – greifbar, wertbeständig und unabhängig von der Willkür ausländischer Übernahmen. Als solide Beimischung eines breit gestreuten Portfolios bewahren sie ein Stück echter Unabhängigkeit in unsicheren Zeiten.
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und seine Entscheidungen in eigener Verantwortung zu treffen. Für Verluste, die aus Investitionsentscheidungen entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung. Bitte konsultieren Sie bei Bedarf einen unabhängigen Fachberater.

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