
Claude-Macher Anthropic will an die Börse: 80 Milliarden Dollar Verlust!

Der KI-Konzern Anthropic aus San Francisco hat am Montag seinen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Der Entwickler des Chatbots Claude will an die Technologiebörse Nasdaq, das Kürzel soll „ANT“ lauten. Die Zahlen im Prospekt sind gewaltig, und das gilt für die Umsätze genauso wie für die Verluste.
Ein Termin für den Börsenstart steht im Prospekt nicht. Auch eine Bewertung fehlt. Erwartet wird das Debüt spätestens zum Jahresende. Medienberichten zufolge peilt das Unternehmen sogar die Woche ab dem 16. November an.
Billionen-Fantasie nach SpaceX-Vorbild
Am Markt wird geschätzt, dass die Bewertung ähnlich hoch ausfallen könnte wie bei Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX. Die ging im Juni mit einer Rekordbewertung von 1,77 Billionen Dollar an die Börse. Einige Beobachter sprechen sogar von bis zu zwei Billionen Dollar und einem Emissionsvolumen von rund 100 Milliarden.
Aber nicht alle sind so euphorisch. Laut Reuters denken manche Investoren inzwischen über eine niedrigere Bewertung von etwa 1,5 Billionen Dollar nach. Anthropic selbst wollte sich auf Anfrage zunächst nicht äußern.
Umsatz verdreizehnfacht, Verlust explodiert
Zum ersten Mal legt Anthropic offizielle Zahlen für 2026 vor. Im ersten Halbjahr setzte der Konzern 16,3 Milliarden Dollar um. Ein Jahr zuvor waren es 1,2 Milliarden. Damit liegt allein das Halbjahr weit über dem Umsatz des gesamten Vorjahres, der Berichten zufolge bei 4,6 Milliarden Dollar lag.
Auf der anderen Seite steht ein Nettoverlust von 80,75 Milliarden Dollar. Wie Reuters unter Berufung auf den Prospekt berichtet, gehen rund 72 Milliarden davon auf eine Buchungsbelastung zurück. Der geschätzte Wert von Wandelanleihen, die später in Aktien umgetauscht werden können, ist stark gestiegen. Bargeld ist dabei nicht abgeflossen. Ohne diesen Sondereffekt bleibt trotzdem ein Milliardenloch. Im Vorjahreszeitraum lag der Verlust bei 13 Milliarden Dollar.
Ein Fass ohne Boden namens Rechenleistung
Den Großteil des Geldes verschlingen Chips und Rechenzentren. Im ersten Halbjahr gab Anthropic fast neun Milliarden Dollar für Rechenkapazität aus, ein Jahr zuvor waren es 2,3 Milliarden. Laut Reuters hat sich der Konzern verpflichtet, über zehn Jahre mindestens 518 Milliarden Dollar für Cloud-Dienste und Infrastruktur auszugeben. Eine Dividende sei laut Prospekt auf absehbare Zeit nicht geplant.
Hinzu kommt ein Detail, das Anleger aufhorchen lässt: Das Wachstum verlangsamt sich offenbar. Im dritten Quartal soll der Umsatz Berichten zufolge um 45 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar gestiegen sein. Vom ersten aufs zweite Quartal hatte er sich noch mehr als verdoppelt. Im Prospekt warnt das Unternehmen selbst, das Tempo sei womöglich nicht zu halten.
Stimmungstest für den ganzen KI-Hype
Der Börsengang gilt als Gradmesser für die gesamte KI-Branche. Im kommenden Jahr soll der größte Rivale OpenAI folgen. Gelingt der Start von Anthropic, dürfte der Rausch weitergehen. Geht er schief, könnten viele Tech-Werte ins Rutschen kommen, die eng miteinander verflochten sind.
Ältere Anleger kennen das Muster. Um das Jahr 2000 zählte am Neuen Markt nur die Geschichte von morgen, nicht der Gewinn von heute. Am Ende verloren viele Privatanleger, auch in Deutschland, sehr viel Geld. Ob es diesmal anders läuft, kann heute niemand seriös sagen.
Fazit: Glänzende Zukunft, rote Zahlen
Anthropic ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Akteure der neuen Technologie. Wer aber bei einem Unternehmen mit zweistelligen Milliardenverlusten zu einer Bewertung in Billionenhöhe einsteigt, setzt vor allem auf Hoffnung. Wer sein Vermögen vor solchen Bewertungsblasen schützen will, kann physische Edelmetalle wie Gold und Silber als Beimischung in ein breit gestreutes Depot aufnehmen. Sie zahlen keine Zinsen, sie schreiben aber auch keine Verluste und kommen ohne Wandelanleihen und ohne Versprechen auf die Zukunft aus.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung, Wertpapiere oder andere Anlageprodukte zu kaufen oder zu verkaufen. Er gibt unsere redaktionelle Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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