
Chinas grüne Luftschlösser: Gigawatt-Rekorde auf dem Papier, Kohle im Kabel

Es ist die Geschichte eines Missverständnisses, das in Berlin seit Jahren als Legitimation für die eigene Energiewende herhalten muss: China baue Wind- und Solaranlagen im Rekordtempo, also müsse Deutschland doch bloß nachziehen. Wer allerdings genauer hinschaut, entdeckt hinter den beeindruckenden Zahlen aus Peking eine ungemütliche Wahrheit. Denn was auf chinesischen Feldern und Wüstenflächen entsteht, kommt schlicht nicht dort an, wo es gebraucht wird.
Zwanzig Prozent grün – zweiundvierzig Prozent Kohle
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In Chinas Ultrahochspannungsleitungen, jenen technischen Wunderwerken, die Strom über Tausende Kilometer schleusen, stammen gerade rund 20 Prozent der transportierten Energie aus Wind und Sonne. Kohlekraft dagegen bringt es auf 42 Prozent. Und dieser Anteil hat sich seit 2021 kaum verschoben. Der vermeintliche Siegeszug der Erneuerbaren findet also vor allem in Pressemitteilungen statt, nicht in den Leitungen.
Der Grund liegt in der Geographie: Die riesigen Solar- und Windparks entstehen im trockenen Norden und Nordwesten, wo Platz im Überfluss vorhanden ist. Die Fabriken, die diesen Strom verschlingen würden, stehen jedoch an der Ost- und Südküste. Zwischen Erzeugung und Verbrauch liegen ganze Landschaften – und viel zu wenige Trassen.
Wenn der Windpark abgeschaltet wird, weil das Kabel fehlt
Allein 2025 gingen in China rund 317 Gigawatt Solarleistung und 120 Gigawatt Windkraft neu ans Netz. Bis Juni 2026 befanden sich weitere 664 Gigawatt Solar- und 698 Gigawatt Wind in Planung oder Bau. Klingt gewaltig. Nur: Bis 2030 bräuchten allein 315 Gigawatt aus den Megastandorten neue Fernleitungen. Nötig wären dafür 27 zusätzliche Gleichstromtrassen – geplant sind etwa zehn.
Die Folge kennt jeder, der die deutsche Debatte um Abregelung und Redispatch verfolgt: Betreiber müssen ihre Anlagen drosseln oder ganz stillstehen lassen. Produzierter Strom, der niemanden erreicht, ist eben kein Strom, sondern eine Abschreibung.
Installierte Kapazität ersetzt keine Kohle, solange Leitungen, Speicher und Marktregeln nicht Schritt halten. Ein Satz, den man in deutschen Ministerien gerahmt aufhängen sollte.
Kohle als Fundament, nicht als Übergang
Besonders bemerkenswert: Elf der geplanten neuen Trassen sollen 129 Gigawatt Wind- und Solarleistung mit 40 Gigawatt Kohlekraft verbinden. Der zu erwartende Strommix wäre damit annähernd halb fossil. China baut also keine grüne Infrastruktur, die Kohle irgendwann verdrängt – es baut eine Hybridinfrastruktur, in der Kohle fest eingeplant bleibt. Langfristige Lieferverträge und regionale Vorgaben zementieren diesen Vorrang zusätzlich. Flexibilität? Kaum vorhanden, wenn Wind und Sonne plötzlich liefern.
Neue Ziele, alte Probleme
Am 23. Juli legte Peking dennoch nach: Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne soll bis 2030 um 53 Prozent steigen, künftig mehr als 4.000 Terawattstunden jährlich und etwa 30 Prozent der Gesamterzeugung liefern. Speicher sollen helfen, bei Lastspitzen acht Prozent der installierten Leistung gesichert bereitzustellen, in kritischen Phasen mindestens 20 Prozent des Bedarfs. Über 300 Gigawatt zusätzliche abrufbare Leistung sind vorgesehen. Ambitioniert, gewiss. Doch Ziele auf Papier haben noch nie eine Leitung gebaut.
Die deutsche Lehre, die niemand ziehen will
Wer aus diesem Befund den Schluss zieht, Deutschland müsse nur schneller ausbauen, hat nichts verstanden. China verfügt über Planungshoheit, Zentralstaat und schier unbegrenzte Baukapazitäten – und scheitert dennoch an der Physik der Netze. Was soll dann aus einem Land werden, das seine Grundlastkraftwerke ideologisch abgeschaltet hat, Trassen jahrzehntelang beklagt und gleichzeitig die Klimaneutralität bis 2045 ins Grundgesetz schreibt? Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hält am Kurs fest, garniert ihn mit 500 Milliarden Euro Schulden und nennt das Fortschritt. Die Rechnung zahlen Stromkunden und Steuerzahler – über Jahrzehnte, über Generationen.
Und während in Peking die Realität die Ideologie korrigiert, wird in Berlin die Ideologie zur Realität erklärt. Wer sein Vermögen gegen die absehbaren Folgen solcher Politik – Inflation, Kaufkraftverlust, industrielle Erosion – absichern möchte, kommt an physischen Edelmetallen als bewährtem Fundament eines breit gestreuten Portfolios kaum vorbei. Gold und Silber benötigen weder Trassen noch Genehmigungen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wider. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.












