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08.09.2026
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China-Schock 2.0: US-Ökonom sieht deutsche Industrie in Todesgefahr

China-Schock 2.0: US-Ökonom sieht deutsche Industrie in Todesgefahr
Symbolbild: KI-generiert

Der US-Ökonom Brad Setser vom "Council on Foreign Relations" warnt vor einer massiven Deindustrialisierung Deutschlands. In einem Interview mit dem "Spiegel" spricht er von einem "China-Schock 2.0" – und diesmal treffe die Wucht nicht die USA, sondern den industriellen Kern der Bundesrepublik.

Setsers Befund ist unbequem: Chinas Exportwachstum beschleunige sich enorm, der Überschuss im Warenhandel schwelle rasant an. Gleichzeitig stagnierten oder sänken die Importe der Volksrepublik seit Längerem. Kurz gesagt: Peking verkauft der Welt immer mehr – und kauft immer weniger.

Vom T-Shirt zur Tunnelbohrmaschine

Beim ersten China-Schock Anfang der Nullerjahre habe es vor allem die USA und Südeuropa erwischt. Damals übernahm China die Fertigung von T-Shirts und Fernsehern. Billigware, austauschbar, wenig Wertschöpfung.

Heute sei das anders. "China produziert und exportiert jetzt im großen Stil E-Autos, Chemikalien oder Tunnelbohrmaschinen", wird Setser zitiert. Genau dort also, wo Deutschland seit Jahrzehnten sein Geld verdient – Maschinenbau, Chemie, Automobil.

55 Millionen Fahrzeuge – eine Zahl, die alles verändert

Besonders alarmierend liest sich Setsers Blick auf die Autoindustrie. China verfüge inzwischen über Produktionskapazitäten für rund 55 Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Damit könne das Land die gesamte europäische Nachfrage im Alleingang bedienen.

Zugleich wachse Chinas Fahrzeugexport um mehr als drei Millionen Autos jährlich – ungefähr die Menge, die Deutschland insgesamt ausführt. Der Ökonom warnt: Werde hierzulande erst einmal nicht mehr gebaut, falle die Industrie auch anderswo hinter die technologische Spitze zurück. Wer konsumieren wolle, müsse langfristig auch produzieren.

Die Zahlenlage stützt seine Sorge. Medienberichten zufolge zogen Chinas Exporte im August um rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat an; der Handelsüberschuss summierte sich in den ersten acht Monaten auf annähernd 806 Milliarden Dollar.

Zölle, Zwangs-Joint-Ventures, "Buy European"

Setsers Rezept ist unverblümt protektionistisch. Zölle auf chinesische Waren halte er "leider für notwendig – und das so schnell wie möglich", vor allem bei Autos, Teilen des Maschinenbaus und der Chemie. Außerdem solle Europa chinesische Investoren zu Gemeinschaftsunternehmen verpflichten, wie es China dem Westen jahrzehntelang vorexerziert hat. Auch "Buy-European"-Klauseln müssten geprüft werden.

"Deutschland und Europa spielen gern nach den marktwirtschaftlichen Regeln. Im Grunde ist das gut so. Nur spielen die anderen nicht mehr danach."

Peking werde mit Vergeltung reagieren, räumt er ein. Europa müsse das aushalten, betroffenen Branchen helfen und dann rote Linien ziehen. Druckmittel gebe es genug – etwa im Flugzeugsektor, bei Spezialchemikalien oder über chinesische Gelder in Europa, die eingefroren werden könnten. Ein Unentschieden im Handelskrieg wäre für ihn strategisch bereits ein Sieg.

Hausgemachte Schwäche kommt hinzu

Aus Sicht unserer Redaktion fehlt in dieser Debatte ein Kapitel: der Standort selbst. Höchste Energiepreise, wuchernde Bürokratie, Steuerlast, politisch verordnete Antriebswende – wer im eigenen Haus die Statik schwächt, muss sich über den Sturm von außen nicht wundern. Zölle mögen Zeit kaufen. Wettbewerbsfähigkeit kaufen sie nicht.

Für Sparer bedeutet das: Strukturbrüche in der Industrie sind keine Randnotiz, sondern treffen Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und am Ende die Kaufkraft. Physische Edelmetalle können in solchen Phasen als krisenerprobte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen dienen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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