
Ceuta unter Belagerung: 60.000 Migranten stürmen Europas Südgrenze – Brüssel beruft Krisentreffen ein

Was sich in den vergangenen Tagen an der nordafrikanischen Küste abgespielt hat, ist kein Grenzzwischenfall mehr. Es ist ein Menetekel. Zwischen 50.000 und 60.000 Menschen haben es binnen kürzester Zeit von Marokko aus in die spanische Exklave Ceuta geschafft – eine Zahl, die der Einwohnerschaft mittelgroßer deutscher Städte entspricht. Mindestens 67 Menschen bezahlten den Versuch mit dem Leben, Einsatzkräfte suchten das Meer noch immer nach Vermissten ab. Und Europa? Europa beruft eine Sitzung ein.
Ein Krisentreffen als politische Beruhigungspille
Am Dienstag sollen die Innenminister der Mitgliedstaaten zusammenkommen, wie der irische Regierungschef Micheál Martin – dessen Land derzeit den EU-Ratsvorsitz führt – ausgerechnet über Facebook verkündete. Leiten werde die Runde der irische Innenminister Jim O'Callaghan. Man stehe in engem Kontakt mit allen Mitgliedstaaten und beobachte die Lage aufmerksam, hieß es aus Dublin.
Man beobachtet. Man berät. Man bleibt in engem Kontakt. Nur schützen will offenbar niemand.
Es ist dieses Vokabular der Untätigkeit, das den Bürgern dieses Kontinents seit dem Jahr 2015 in den Ohren klingelt. Damals hieß es, man habe die Lage im Griff. Heute wissen wir, was daraus geworden ist: importierte Kriminalität, überlastete Kommunen, wachsende Verunsicherung in deutschen Innenstädten – und eine politische Klasse, die jede kritische Nachfrage reflexartig als Ressentiment abtut.
22 Regierungschefs schreiben einen Brief – Madrid schreibt zurück
Immerhin: Der Druck auf Spanien wächst. In einem Schreiben, das auch Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnete, äußerten 22 der 27 Staats- und Regierungschefs erhebliche Besorgnis. Der Vorwurf zwischen den Zeilen ist deutlich: Madrid habe mit seinen jüngsten Entscheidungen erst die Anreize geschaffen, die Zehntausende in Bewegung setzten. Wer die Tür einen Spalt öffnet, sollte sich nicht wundern, wenn sie aus den Angeln gerissen wird.
Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte prompt – mit einem eigenen Brief an Martin, gleichlautend auch an Kommissionspräsidentin von der Leyen, wie der staatliche Sender RTVE berichtete. Sein Argument: Ceuta gehöre nicht zum Schengen-Raum, von dort könne niemand einfach in andere EU-Länder weiterreisen. Eine juristisch elegante Volte, die eine simple Frage offenlässt: Wer hat in den vergangenen zehn Jahren tatsächlich geglaubt, europäische Binnengrenzen seien noch ernsthaft kontrolliert?
Nächster Brennpunkt: Melilla
Nach Angaben der spanischen Regierung sind fast alle Migranten inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Doch Entspannung heißt das nicht. In der zweiten Exklave Melilla herrschte zeitweise Alarmbereitschaft, rund 1.000 Menschen sollen am Freitagabend und in der Nacht versucht haben, die Grenze zu überwinden – nur wenigen sei es gelungen. Der Druck bleibt. Er wird wachsen.
Wer glaubt, das Problem sei ein spanisches, verkennt die Geografie. Ceuta ist der Vorhof, nicht das Haus. Und solange Brüssel Grenzschutz vor allem als Kommunikationsaufgabe versteht, wird jede Krise nach demselben Drehbuch ablaufen: Bilder, Betroffenheit, Briefe, Beratungen – und dann Vergessen bis zum nächsten Mal.
Was daraus für Bürger folgt
Politische Instabilität an den Außengrenzen ist nie nur ein humanitäres oder sicherheitspolitisches Thema. Sie ist auch ein wirtschaftliches. Unsichere Grenzen, ausufernde Sozialkosten, wachsende Staatsschulden – man denke nur an das 500-Milliarden-Sondervermögen der Berliner Koalition – erodieren am Ende die Kaufkraft der eigenen Bevölkerung. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen will, tut gut daran, einen Teil davon in physische Edelmetalle wie Gold und Silber zu legen: Werte, die keine Regierung durch Beschluss entwerten kann und die seit Jahrtausenden dort Bestand haben, wo Papierversprechen scheitern.
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